Kolumne LIGAstheniker: FC Bayern München muss weniger Uli Hoeneß wagen – Das müssen die Bayern aus dem Krisenjahr lernen

Der FC Bayern München hat als Dritter der Bundesliga eine katastrophale Saison hingelegt, findet der LIGAstheniker. Dass seit Wochen Trainer um Trainer absagt, lässt sich auf einen großen Namen im Verein zurückführen. Dem neuen Bayern-Coach müssen die Verantwortlichen auch auf lange Sicht Vertrauen schenken und ihn nicht beim ersten Misserfolg entlassen. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.

Uli Hoeneß kritisierte Fans und die DFL

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Liebe FußballfreundInnen,
in der Offenbarung des Johannes gibt es einen Ort namens "Harmagedon". Es ist der Ort der endzeitlichen Entscheidungsschlacht, heute Synonym für die größte denkbare Katastrophe.
Und damit sind wir also schon bei den Armageddon-Bayern 2024. Wer hätte gedacht, dass das Mia san Mia einmal am Alten Testament zerschellt?
Am Samstag ging nicht nur irgendeine Spielzeit zu Ende, in der sich die Bayern zum fußballweiten Gespött gemacht haben und in der die Aura dieses Weltklubs implodiert ist. Was da genau passiert ist, haben sie bis heute nicht verstanden.
Anders ist nicht zu erklären, warum der Endzeitbekämpfer Max Eberl in der Stunde der größten Demütigung davon faselt, das Beste komme ja erst noch. Barack Obama hat das auch mal gesagt zum Ende seiner Amtszeit – und dann kam Donald Trump.
Vielleicht muss man dem Sport-Vorstand des FCB, der seit Amtsantritt innerhalb weniger Wochen zum Mäxchen geschrumpft ist, einfach mal zurufen: Bis das wieder gut wird, lieber Herr Eberl, wird es noch lange dauern ...

Riesiger Imageschaden wegen Trainersuche

Seit Samstag wissen wir es tabellarisch schwarz auf weiß: Die Bayern, also der Rekordmeister, die Überbayern sind nominell bestenfalls noch die Nummer drei im Land. Meister Leverkusen, im Champions League-Finale steht Dortmund, im Pokal- und Europa-League-Finale steht Leverkusen, auch Stuttgart in der Liga besser notiert - angesichts der in München zur Verfügung stehenden Mittel ist das nicht nur eine Katastrophe, sondern auch eine Zäsur.
Heißt: So kann es nicht weitergehen! Schlimmer noch ist der Imageschaden, der durch eine dilettantische Trainerpolitik und -suche entstanden ist. Der Schaden lässt sich auf einen Satz bringen: die großen Trainer haben keinen Bock mehr auf diese Bayern!
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Küsse zum Abschied: Thomas Tuchel

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Alonso, Nagelsmann, Rangnick, Glasner ... die Namen sind bekannt, heute lese ich, auch Zinédine Zidane wird es nicht. Der Trainer, der dann wirklich kommt, ist schon deshalb beschädigt, weil die Öffentlichkeit exakt weiß, dass er nur die Nummer sieben, acht oder neun auf der Liste war.
Würde ein Dax-Konzern so sein Führungspersonal suchen, müsste der komplette Vorstand zurücktreten.

München: Kein Sehnsuchtsort für Trainer mehr

Wie konnte es passieren, dass München, einst Sehnsuchtsort vieler großer Fußballtrainer, von diesen heute nicht mal mehr mit der Kneifzange angefasst wird? Der Grund dafür ist ebenso leicht durchschaubar wie unmöglich abzustellen: Uli Hoeneß.
Die Art und Weise wie Hoeneß Ralf Rangnick, als der noch überlegte Bayern-Trainer zu werden, als Nummer drei auf der Wunschliste öffentlich der Lächerlichkeit preisgab – welcher Trainer will das?
Und: In keinem anderen europäischen Spitzenklub gibt es eine so kurze Zündschnur wie beim FC Bayern, wenn es sportlich mal nicht gleich so läuft wie geschmiert. Selbst der prominenteste Name kann selbigen in München in kürzester Zeit verbrennen.

Pulverfass Uli Hoeneß

Eine Ära begründen kostet Zeit und hat nicht immer nur mit dem sportlichen Erfolg zu tun, das weiß man bei Man City, als Pep Guardiola zu Beginn seines Engagements die Champions League nicht gewinnen konnte; das weiß man in Barcelona, wo der ganze Verein Coach Xavi überredete, von seinem eigenen Rücktrittsentschluss zurückzutreten, obwohl die Erfolge noch ausbleiben; und das sieht man jetzt in Liverpool, mit welchem Wehmut und Stolz Jürgen Klopp verabschiedet wird, obwohl er wieder nicht Meister geworden ist.
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Wurde noch einmal gefeiert: Jürgen Klopp

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Klopp hat in Liverpool eine Ära geprägt, die er – analog - bei den Bayern (weil frühzeitig entlassen) niemals gehabt hätte. Und der Grund dafür lautet: Das Pulverfass Hoeneß.

Liverpool zeigt, wie man Trainer findet

Übrigens: Wie geräuschlos und professionell man einen neuen Trainer sucht und findet, auch dafür ist der FC Liverpool ein gutes Gegenbeispiel zum FC Bayern.
Der Niederländer Arne Slot, der bei den Bayern nie eine Rolle gespielt hat, wurde nicht in erster Linie wegen seiner jüngsten Erfolge mit Feyernord Rotterdam verpflichtet, sondern vor allem wegen seiner Spielidee, der erfrischenden, offensiven Art Fußball zu spielen.
Slot, wenn Max Eberl ihn überhaupt auf dem Zettel hatte, wäre Uli Hoeneß mangels Prominenz gar nicht vermittelbar gewesen. Liverpool zahlte für ihn 10 Millionen Euro Ablöse, das ist der große, feine Unterschied.

FCB muss sich von Hoeneß befreien

Der FC Bayern, Jahrgang 24/25, braucht zum Trainingsstart in sechs Wochen nicht nur einen robusten, mündigen Cheftrainer, sondern vor allem deutlich mehr Ruhe, mehr Geduld, mehr Integrität in der öffentlichen Kommunikation.
Und damit vor allem den Mut, ihrem Patriarchen Uli Hoeneß zu erklären, dass weniger Hoeneß in Zukunft mehr Erfolg für den FC Bayern verspricht. Das ist eine vereinshistorische Mammutaufgabe, die ich Mäxchen Eberl und dem in der Krise abgetauchten CEO Jan-Christian Dreesen schon deshalb nicht zutraue, weil Hoeneß DNA und Struktur des Klubs ist.
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Uli Hoeneß hat mit seinen Aussagen zu Thomas Tuchel für Ärger beim FC Bayern gesorgt

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Der FC Bayern muss sich von seinem Erfinder emanzipieren, nicht weniger. Gut möglich, dass Thomas Müller das bald ähnlich sieht und das Binge Watching zu Leverkusen einstellt.

Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht zwingend die der gesamten Redaktion.

ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als LIGAstheniker das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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