FC Bayern München - Ex-Profi Owen Hargreaves im Exklusiv-Interview: "Thomas Tuchel ist noch nie gescheitert"
Owen Hargreaves spielte zwischen 1997 und 2007 für den FC Bayern, gleich in seinem ersten Profijahr gewann der Engländer mit den Münchnern die Champions League. Im exklusiven Interview mit Eurosport verrät er, warum Aleksandar Pavlovic ihn an sich selbst zu Beginn der Karriere erinnert. Zudem spricht Hargreaves über das Aus von Thomas Tuchel und eine Begegnung mit dem gottgleichen Luis Figo.
#SotipptderBoss: Leverkusen lässt nichts anbrennen
Quelle: Eurosport
Der FC Bayern hat nach turbulenten Wochen mit dem jüngsten 3:0-Sieg gegen Lazio Rom zumindest in der Champions League Kurs gehalten.
Dabei überzeugte Eigengewächs Aleksandar Pavlovic einmal mehr auf ganzer Linie. Owen Hargreaves weiß nur allzu gut, wie es ist, als Jugendspieler bei den Münchnern Fuß zu fassen.
Im exklusiven Interview mit Eurosport.de erinnert sich der Engländer an seinen ersten Startelf-Einsatz in der Königsklasse überhaupt - 2001 im Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid und den gottgleichen Luis Figo.
Zudem spricht Hargreaves über das Aus von Trainer Thomas Tuchel und gibt eine Einschätzung für die restliche Saison ab.
Herr Hargreaves, mit Aleksandar Pavlovic hat sich nach langer Zeit mal wieder ein Jugendspieler bei den Bayern-Profis etabliert. Auch Sie kamen aus dem eigenen Nachwuchs in die erste Mannschaft. Ihr Startelf-Debüt in der Champions League feierten Sie 2001 im Halbfinale gegen Real Madrid. Was ging Ihnen vor dem Spiel durch den Kopf?
Owen Hargreaves: Das war verrückt. Man träumt als kleiner Junge von genau solchen Momenten. Es fühlte sich an, als würde die Welt kurz stillstehen. Als ich im Spielertunnel neben Jungs wie Luis Figo stand, dachte ich: "Oh je, ich bin in Schwierigkeiten." Figo ist ja ohnehin schon ein gut aussehender Typ. Aber in diesem weißen Trikot sah er aus wie ein Gott.
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Owen Hargreaves (r.) im Duell mit Luis Figo
Fotocredit: Getty Images
Wie lief es dann im Spiel?
Hargreaves: Man spielt gegen seine absoluten Helden, aber auf dem Platz denkt man nicht mehr daran. Du willst dich einfach nur mit ihnen messen und zeigen, was du drauf hast. Dieses Spiel hat meine Karriere verändert. Ich habe plötzlich noch mehr an mich geglaubt.
Wie haben Sie Pavlovics Leistung jüngst gegen Lazio Rom gesehen?
Hargreaves: Ich war sehr beeindruckt von ihm, er war einer der besten Bayern-Spieler überhaupt. Er wirkt schon sehr reif für sein Alter, ist gut im Passspiel. Vielleicht hat es der Balance der Mannschaft auch gut getan, dass Kimmich auf die Rechtsverteidigerposition gewechselt ist. Pavlovics Situation hat mich ein bisschen an meine eigene damals erinnert.
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Tuchel singt Lobeshymne auf Pavlovic: "Ein feiner Kerl"
Quelle: Perform
Nicht überraschend, auch Sie waren im zentralen Mittelfeld zuhause. In welchen Bereichen hat Pavlovic noch Verbesserungspotenzial?
Hargreaves: Er hat eine wirklich gute Technik und macht auf mich einen sehr intelligenten Eindruck. Am Ball versprüht er im positiven Sinne Michael-Carrick-Vibes (Ex-Mittelfeldmann von Manchester United, Anm. d. Red.). Luft nach oben hat er meiner Meinung nach noch in der Defensive, da muss er noch ein bisschen an seinem Timing arbeiten.
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Aleleksandar Pavlovic
Fotocredit: Getty Images
Thomas Tuchel wird Bayern am Saisonende verlassen. Warum hat es zwischen ihm und dem FCB nicht gefunkt?
Hargreaves: Alle, inklusive Thomas und mir, haben wohl gedacht, dass es perfekt passen würde. Aber manchmal kommt es eben anders im Leben. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass schon zu Beginn der Saison auf dem Transfermarkt einiges nicht wie gewünscht für ihn lief. Dazu kamen die Wechsel in der Führungsetage. Thomas ist noch nie gescheitert. Ich würde auch nicht sagen, dass er bei Bayern gescheitert ist. Das Weiterkommen gegen Lazio war unheimlich wichtig. Thomas ist ein großartiger Trainer, der wieder einen großen Klub übernehmen wird.
Sie haben das Weiterkommen angesprochen. Was trauen Sie Bayern in der Königsklasse noch zu?
Hargreaves: Wenn wir über die erste Elf sprechen, dann sieht das gut aus. Vielleicht mangelt es dem Kader etwas an Tiefe. Jetzt kommen aber Spieler wie Serge Gnabry und Alphonso Davies zurück. Sie sind nicht unbedingt der Topfavorit, aber sie können das Ding gewinnen. Ich würde es ihnen gönnen, es wäre wunderbar, wenn Thomas sich nach allem was passiert ist, so verabschieden würde. Außerdem möchte ich, dass Harry Kane endlich mal eine Trophäe gewinnt (lacht).
Und wie stehen die Chancen im Rennen um die deutsche Meisterschaft?
Hargreaves: Nein, zehn Punkte Rückstand sind zu viel. Leverkusen hat noch kein einziges Bundesliga-Spiel verloren, Xabi Alonso lässt fantastischen Fußball spielen. Bayern war jetzt elfmal in Serie Meister. Es wird Zeit, dass mal ein anderen Verein Meister wird.
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