Drei Dinge, die bei RB Leipzig gegen Bayer 04 Leverkusen auffielen: Der Meister beißt sich selbst in den Hintern

Bayer 04 Leverkusen hat im Bundesliga-Spitzenspiel gegen RB Leipzig Punkte liegenlassen. Durch das 2:2 (2:1) gegen die "Bullen" wuchs der Vorsprung von Spitzenreiter FC Bayern auf sechs Punkte an. Der Meister, das Team von Xabi Alonso, hatte große Chancen. Vor allem Florian Wirtz hatte enormes Pech mit Aluminium-Treffern. Doch Leipzig verdiente sich das Unentschieden. Drei Dinge, die auffielen.

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Quelle: Perform

Wirtz legte beide Tore von Patrik Schick (18.) und Aleix García (36.) auf.
Vor allem sein Solo vor dem Führungstreffer brachte die 46.793 Zuschauer, darunter geballte Prominenz um Bundestrainer Julian Nagelsmann, in der RB-Arena zum Staunen.
Durch den Treffer des Leipziger Nationalspielers David Raum per Freistoß (41.) und ein Eigentor von Edmond Tapsoba (86.) ließ Leverkusen nach zuvor acht Liga-Siegen in Serie erstmals seit Anfang November wieder Punkte liegen.
Drei Dinge, die uns in Leipzig auffielen.

1.) Bayer beißt sich selbst in den Hintern

Abgezockt. So war Xabi Alonso als Spieler, so ist sein Team mit ihm als Trainer. Eigentlich. Es war keine Gala-Vorstellung des Deutschen Meisters in Leipzig und dennoch schien es lange so, als habe Bayer das Spiel beherrscht - allerdings ohne es zu machen.
Leipzigs Trainer Marco Rose hatte sich im Vorfeld gewünscht, dass das Duell ruhig "wild" werden könne. Wohlwissend, dass Leverkusen dann weniger Kontrolle hätte. Und es wurde wild - vor allem in der zweiten Halbzeit.
Leipzig bemühte sich redlich, ackerte und steckte nie auf. Leverkusen war zwar brandgefährlich beim Umschalten, die Konter waren präzise, der Stil grundsätzlich sogar ein bisschen "ekelig".
Schon früh drängte sich der Eindruck auf, dass Bayer 04 Zeitspiel betrieb. Einige blieben länger liegen als nötig, das Tempo wurde verschleppt, bei Freistößen wurde sich ebenfalls mal eine Pause gegönnt. Mit allen Wassern gewaschen - deshalb lief und läuft in Leverkusen einiges flüssig.
Doch - und deswegen beißt sich Bayer vor Wut sicher selbst in den Hintern - war in Leipzig die Chancenverwertung mangelhaft. Bietet sich eine Chance wie für Exequiel Palacios in der 47. Minute, muss die Vorentscheidung fallen! Aus sechs Metern scheiterte an RB-Verteidiger David Raum, der mit dem Kopf auf der Linie klärte.
Bayer-Geschäftsführer Simon Rolfes resümierte: "Es war ein intensives Spiel. Wir haben es zu großen Teilen sehr gut gemacht. Das dritte Tor haben wir vermissen lassen. Das hätten wir machen müssen." Torschütze Schick erkannte: "Wir waren in der zweiten Halbzeit nicht so effektiv vorne. Leipzig hat sehr gut gespielt, viele Mannschaften werden hier noch verlieren. So blieb Leipzig im Spiel, die Hoffnung blieb erhalten"
Die Miene von Alonso direkt nach dem Schlusspfiff sagte alles: Er war unzufrieden mit dem Resultat. Ebenfalls bitter: Der Abstand zu Spitzenreiter FC Bayern hat sich von vier auf sechs Punkte vergrößert.

