FC Bayern - Thomas Tuchel ist kein Freund der Rotation: Klassiker gegen Dortmund überstrahlt alles
VonThomas Gaber
Publiziert 30/10/2023 um 18:25 GMT+1 Uhr
Beim FC Bayern München hat sich eine Stammformation herauskristallisiert. Thomas Tuchel verzichtet auf Rotation im großen Stil, auch wenn einige Spieler zuletzt mental und körperlich angeschlagen wirkten. Beim Trainer steht das Leistungsprinzip über allem - Rotation um der Rotation willen gibt es bei Tuchel nicht. Das dürfte auch so bleiben, denn der Klassiker gegen Dortmund überstrahlt alles.
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Quelle: Perform
Thomas Tuchel und Didi Hamann werden wohl keine Freunde mehr. Nachdem der "Sky"-Experte den Trainer des FC Bayern mehrfach kritisiert hatte, gab's vergangenen Freitag die Retourkutsche.
"Didi läuft gerade ein bisschen aus dem Ruder, habe ich das Gefühl, und ist auf der anderen Seite ganz sicher nicht wichtig genug, dass wir uns darum kümmern, reagieren oder uns ärgern lassen", sagte Tuchel.
Nach dem geschichtsträchtigen 8:0 gegen Darmstadt 98 schlug Hamann das nächste Kapitel in der persönlichen Fehde mit dem Bayern-Coach auf. "Eine Liebesbeziehung ist es oder wird es, glaube ich, nicht mehr. Es ist ein Zweckbündnis, seit er da. Dass sie Meister wurden, sage ich mal überspitzt, da konnten sie wenig dafür", so der ehemalige Bayernspieler in der Sendung "Sky 90".
Ergebnistechnisch könne man den Münchnern keinen Vorwurf machen. "Aber der Fußball stimmt nicht. Die erste Halbzeit in Istanbul war unterirdisch, gegen einen besseren Gegner bist du da schnell 2:0 oder 3:0 hinten", sagte Hamann. Auch gegen Darmstadt habe es große Probleme in der ersten Halbzeit gegeben. "Darmstadt hatte mehr Pässe als die Bayern. Das wird gegen einen stärkeren Gegner nicht reichen", prophezeite Hamann.
Bayern in der ersten Halbzeit mental und körperlich instabil
Bei der Analyse des Bundesligaspiels waren sich Hamann und Tuchel ausnahmsweise einig. "Wir hatten Probleme, uns auf die Ereignisse in der ersten Halbzeit einzustellen und Antworten zu finden. Wir haben unseren Rhythmus nicht gefunden und zu viele Fehler gemacht. Außerdem hat es an Intensität gemangelt", erklärte Tuchel.
Der Coach hatte bei den Feldspielern komplett auf Rotation verzichtet, es starteten die zehn Akteure, die auch bei Galatasaray begannen. Eine Maßnahme, die sich als wenig zielführend erwies. Die Bayern waren mental und körperlich ausgelaugt. Jamal Musiala und Leroy Sané konnten keine Akzente setzen, verloren die Bälle schon beim ersten Kontakt oder liefen sich schnell fest.
Nach der Torflut in der zweiten Halbzeit mit den Doppeltorschützen Musiala, Sané und Harry Kane ist es vermessen, Tuchel für seine Aufstellung zu kritisieren. Allerdings darf ein Spiel zehn gegen neun mit schier unendlich vielen Räumen für die Bayern-Offensive nicht über die Trägheit und fehlende Power vor der Pause hinwegtäuschen.
Defensiv sind Tuchel aufgrund der Personalsituation die Hände gebunden und ein lange verletzter Spieler wie Matthijs de Ligt benötigt dringend mehrere Partien am Stück. Im Angriff saßen jedoch erneut Thomas Müller, Mathys Tel und Eric Maxime Choupo-Moting auf der Bank. Ausreichend Qualität und vor allem unverbrauchte Spieler, die auf Einsätze brennen.
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Thomas Müller (l.) und Kingsley Coman - FC Bayern
Fotocredit: Getty Images
Rotation nicht um der Rotation willen
Doch Tuchel verfolgt einen anderen Ansatz. Rotation um der Rotation willen gibt es bei ihm nicht. Beim Bayern-Trainer steht das Leistungsprinzip im Vordergrund, die Entscheidung über Startelfplätze wird unter sportlichen Bewertungskriterien getroffen. Nicht aber, um Spieler zufriedenzustellen.
"Ein Spieler muss es sich auch verdienen zu spielen", hatte Tuchel nach dem 7:0 gegen Bochum Ende September gesagt, als er drei Tage nach einem kräftezehrenden 4:3 in der Champions League gegen Manchester United nur eine Änderung in der Startelf vornahm.
Laut Tuchel befindet sich der FC Bayern noch immer in einem "Prozess, uns zu finden. Wir brauchen Erfolgserlebnisse, um uns weiterzuentwickeln. Und dafür müssen wir stets die bestmögliche Aufstellung finden."
Ohne die derzeit inaktiven Dayot Upamecano und Raphael Guerreiro stellt sich die Viererkette quasi von alleine auf. In der Mittelfeldzentrale fehlt Leon Goretzka (Handbruch), wodurch Konrad Laimer Joshua Kimmich flankiert.
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Tuchel kontert Hamann-Kritik: "Didi läuft aus dem Ruder"
Quelle: SID
Änderungen gegen Saarbrücken? Wohl kaum
Vorne hat Tuchel mittlerweile eine klare Formation. Kane und Sané sind ohnehin gesetzt, Kingsley Coman traf zuletzt regelmäßig und Musiala hat klar die Nase vorn im "ungleichen" Duell mit Müller.
Der nächste Auftritt steht für den FC Bayern kommenden Mittwoch an - wenn die Partie nicht noch ins Wasser fällt: DFB-Pokal beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken (20.45 Uhr im Liveticker). Eine passende Gelegenheit für Tuchel, seinem Stammpersonal eine Pause zu gönnen vor dem Kracher in der Bundesliga bei Borussia Dortmund (Samstag 18:30 Uhr im Liveticker)..
Doch davon ist nicht auszugehen. Tuchel will, dass die Mannschaft im "Flow bleibt", wie er sagt. Der Klassiker beim BVB überstrahlt alles, das Spiel an sich und die enge Tabellenkonstellation erlauben keinen Misserfolg.
Einzig die Sperre von Joshua Kimmich bei der Personalplanung eine Rolle spielen. Sollte es Goretzka nicht rechtzeitig schaffen, könnte Musiala ein Stück nach hinten rücken und damit die Zehnerposition für Müller freimachen.
Manuel Neuer braucht automatisierte Anläufe
Ein weiterer Grund, auf Rotation zu verzichten, ist Manuel Neuer. Der Torhüter soll nach 351 Tagen Zwangspause so oft wie möglich mit den gleichen zehn Feldspielern auf dem Platz stehen, damit sich die Abläufe peu à peu automatisieren.
Bis zur Winterpause muss der FC Bayern noch zehn Spiele absolvieren. Davon sind voraussichtlich zwei von geringerem sportlichen Wert. Sollten die Münchner am 8. November Galatasaray zuhause besiegen, ist ihnen Platz eins in der Champions-League-Gruppe A nicht mehr zu nehmen.
Gegen den FC Kopenhagen (29.11.) und bei Manchester United (12.12.) könnte Tuchel seine Prinzipien über den Haufen werfen und die Rotationsmaschine im großen Stil anwerfen.
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Rot für Kimmich? Tuchel: "Natürlich extrem unglücklich"
Quelle: Perform
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