FC Bayern reagiert im Transfer-Winter auf Personalsorgen: Dienst nach Vorschrift statt Kreativ-Spektakel

Am Donnerstagabend schloss das Winter-Transferfenster. Kurz zuvor hatte der FC Bayern mit Bryan Zaragoza vom FC Granada kurz vor knapp noch seinen dritten und letzten Neuzugang verpflichtet. Der Deal kam nach der Verletzung von Kingsley Coman nicht sonderlich überraschend, Sportdirekor Christoph Freund musste reagieren – und machte das Naheliegendste. Viel Raum für Kreativität blieb ihm nicht.

Vorbild Ribéry: Zaragoza stellt sich bei Bayern vor

Quelle: Perform

Plötzlich ging alles ganz schnell. Zwischen Gerüchten um eine Einigung und der Ankunft von Bryan Zaragoza aus Granada am Donnerstagmorgen lagen nur wenige Stunden.
Zaragoza landete auf dem Sonderflughafen Oberpfaffenhofen, absolvierte den Medizincheck und posierte vor der Kamera. Kurz vor Schließung des Transferfensters gab der FC Bayern offiziell bekannt, dass der Deal auf Leihbasis eingetütet sei. Deadline Day pur.
Doch Zaragozas Fall ist besonderer Natur. Der dribbelstarke Flügelflitzer hatte vor wenigen Wochen schon einmal ein Arbeitspapier an der Säbener Straße unterzeichnet. Langfristig bis 2029. Gültig allerdings erst ab Sommer. Weil Kingsley Coman sich am vergangenen Wochenende aber eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte, sah sich der deutsche Rekordmeister zum Handeln gezwungen.
Zaragoza, der ohnehin ein paar Monate später gekommen wäre, war schließlich die positionsgetreue und damit auch naheliegendste Option. "Im Fußball muss man immer flexibel sein, und so haben wir aufgrund der aktuellen Situation noch einmal reagiert", wurde Sportdirektor Christoph Freund in der dazugehörigen Pressemitteilung zitiert.

Freund: "War ursprünglich nicht so geplant"

Weiter hieß es: "Wir sind froh, dass Bryan Zaragoza früher als eigentlich vereinbart zu uns stößt. Bryan sieht seine Zukunft beim FC Bayern – diese Zukunft beginnt eben schon jetzt."
Am Rande von Zaragozas Vorstellung schob Freund am Freitag nach: "Es war ursprünglich nicht so geplant. Wir haben aufgrund der Verletzungssituation diskutiert, was wir noch machen können. Deshalb war es naheliegend, dass wir es versuchen und ihn jetzt nach München holen."
Naheliegende Entscheidungen treffen, um auf die Abwesenheit der Afrika- und Asien-Cup-Teilnehmer sowie die vielen Verletzten zu reagieren – unter diesem Stern stand eigentlich das gesamte Winter-Transferfenster der Bayern. Viel Raum für Kreativität blieb den Verantwortlichen nicht, die erste Wechselperiode unter Freunds Ägide war gezwungenermaßen Dienst nach Vorschrift.

Dier als erfahrene Soforthilfe

So auch im Falle von Eric Dier. Der 30-Jährige kam per Leihe von Kane-Klub Tottenham Hotspur an die Isar, um die Breite in der Innenverteidigung zu erhöhen. Bitter nötig, immerhin weilt Min-Jae Kim mit Südkorea beim Asien-Cup, Matthijs de Ligt und Dayot Upamecano wurden in der jüngeren Vergangenheit immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen.
Obwohl Dier zuletzt bei den Spurs kaum noch berücksichtigt wurde, ist der Deal – zumindest kurzfristig – nicht zu verurteilen. Die Bayern gehen kein finanzielles Risiko ein und Dier kann mit seiner Erfahrung von 364 Pflichtspielen in England schnell aushelfen. Weil Upamecano sich unlängst einen Muskelfaserriss zuzog, rückte Dier schon schneller ins erste Glied als gedacht.
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Eric Dier (l.) und Matthijs de Ligt - FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

In seinen ersten Einsätzen gegen Union Berlin (1:0) und den FC Augsburg (2:3) löste er seine Aufgabe im Abwehrzentrum durchaus ansprechend. Sollte sich der 49-malige englische Nationalspieler weiterhin als Verstärkung entpuppen, könnten die Münchner im Sommer eine Kaufoption für ein weiteres Jahr aktivieren.
Dann müsste sich Dier aller Voraussicht nach aber wieder mit einer Reservistenrolle zufriedengeben.

