Julian Nagelsmann soll wieder Trainer des FC Bayern München werden: Eine verdiente zweite Chance

Der FC Bayern hat nach der Absage von Xabi Alonso einen neuen Favoriten auf die Nachfolge von Thomas Tuchel. Laut "Sky" ist Julian Nagelsmann absoluter Wunschkandidat der Chefetage um den neuen Sportvorstand Max Eberl, Nagelsmann muss nur noch "Ja" sagen. Die Rückholaktion des Bundestrainers, nur 13 Monate nach dessen Entlassung in München, wäre eine große Chance für alle Beteiligten.

Julian Nagelsmann (r.) steht vor einer Rückkehr zum FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Max Eberl ist gerade mal sechs Wochen im Amt, hat in dieser Zeit aber bereits einige Duftmarken gesetzt.
Der neue Sportvorstand des FC Bayern faltete die Mannschaft nach dem unerklärbaren Einbruch in Heidenheim (2:3) öffentlich zusammen ("Wir sollten uns ein Stück weit schämen") und setzte den Beratern von Alphonso Davies im Feilschen um einen neuen Vertrag die Pistole auf die Brust ("Irgendwann im Leben muss man mal 'Ja' oder 'Nein' sagen").
Neben dem angestrebten Kaderumbau soll Eberl zudem die wichtigste Personalie im Klub möglichst zeitnah klären: die Nachfolge von Thomas Tuchel. Diesbezüglich ist Eberl als treibende Kraft in der Zusammenarbeit mit Sportdirektor Christoph Freund offenbar einen entscheidenden Schritt vorangekommen: Julian Nagelsmann soll im Sommer an die Säbener Straße zurückkehren.
Der Bundestrainer hat die EM 2024 vor der Brust und wird vom DFB mit allerhand öffentlichen Avancen für ein längerfristiges Engagement geködert. Dem Vernehmen nach hat der FC Bayern jedoch gute Aussichten, dass in München hinsichtlich der Trainerfrage bald weißer Rauch aufsteigt.

Nagelsmamn sieht sich eher als Vereinstrainer

Nagelsmann hat im September 2023 die einmalige Chance, Deutschland zur Heim-Europameisterschaft zu führen, beim Schopf gepackt, aber auch als Bundestrainer keinen Hehl daraus gemacht, dass er sich eher als Vereinstrainer sieht.
Nach der Absage von Meistertrainer Xabi Alonso ist der 36-Jährige in den letzten Wochen immer stärker in den Fokus seines ehemaligen Arbeitgebers gerückt - aus guten Gründen.
Nach zwei schlimmen Auftritten der deutschen Nationalmannschaft im Herbst 2023 gegen die Türkei (2:3) und Österreich (0:2) ging Nagelsmann "all in". Er überzeugte Toni Kroos von einem DFB-Comeback und stellte seinen Kader bedingungslos nach dem Leistungsprinzip zusammen. Mit Ausnahme von Niclas Füllkrug sortierte er sämtliche Spieler von Borussia Dortmund und Bayerns Leon Goretzka aus.
Stattdessen installierte er ein Überflieger-Quartett aus Stuttgart und beförderte die Leverkusener Alles-Gewinner Jonathan Tah, Robert Andrich und Florian Wirtz in die Startelf. Eine Personal-Rochade mit viel Risiko, die bei den Siegen gegen Frankreich (2:0) und die Niederlande (2:1) aber voll aufging und die so lange herbeigesehnte EM-Euphorie entfachte.

