RB Leipzig verkauft seine Kronjuwelen: Vermeintlicher erster Bayern-Jäger drückt den Neustart-Knopf
RB Leipzig schickte sich zuletzt an, dem Brachenprimus Bayern München gefährlich zu werden. In diesem Sommer müssen die Sachsen allerdings vier der fünf wichtigsten Akteure ziehen lassen. Ein Umstand, der dem Brause-Klub aus finanzieller Sicht einen enormen Schub verleiht, sportlich aber weit zurückwirft. Den Roten Bullen und Neu-Sportdirektor Max Eberl steht eine ungewisse Zukunft bevor.
Christopher Nkunku (l.) und Dominik Szoboszlai verlassen Leipzig
Fotocredit: Getty Images
Der Nächste, bitte!
Mit Dominik Szoboszlai, das wurde am Sonntagabend von offizieller Seite bekanntgegeben, verlässt nach Christopher Nkunku (FC Chelsea) und Konrad Laimer (FC Bayern) ein weiterer enorm wichtiger Baustein RB Leipzig in diesem Sommer.
Der FC Liverpool machte Gebrauch von einer in Szoboszlais Vertrag verankerten Ausstiegsklausel über 70 Millionen Euro und stattete den Ungarn übereinstimmenden Medienberichten zufolge mit einem Arbeitspapier bis 2028 aus.
"Es ist für mich eine außergewöhnliche Chance", begründete der Mittelfeldspieler seinen Wechsel an die Anfield Road, wo er künftig mit der Rückennummer 8 auflaufen wird, die einst etliche Jahre auf dem Trikot von Klub-Ikone Steven Gerrard prangte. Mit Blick auf die großen Fußstapfen erklärte Szoboszlai: "Es ist eine tolle Nummer, viele großartige Spieler hatten sie bereits. Und außerdem habe ich ein Tattoo von Steven Gerrard."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/07/02/3736653.jpg)
Dominik Szoboszlai
Fotocredit: Getty Images
Szoboszlai ging offenbar folgender Gerrard-Satz unter die Haut: "Talent ist ein göttlicher Segen, aber ohne unglaublichen Willen und Demut nichts wert." Über großes Talent verfügte die Leipziger Mannschaft in den vergangenen Jahren reichlich, regelmäßig mussten sich die Sachsen von einigen Diamanten wie beispielsweise Dayot Upamecano (FC Bayern), Naby Keita oder Ibrahima Konaté (beide FC Liverpool) trennen.
RB bricht ein ganzer Säulengang weg
Der Lauf der Dinge, wenn man sich – trotz des finanzkräftigen Mutterschiffs namens Red Bull – als Ausbilderklub geriert. Oder gezwungenermaßen gerieren muss, weil die ganz großen Namen des Weltfußballs dann doch nochmal eine Spur attraktiver daherkommen. Der diesjährige Sommer ist aber selbst für die Talenteförderer aus der Heldenstadt neu.
Es brechen dieser Tage nicht nur vereinzelte Säulen weg, sondern eine ganze Kolonnade. Der verlässliche Top-Scorer Nkunku an vorderster Front, dahinter der schussgewaltige, technisch beschlagene Szobozlai und Laimer als lauffreudige Balleroberungsmaschine auf der Sechs. Zudem steht Josko Gvardiol, das Aushängeschild der Defensivreihe, vor dem Absprung zu Champions-League-Sieger Manchester City. Die Skyblues sind offenbar bereit, knapp 100 Millionen Euro für den Kroaten zu berappen und Gvardiol somit zum teuersten Verteidiger der Geschichte zu machen.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/07/03/3737032.jpg)
Josko Gvardiol - RB Leipzig
Fotocredit: Getty Images
"Josko und seine Berater haben bei uns den Wunsch nach einem Wechsel zu Manchester City hinterlegt", verriet Sportdirektor Max Eberl unlängst. Er ergänzte: "Wir sind in Gesprächen mit Manchester. Mehr ist dazu momentan nicht zu sagen." Viele weitere Worte waren auch nicht nötig, um zu erahnen, dass Gvardiol der vierte abwandernde Spieler aus dem Leipziger Star-Quintett sein wird. Einzig Dani Olmo dürfte RB erhalten bleiben, der Spanier verlängerte vor wenigen Wochen bis 2027 – dem Vernehmen nach mit einer Ausstiegsklausel über 60 Millionen Euro.