Boey-Transfer überrascht

Der wohl überraschendste Neuzugang ist der Dritte im Bunde - Sacha Boey von Galatasaray. Aufgrund der prekären Personallage auf der Rechtsverteidiger-Position, die sich nach Noussair Mazraouis Reise zum Afrika-Cup und Konrad Laimers Wadenverletzung noch einmal elementar verschlechtert hat, geisterte lange der Name Kieran Trippier durch die bayrische Landeshauptstadt.
Der Engländer in Diensten von Newcastle United wäre – ähnlich wie Dier – eine international erfahrene Alternative gewesen. Der Transfer scheiterte allerdings am Finanziellen. "Das hat sich erledigt", verriet Freund mit Blick auf eine Trippier-Verpflichtung. Er ergänzte: "Wir tun nur das, wovon wir auch zu 100 Prozent überzeugt sind. Es muss für den Spieler, für uns und für den abgebenden Verein passen. Das war nicht der Fall."
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Sacha Boey und Christoph Freund vom FC Bayern München.

Fotocredit: Getty Images

Im Gegensatz zum Buhlen um Boey. Da schien ziemlich schnell ziemlich viel zu passen. Für den 23 Jahre alten Franzosen, griff der Klub auch deutlich tiefer in die Tasche als er es für Trippier getan hätte. Die Ablöse soll dem Vernehmen nach bei knapp 30 Millionen Euro liegen. "Wir sind froh, in Sacha Boey einen jungen Spieler mit viel Potenzial langfristig an uns zu binden (2028, d. Red.)", sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen: "Auch in den beiden Champions-League-Spielen gegen uns hat er eine starke Leistung gezeigt."
Tatsächlich hatte Boey in den beiden Gruppen-Duellen auffällig gespielt, laut Freund habe der FCB den Defensivmann schon länger auf dem Schirm gehabt. Zwar wartet Boey noch nicht mit viel Erfahrung auf der ganz großen Bühne auf, die Vorzeichen stehen aber trotzdem gut. Mazraoui kehrte schon unter der Woche vom Afrika-Cup zurück, so richtig zu überzeugen wusste der Marokkaner bei den Bayern aber noch nicht. Laimer fällt ohnehin noch wochenlang aus.
Sollte sich Boey in der Rückrunde gut anstellen, könnte ihm sogar eine langfristige Rolle als Stamm-Rechtsverteidiger winken. "Er ist auf jeden Fall eine Verstärkung", lobte Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus bei "Sky". Er schob nach: "Er tut Bayern gut. Obwohl man sehr viel Geld für einen Spieler von Galatasaray hingelegt hat, ist es ein Transfer, der für mich Sinn ergibt."

Araújo-Transfer scheitert

Sinn ergeben hätte auch ein Transfer von Ronald Araújo. Der Uruguayer in Diensten des FC Barcelona galt als absoluter Wunschspieler des deutschen Rekordmeisters, für ihn wäre man angeblich an die finanzielle Schmerzgrenze und womöglich darüber hinaus gegangen.
"The Athletic" berichtete von satten 80 Millionen Euro. Barça-Trainer Xavi habe dem Ganzen aber einen Riegel vorgeschoben – und sogar mit Rücktritt gedroht, sollte Barcelona den Leistungsträger abgeben.
Etwas später verkündete Xavi seinen Abschied am Saisonende, ganz unabhängig von Araújo. Dementsprechend könnte das Thema im Sommer wieder heiß werden. Für die Winter-Periode bleibt aber die Erkenntnis, dass der ganz große nominelle Kracher ausblieb, Bayern gezwungenermaßen reagierte statt agierte.
"Das Wintertransfer-Fenster ist kompliziert. Aber ich glaube, Christoph (Freund, d. Red.) hat das hervorragend gemeistert", attestierte Bayern-Boss Dreesen. Kein allzu schlechtes Zeugnis. Es klingt zumindest etwas schöner als "Dienst nach Vorschrift."
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Quelle: Eurosport

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