2.) Wirtz in Weltklasse-Form

Was für eine Augenweide dieser Wirtz wieder war! Er war einer der prägenden Figuren des Spitzenspiels in Leipzig, weil er in Weltklasse-Form ist. Dribbelstark, temporeich, dynamisch, gierig und mit dem richtigen Auge für den Mitspieler.
Elf Assists und neun Tore stehen in seiner Bundesliga-Bilanz - damit ist er statistisch der beste Mittelfeldspieler. Und: Der 21-Jährige lernt und entwickelt sich weiter. Es gab in der Vergangenheit schon das eine oder andere Spiel, in dem Wirtz eher hitzig wirkte, sich provozieren ließ und deshalb fahrig wurde.
Eine Szene in Leipzig mit Willi Orban zeigte nun aber, dass er sich besser im Griff hat: Es war die 17. Minute, als Wirtz mit dem RB-Kapitän auf Höhe der Mittellinie im Seitenaus aneinandergeriet. Stirn an Stirn standen sie sich gegenüber wie zwei kampfbereite Schafsböcke.
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Willi Orbán und Florian Wirtz (R) gerieten aneinander

Fotocredit: Getty Images

Orban ist kein Kind von Traurigkeit. Dass er Wirtz zu einer Kurzschlusshandlung bewegen wollte, kann zumindest eine Theorie sein. Wirtz blieb jedoch cool, schnappte sich direkt danach den Ball, ließ Orban im Strafraum stehen, schlug noch einen Haken und setzte den Ball an den Pfosten. Den Abstauber verwandelte Schick zum 1:0 für den Deutschen Meister.
Wirtz bekam den Assist und Applaus von den Teamkollegen. "Er war genial", urteilte Schick kurz und prägnant. Dass Wirtz lässig bleibt, sich auf seine Stärken konzentriert und Frust positiv umwandeln kann, spricht für ein neues Level, das Wirtz mittlerweile erreicht hat.
Auch das 2:0 bereitete Wirtz vor, nur der Pfosten war nicht sein Freund, dieser verhinderte das 3:1 in der 64. Minute. So oder so: Wirtz strahlt momentan Klasse UND Ruhe aus. Sein Wert steigt und steigt.

3.) "Bullen" werden wild - Raum prescht voran

Oft wurde in Leipzig zuletzt geraunt, die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft stimme nicht mehr. Im Spitzenspiel - ausgerechnet gegen den Meister Bayer 04 - zeigten die "Bullen" jedoch das Gegenteil. Sie waren giftig. Die Mannschaft demonstrierte, dass sie die Vorgaben von Rose umsetzen konnte und wollte.
Der Punkt gegen Leverkusen war letztlich verdient, weil der Kampfgeist Bayer enorm erschreckte. "Die Mannschaft hat nicht aufgesteckt. Aber was die Zielstrebigkeit angeht, haben wir die Klarheit vermissen lassen", haderte RB-Geschäftsführer Marcel Schäfer. Bei einem Blick auf die Zahlen wurde auch klar, was er genau meinte.
Ein Wert von 0,8 "Expected Goals" ist sehr niedrig. Leverkusen generierte 2,4. Einsatz reicht eben nur bedingt, wenn es gilt, den kompakten Abwehrblock von Bayer zu durchbrechen. Für mehr Gefahr hätte Leipzig noch mehr Tiefenläufe, noch mehr Geschwindigkeit im Passspiel gebraucht. Xavi Simons setzte zu wenig Akzente, die Stürmer, Benjamin Sesko und Lois Openda, hingen weitgehend in der Luft.
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David Raum verkürzt gegen Bayer Leverkusen

Fotocredit: Getty Images

Nationalspieler Raum machte hingegen viele Statistiken wett. Er brillierte geradezu, sein linker Fuß war eine Waffe, er war hinten wie vorne zu finden, verhinderte couragiert mit dem Kopf die Vorentscheidung von Palacios - und erzielte mit seinem ersten direkt verwandelten Freistoß überhaupt den wichtigen Anschluss vor der Pause.
Er war positiv wild, der entscheidende Impuls, der Beweis, dass gegen Bayer alles möglich bleibt und zog damit seine Teamkollegen mit. Der Punktgewinn geht zu einem Großteil auf Raums Konto.
(SID)
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Alonso nach Verletzungen von Adli und Terrier: "Müssen aktiv werden"

Quelle: Perform


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