Sadio Mané verlässt den FC Bayern München: Einer der größten Fehleinkäufe der Vereinsgeschichte
VonThomas Gaber
Publiziert 31/07/2023 um 12:29 GMT+2 Uhr
Sadio Mané wurde in München im Sommer 2022 als Weltstar vorgestellt. Ein Jahr später flüchtet er nach Saudi-Arabien, weil weder die Bayern noch andere Vereine in Europa Verwendung für ihn haben. Der Liverpool-Import ist beim Rekordmeister krachend gescheitert. Mané geht als einer der größten Missgriffe des FC Bayern in die Geschichte ein - die Schuld tragen Spieler und Verein gleichermaßen.
Bayern-Trainer Tuchel genervt von Mané-Causa: "Ist alles erklärt"
Quelle: Perform
Welchen Stellenwert Sadio Mané unter Thomas Tuchel hatte, wurde bereits am letzten Spieltag der Saison 2022/23 deutlich. Der FC Bayern benötigte in Köln beim Stand von 1:1 noch ein Tor, um Borussia Dortmund die deutsche Meisterschaft auf der Zielgeraden zu entreißen.
Tuchel entschied sich in der 85. Minute für einen Doppelwechsel: Jamal Musiala und Mathys Tel kamen für Leon Goretzka und Noussair Mazraoui - offenes Visier für den Siegtreffer. Für Mané war da kein Platz, der Senegalese erlebte den Schlusspfiff auf der Bank. Tuchel hatte dem 31-Jährigen offensichtlich nicht zugetraut, gewinnbringend einzugreifen.
Es war das bizarre Ende einer sehr enttäuschenden ersten Bayern-Saison für Mané. Als "Weltstar" war der 32-Millionen-Euro-Neuzugang im Sommer 2022 in München präsentiert worden, die Bayern waren sich sicher, mit dem Liverpool-Import einen adäquaten Ersatz für Robert Lewandowski gefunden zu haben.
Dass Mané ein völlig anderer Spielertyp ist und als klassische Nummer neun nur bedingt taugt, wurde außer Acht gelassen. Ex-Sportvorstand Hasan Salihamidzic ließ sich für den Coup feiern, dabei begann der Flirt mit Mané eher zufällig.
Bayern mit Sadio Mané im "Dampfwalzenmodus"
Salihamdizic verhandelte mit der Beraterfirma von Konrad Laimer den Transfer des Österreichers für den Sommer 2023. Mané stand bei der gleichen Firma unter Vertrag und wurde Salihamdizic angeboten. Der roch die Lunte und bemühte sich anschließend intensiv um Mané, den er im Falle einer Einigung als Sensationsdeal verkaufen konnte.
Manés Start bei Bayern war vielversprechend. In den ersten sechs Pflichtspielen erzielte er fünf Tore. Ex-Trainer Julian Nagelsmann änderte für Mané sein System in ein 4-4-2 mit Doppelspitze, in dem Mané vernünftig zurechtkam. Nach seinem Doppelpack beim 7:0 in Bochum schrieb die spanische Zeitung "AS": "Dampfwalzenmodus - Mané lässt Lewandowski komplett vergessen."
Doch es sollte von da an steil bergab gehen für Mané. Nagelsmann löste die Doppelspitze nach ein paar schwachen Auftritten seiner Mannschaft in der Bundesliga auf und schob Mané infolgedessen zwischen der Linksaußen- und der Mittelstürmerposition hin und her.
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De Ligt: "Wenn Mané geht, freue ich mich für ihn"
Quelle: Perform
Mané auch unter Thomas Tuchel außen vor
Obwohl er die komplette Vorbereitung absolvierte und von Verletzungen verschont blieb, wirkte Mané körperlich ausgelaugt. "Sky"-Experte Dietmar Hamann machte dafür später in der Saison das intensive Spiel von Liverpool-Coach Jürgen Klopp verantwortlich. "Mané hat wie die meisten Liverpool-Spieler einen Kolbenfresser. Nach sechs Jahren Vollgas-Fußball sind die platt und ausgelaugt", urteilte Hamann.
Mané erzielte zwar im Herbst 2022 noch das eine oder andere Tor, fand sich aber vermehrt auf der Ersatzbank wieder. Er wirkte oft wie ein Fremdkörper ohne Bindung zu seinen Mitspielern, zudem zweikampfschwach und unpräzise im Abschluss. Nagelsmann forderte von ihm öffentlich "weniger Demut und mehr positive Arroganz" ein. Genutzt hat auch das nichts.
