FC Bayern - Sadio Mané gegen Barcelona in neuer alter Rolle: Die fehlende Arroganz des Altruisten

Seit seiner Ankunft in München wurde Sadio Mané von Trainer Julian Nagelsmann zumeist im Zentrum eingesetzt, gegen den FC Barcelona durfte der Senegalese auf seiner Paradeposition als Linksaußen ran. Das Spiel lief jedoch weitestgehend am Neuzugang vorbei, regelmäßig traf Mané in der Offensive unglückliche Entscheidungen. Nach dem Duell gab er sich demütig. Nagelsmann fordert aber das Gegenteil.

Mané braucht Zeit: Nagelsmann nimmt Neuzugang in Schutz

Quelle: Perform

Aus der Allianz Arena berichtet Dennis Melzer
Am liebsten würde Sadio Mané einfach nur Fußball spielen – ohne das große Brimborium drumherum, ohne die vielen Kameras, ohne das ständige Rede-und-Antwort-Stehen, ohne all die Mechanismen, die im Anschluss eines Spiels auf der großen Bühne greifen.
Weil Sadio Mané aber über außergewöhnliches Talent verfügt, derart gut darin ist, seiner Leidenschaft nachzugehen, kommt er um all den Wirbel nicht herum. Ein Superstar wider Willen quasi. So gab sich der Senegalese auch am Dienstagabend in den Katakomben der Allianz Arena.
In der Hoffnung, nicht groß aufzufallen, schlich Mané durch jenen Bereich der Mixed-Zone, der eigentlich für die Spieler und Verantwortlichen des Gegners vorgesehen ist. Erblickt wurde er freilich dennoch, binnen Sekunden sammelte sich eine Reporterschar um den 30-Jährigen.

Mané mit mäßiger Darbietung gegen Barcelona

Obwohl er das Rampenlicht scheut, kam er dem Interviewwunsch der Anwesenden nach. Mané ist ein überaus höflicher Mensch, dem jegliche Selbstdarstellung fernliegt. Mit leiser Stimme antwortete er auf die Fragen, dabei stets ein schüchternes Lächeln auf den Lippen.
Und das, obwohl die Fragen hauptsächlich kritischer Natur waren. Mané hatte zuvor im Duell mit dem FC Barcelona (2:0) kein sonderlich glückliches Bild abgegeben. Obwohl er erstmals seit seinem Wechsel zum FC Bayern auf seiner Lieblingsposition als Linksaußen ran durfte, lief es für den Neuzugang eher mäßig.
Immer wieder traf Mané in der Offensive falsche Entscheidungen, verhedderte sich in Barcelonas vielbeiniger Abwehr, zeigte sich in Situationen uneigennützig, in denen er hätte eigensinnig agieren müssen. Während seiner rund 70-minütigen Schaffenszeit stand kein einziger Torschuss für den Neuzugang aus Liverpool zu Buche, wurde es für die Katalanen gefährlich, war Mané zumeist aufseiten der Bayern außen vor.
Ex-Bayern-Spieler Didi Hamann ging einige Tage nach der Partie hart mit Mané ins Gericht: "Von Mané spricht momentan niemand. Er wirkt isoliert und nimmt kaum am Spiel teil", sagte er im Gespräch mit "web.de". "Das muss der FC Bayern in den Griff bekommen."

Mané: "Ich weiß, dass ich es besser kann"

"Natürlich beginnt man nachzudenken, wenn man kein Tor schießt", sagte er auf entsprechende Nachfrage. Mané ergänzte: "Aber es nichts, weshalb man sich Sorgen machen müsste." Mané führte selbstkritisch aus: "Ich weiß, dass ich es besser kann." Tatsächlich haderte Mané bereits in den vergangenen Wochen etwas mit seiner eigenen Leistung, mittlerweile wartet er, der mit fünf Toren in den ersten sechs Pflichtspielen so famos in die Saison gestartet war, seit vier Partien auf ein Erfolgserlebnis.
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Sadio Mané

Fotocredit: Getty Images

Sportvorstand Hasan Salihamidzic gab zu verstehen, dass Afrikas Fußballer des Jahres selbst "sein größter Kritiker" sei, im Vorfeld des Aufeinandertreffens mit Barcelona erklärte Trainer Julian Nagelsmann mit Blick auf die Mini-Negativserie: "Ich glaube, ihm fehlt so ein Dosenöffner." Mané habe "viele Situationen gehabt, in denen er im Abseits stand, in denen er Abseitstore erzielt hat. Das ist ein Stimmungskiller, wenn du dich über ein Tor gefreut hast."
Der Offensivspezialist sei sehr kritisch mit sich selbst, "vielleicht sogar etwas zu kritisch", sagte Nagelsmann weiter. Eine durchaus ehrbare Eigenschaft, allerdings würde sich der Übungsleiter manchmal wünschen, dass Mané etwas weniger Demut und mehr Selbstbewusstsein an den Tag legt. "Er darf gerne ein Stück weit positiv arrogant auftreten. Seine selbstlose Art habe ich schon oft gelobt, zu viel davon ist dann aber auch nicht gut."

Nagelsmann wünscht sich mehr Selbstbewusstsein

Nach dem Spiel gegen Barça erneuerte Nagelsmann seinen Wunsch: "Er hat heute eine neue Position gespielt, die er bei Liverpool im letzten Jahr nicht so oft gespielt hat, die Jahre davor aber schon. Es ist normal, dass er in gewisse Abläufe noch hereinkommen muss", sagte der 35-Jährige und schob nach: "Ich wünsche mir, dass er gewisse Dinge noch mehr an sich zieht und manchmal weniger den Mitspieler sucht, sondern versucht, selbstbewusster zu sein."
Nagelsmann ist sich aber sicher, dass Mané die Forderung schon bald erfüllen wird: "Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben. Er wird unserem Spiel seinen Stempel aufdrücken."
Die außerordentlichen Qualitäten, über die ein sogenannter Unterschiedsspieler verfügt, hat Mané allemal - jetzt gilt es nur noch, sie wieder auf den Platz zu bringen. Das Motto lautet dabei: Mehr (positive) Arroganz, weniger Selbstlosigkeit. Auch wenn es dem Altruisten schwerfällt.
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Quelle: Eurosport

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