Bayer Leverkusen macht auf Chancentod - der LIGAstehniker über die Rückkehr des Schlendrians zum deutschen Meister
Update 27/01/2025 um 14:38 GMT+1 Uhr
Bayer Leverkusen tanzt auf drei Hochzeiten ins neue Jahr, liegt in allen Wettbewerben gut im Rennen. Alles gut also? Jaein. Die Alonso-Auswahl um ihren hochbegabten Ausnahmespieler Florian Wirtz brachte am Wochenende beim 2:2 bei RB Leipzig mal wieder eine Führung nicht über die Ziellinie - im Unterschied zu Tabellenführer FC Bayern. Eine Vorentscheidung im Titelkampf? Der LIGAstheniker rätselt.
Alonso ärgert sich über Remis: "Daran müssen wir arbeiten"
Quelle: Perform
Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
an diesem 19. Spieltag hätte man fast den Eindruck bekommen können, der Fußball sei vielleicht doch eher eine Individualsportart.
Zu deutlich überstrahlten und dominierten die neuen Fußballgötter Jamal Musiala und Florian Wirtz die Spiele ihrer Mannschaften, die bekanntlich um die Meisterschaft konkurrieren.
Die Raffinesse der Offensivaktionen der beiden, die - kumuliert - allein dreimal das Aluminium trafen, da hätte man früher mal die Phrase "mit der Zunge schnalzen" intoniert.
War es das schon in der Meisterfrage?
Und wie sich die Bilder bei Bayern und Bayer doch gleichen: Ohne die beiden sind ihre Teams offensichtlich nur die Hälfte wert. Und doch könnte dieser 19. Spieltag in der Saisonhistorie rückblickend als der vielleicht Vorentscheidende im Meisterschaftsrennen gewertet werden.
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RB Leipzig gegen Bayer 04 Leverkusen
Fotocredit: Getty Images
Es ist eine Frage um Genius und Fortune und das, was genau das sagenumwobene Spielglück im Fußball nun eigentlich ist. Witz trifft das Aluminium einmal zu oft, Leverkusen patzt, Bayern zieht auf sechs Punkte davon. War‘s das etwa schon in der Meisterfrage?
Leverkusens Selbstverständnis ...
Und wie sich die Bilder doch unterscheiden. Auf die Länge einer ganzen Spielzeit, also bezogen auf 34 Spieltage, spielt das Spielglück im Sinne von "Glück gehabt" kaum noch eine Rolle. Das, was sich zeigt, ist ein Maß an Selbstverständnis, das am Ende für eine Meisterschaft reicht - oder eben nicht.
Und wieder gibt es keine besseren Klubbeispiele als Rekordmeister Bayern München und den amtierenden Titelträger Bayer Leverkusen. Ein titelfähiges Selbstverständnis ist etwa dieses ebenso ominöse wie charakterbildende "Mia san Mia", das in der letzten Saison in München unter Ex-Coach Thomas Tuchel außer Kraft gesetzt war. Die Leerstelle füllte das hochtalentierte Xabi Alonso-Leverkusen mit einem Last-Minute-Selbstverständnis wie einst Gary Cooper in "12 Uhr Mittags".
… ist Vergangenheit
Wie oft traf Bayer in den Schlussminuten, noch öfter gar in der Nachspielzeit und drehte damit ein verloren geglaubtes Spiel? Der "Kölner Express" ersann damals eine bildschöne Galerie von allen 15 Bayer-Treffermomenten in der Nachspielzeit (DFB- und Europapokal inklusive).
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Xabi Alonso
Fotocredit: Getty Images
Und wenn ich richtig nachgerechnet habe, holte Bayer in der Extra Time neun zusätzliche Liga-Punkte, die letztlich auch zur souveränen Meisterschaft führten. Und noch einmal: Wenn man das 15 Mal wiederholt, dann geht es nicht um Spielglück, sondern um Selbstverständnis. Alonso konnte seine Mannen damit aufladen, bis sie es selbst glaubten.
Bayer: 13 Punkte weniger als möglich
Prompt wird es aktuell superinteressant, denn da hat sich ein Verständnis in sein Gegenteil verkehrt. Bayer Leverkusen, so sagt die unbestechliche Statistik, hat in der laufenden Spielzeit bereits sechs Siege nach zum Teil deutlicher Führung hergeschenkt. Das Aluminium-Malheur vom Wochenende in Leipzig war dabei nur der vorläufige Endpunkt.
Und wir erinnern uns: Auch das Hinspiel gegen Leipzig Ende August 2024 verlor Leverkusen trotz 2:0-Führung am Ende 2:3. Der liebe Kollege Dennis Melzer aus der Eurosport.de-Fußballredaktion hat einmal ganz genau nachgerechnet: Leverkusen hat in diesen besagten sechs Ligaspielen zum Teil deutlich geführt und dann einmal verloren (Leipzig) und fünf Mal Unentschieden gespielt gegen Mannschaften oft auch aus dem Tabellenkeller (Bochum, Bremen, Kiel). Ich bin kein Mathegenie, aber auch Alonso wird auf keine andere Zahl kommen: macht schon jetzt 13 Punkte weniger im Saldo.
So wird Bayer nicht nochmal Meister
Gerade in diesen Spielen wie am Wochenende in Leipzig oder auch drei Tage davor in der Champions League bei Atlético Madrid (1:0 verdient geführt, kurz vor Schluss 1:2 verloren) erinnert Leverkusen an das talentierte Nervenbündel und den Chancentod der Vor-Alonso-Ära der 1990er Jahre ("Vizekusen").
Vielleicht mag das angesichts der immer noch guten Tabellensituation und den teils weiterhin berauschenden Auftritten überzogen sein. Fakt ist: Das quasi selbstprogrammierende Selbstverständnis ist dahin. Und ein Meister, der seine Führung nicht konsequent ins Ziel spielen kann, wird eben nicht wieder Meister. Eigentlich Logisch, oder?
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ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Quelle: Perform
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