Mut zum Kaderumbau und Selbstreflexion

Nagelsmann lüftete beim DFB ordentlich durch und schärfte nebenbei sein Profil. Er scheute sich nicht vor unpopulären Entscheidungen und etwaigem Gegenwind von den "Lobbyisten" aus München und Dortmund.
Zudem wirkt er bei öffentlichen Auftritten gereift und bemerkenswert ehrlich. Er habe während seiner Zeit in München Fehler in der Außendarstellung gemacht und zu wenig Geduld gehabt, seine Vorstellungen auch gegen Widerstände durchzusetzen. "Ich habe schon versucht, zu reflektieren, was gut und was nicht gut gelaufen ist, um mich schnellstmöglich zu entwickeln", sagte Nagelsmamn im "ZDF-Sportstudio".
Die Symbiose aus mutigem Kaderumbau und Selbstreflexion, gepaart mit seinen zweifelsfrei hohen fachlichen Fähigkeiten, haben Nagelsmann in die Poleposition für die Tuchel-Nachfolge gehievt, auch wenn er dafür "nur" zwei erfolgreiche Länderspiele gebraucht hat. Nebenbei hat er mit Chris Führich und Wirtz zwei Wunschspieler des FC Bayern schon beim DFB unter seinen Fittichen.
In München hat sich bei den Entscheidern die Erkenntnis durchgesetzt, dass Nagelsmann eine zweite Chance als Bayentrainer verdient hat. Dies tun Eberl und Co. jedoch nicht aus Gefälligkeit, sondern aus Überzeugung, dass Nagelsmann der richtige Mann ist, den FC Bayern sportlich wieder auf vailde Füße zu stellen. "Wir wollen wieder mehr Kontinuität auf der Trainerposition", sagte Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen.
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Bald auch gemeinsam bei Bayern? Julian Nagelsmann und Florian Wirtz

Fotocredit: Imago

Bayernbosse gehen mit Nagelsmann persönliches Risiko ein

Das hatten die Bayern mit Nagelsmann schon einmal vor, als sie ihn im Sommer 2021 mit einem Fünfjahresvertrag ausstatteten. Am 24. März 2023 erfolgte die Trennung, obwohl Nagelsmann seinerzeit noch Titelchancen in allen drei Wettbewerben hatte.
Im Nachgang wurde diese Entscheidung der damaligen Chefs Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic als Kurzschlussreaktion aufgefasst, wenngleich Uli Hoeneß als Ehrenpräsident und Herbert Hainer als Präsident und Vorsitzender des Aufsichtsrats ebenfalls den Daumen senkten. Später bezeichnete Hoeneß den Rauswurf von Nagelsmann als "unklug".
Nun sind die Münchner offensichtlich bereit, mit Nagelsmann den dringend benötigten Umbruch einzuleiten, den man ihn bei dessen erster Amtszeit nicht konsequent durchführen ließ.
Mit dem erneuten Werben um Nagelsmann - nur 13 Monate nach seiner Entlassung - räumen die Bayern einen Fehler ein und rollen dem (Noch-)Bundestrainer gleichzeitig den roten Teppich aus. Sie sind sich des Risikos bewusst, dass ihre Glaubwürdigkeit bei einem erneuten Scheitern des Trainers ins Bodenlose sinken würde.

Nagelsmanns Position deutlich gestärkt

Sollte Nagelsmann dem Lockruf aus München tatsächlich ein zweites Mal folgen, wären seine Position und sein Einfluss infolgedessen deutlich stärker als bei seinem ersten Engagement.
Mit ihm bekäme der FC Bayern wieder einen Trainer, der sich mit dem Verein und der Region identifiziert und sich auch mit den "Alphatieren" Manuel Neuer, Thomas Müller und Joshua Kimmich arrangieren kann, wie die gemeinsame Zeit bei der Nationalmannschaft beweist.
Für den FC Bayern mag die Festlegung auf Nagelsmann die "einfachste" Lösung sein, als sich stattdessen an Ralf Rangnick, Zinédine Zidane oder Unai Emery zu wagen.
Sie ist aber auch eine große Chance, den Verein nach vielen unruhigen Jahren zurück an die nationale und möglicherweise internationale Spitze zu führen.
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Nagelsmann gegen 26er-Kader: "Dann wird es irgendwann eng"

Quelle: Perform

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