RB in naher Zukunft Bayern-Jäger Nummer eins?
Für Trainer Marco Rose alles andere als rosige Aussichten. Und das, nachdem er die zwischenzeitlich verunsicherte Truppe nach desolatem Saisonstart in die Champions League und zur Titelverteidigung im DFB-Pokal geführt hatte. Nicht Borussia Dortmund, sondern RB wird auf lange Sicht Bayern-Verfolger Nummer eins in Deutschland, so die Prophezeiung einiger Experten wie beispielsweise Erik Meijer von "Sky".
"Ich denke, dass Leipzig die Mannschaft wird, die den Bayern in den kommenden Jahren das Leben schwermacht", sagte der ehemalige Bundesliga-Profi. Doch wie soll das aufgehen, wenn die wichtigsten Stützen wie Upamecano, Marcel Sabitzer oder nun Laimer immer noch geneigt sind, im Zweifel lieber beim Rekordmeister anzuheuern als in Leipzig zu bleiben?
"Ich kann die Enttäuschung und Sorgen der Fans verstehen. Kein Verein, kein Verantwortlicher und kein Trainer dieser Welt verliert gerne Spieler dieses Formats", sagte Eberl bezüglich der Leipziger Star-Flucht im Gespräch mit der "Leipziger Volkszeitung". Szoboszlais Weggang wollte Eberl aber als weitere "Auszeichnung für uns als Klub und für die Arbeit, die hier geleistet wird", verstanden wissen.
Verheißungsvoll Neuzugängen, aber ...
Er könne trotz der vielen namhaften Abgänge aber versprechen, dass "wir wieder eine klasse und mitreißende Mannschaft haben werden." Tatsächlich hat RB schon vorgesorgt, bislang vier verheißungsvolle Neuzugänge eingetütet.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2022/08/09/3429862.jpg)
Benjamin Sesko
Fotocredit: Getty Images
Christoph Baumgartner wechselt für 24 Millionen Euro von Liga-Konkurrent Hoffenheim nach Leipzig, vom Schwesterklub Red Bull Salzburg kommen Benjamin Sesko (24 Millionen Euro) und Niclas Seiwald (20 Millionen Euro). Zudem wird Klopp-Juwel Fábio Carvalho auf Leihbasis eine Saison lang für RB auflaufen.
Laut Eberl allesamt "richtig gute Jungs", die ihr großes Potenzial in der jüngeren Vergangenheit hinlänglich angedeutet hatten. Ob sie imstande sind, den extremen Qualitätsverlust schnellstmöglich zu kompensieren, erscheint aber mindestens fraglich. Es müssen weitere Spieler her, um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden.
Geld spielt spätestens nach den monetär lukrativen Abgängen, die – sollte auch Gvardiol gehen – über 200 Millionen Euro in die Kassen spülen, eher eine untergeordnete Rolle. Das wissen auch die künftigen Verhandlungspartner. "Mondpreise" wolle Eberl aber keineswegs zahlen, erklärte er.
RB droht Teufelskreis
"RB Leipzig hat es auch vor meiner Zeit immer geschafft, eklatante Abgänge aufzufangen. Daran arbeiten wir auch jetzt mit großer Lust und Überzeugung", versicherte Eberl und kündigte die Verpflichtung von weiteren "extrem spannenden" Spielern an.
Spannend sicherlich, aber eben (noch) nicht auf dem Niveau derjenigen, die das Weite gesucht haben, um den nächsten Schritt zu machen. Der Neustart-Knopf ist gedrückt, Leipzig, der vermeintliche nächste Bayern-Jäger, muss zunächst eine neue Erfolgsachse aufbauen. Die Krux daran ist der drohende Teufelskreis. Denn gelingt es den Sachsen, weitere spannenden Kicker aus dem Hut zu zaubern, dürfte es im kommenden wieder heißen: Der Nächste, bitte!
Das könnte Dich auch interessieren: 240 Millionen Euro Handgeld? Mbappé soll Mega-Summe fordern
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/06/28/3734568-75981288-2560-1440.jpg)
Bundestrainer Di Salvo nach EM-Pleite: "Uns wurden die Grenzen aufgezeigt"
Quelle: SID
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/01/06/image-ea4c9f95-f41e-4a1d-95f7-4af46e7639e1-68-310-310.jpeg)