Anfang November riss er sich im Spiel gegen Werder Bremen die Sehne im Wadenbeinköpfchen. Sein großer Traum - die WM-Teilnahme mit Senegal - zerplatzte. Nach seinem Comeback im Februar gelang Mané noch weniger als vorher. Auch unter Nagelsmann-Nachfolger Tuchel kam Mané nicht auf die Beine, in zwölf Partien unter dem neuen Coach stand er nur drei Mal in der Startelf. Wettbewerbsübergreifend erzielte Mané in der Rückrunde ein Tor.
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Sadio Mané verfolgt das Testspiel des FC Bayern gegen Kawasaki Frontale eher desinteressiert
Fotocredit: Getty Images
Attacke gegen Leroy Sané als Tiefpunkt
Der sportliche Absturz ging einher mit einer zunehmenden Isolierung innerhalb der Mannschaft. Eine enge Beziehung pflegte Mané lediglich zu Nationalmannschaftskollege Bouna Sarr. Den Tiefpunkt erreichte Mané, als er nach dem 0:3 in der Champions League bei Manchester City Leroy Sané in der Kabine ins Gesicht schlug. Ein mit Mané befreundeter Journalist aus dem Senegal streute daraufhin das später vehement dementierte Gerücht, Mané sei von Sané rassistisch beleidigt worden.
Der Verein belegte Mané mit 350.000 Euro Geldstrafe, Tuchel wertete den Vorfall als "eklatant" und strich ihn für ein Spiel aus dem Kader. Dass Mané charakterlich nicht immer einwandfrei handelte, wurde bereits in Salzburg und Liverpool sichtbar. Weil er 2014 seinen Wechsel zum FC Southampton erzwingen wollte, brach Mané eine Trainingseinheit der Salzburger nach zehn Minuten ab und schwänzte in der Folge weitere Termine.
Über seine Zeit in Liverpool sagt Mané, dass er dort "mit allen befreundet war, sogar mit den Damen in der Küche." Mit seinen Mannschaftskollegen soll er jedoch immer wieder aneinandergeraten sein, im Training und nach Spielen in der Kabine. Der "Liverpool Echo" listete Manés (angebliche) Vergehen auf, darunter auch eine Ohrfeige für Mohamed Salah im Jahr 2019.
Flucht zu Ronaldo-Klub Al-Nassr
In München wollte es Mané ein zweites Mal versuchen. Als Wechselgerüchte längst en vogue waren, betonte er, sich bei Bayern durchsetzen zu wollen. Doch schon auf der ersten Pressekonferenz zum Start der Vorbereitung machte Tuchel deutlich, dass es für Mané sehr schwer werden würde, überhaupt in Spieltagskader zu kommen. Die Bayern wollten ihn loswerden, auch um die kolportierten 20 Millionen Gehalt pro Jahr einzusparen für mehr Spielraum im Ringen um Harry Kane.
Saudi-Klub Al-Nassr, wo auch Cristiano Ronaldo unter Vertrag steht, tat den Münchnern den Gefallen und bot in etwa die Summe, die die Bayern für Mané an Liverpool überwiesen. Weil Mané ohnehin überflüssig ist, muss durch seinen Abgang keine Lücke gefüllt werden.
Der Verein kommt letztlich glimpflich davon, Mané geht trotzdem als einer der größten Fehleinkäufe in die Geschichte des FC Bayern ein, gemessen an seinem Status, der Ablösesumme und seines Gehalts. Mit der Einschätzung, Mané könne Lewandowski ersetzen, lagen die Münchner kolossal daneben.
Mané: "Abschied tut mir weh"
Er selbst hätte indes gerne einen zweiten Versuch in der Landeshauptstadt gestartet. "Der Abschied vom FC Bayern tut mir weh", sagte er im Gespräch mit "Sky". Er ergänzte: "Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht. Ich weiß, dass ich dieser Mannschaft in dieser Saison hätte helfen können. Ich wollte es in dieser Saison allen beweisen."
Verein und Fans wünsche er trotz allem "nur das Beste für die Zukunft."
Mané hat seine bis dato großartige Karriere an die Wand gefahren. Innerhalb eines Jahres wurde er vom Weltstar zu einem verzichtbaren Spieler, den man lieber heute als morgen verscherbeln will. Mané wäre gerne in Europa geblieben, doch es mangelte an Interessenten. Jetzt bleibt ihm nur der Ausweg Saudi-Arabien. Das Schmerzensgeld kann sich jedoch durchaus sehen lassen: Mané soll 40 Millionen Euro kassieren - jährlich.
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