Borussia Dortmund verliert den Anschluss an die Ligaspitze: Graue Maus statt Bayern Jäger Nummer eins
Borussia Dortmund ist hinter dem FC Bayern die zweite Kraft im deutschen Fußball. So zumindest das (berechtigte) westfälische Selbstverständnis über Jahre hinweg. Der jüngste Auftritt gegen die TSG Hoffenheim am Sonntag (1:1) legt jedoch nahe, dass die Verantwortlichen sich vorerst von ihren Ansprüchen verabschieden sollten. Die Realität ist nämlich grau statt schwarz-gelb.
Sahin bedient: "Mit die schwächste Saisonleistung"
Quelle: Perform
Auf die Blitz-Genesung folgte das Donnerwetter.
Nico Schlotterbeck, dessen Umknicken gegen den FC Barcelona (2:3) am Mittwochabend noch das Schlimmste vermuten ließ, nahm nach seiner gleichermaßen erfreulichen wie überraschend frühen Rückkehr auf den Platz kein Blatt vor den Mund.
"Das war mit unser schlechtestes Spiel, unfassbar schlecht", wetterte der Innenverteidiger im Anschluss an den biederen Auftritt von Borussia Dortmund gegen die TSG 1899 Hoffeheim bei "DAZN". Er schob nach: "Wie wir in einem Heimspiel ohne Energie aufgetreten sind, ist unerklärlich."
Selbst wenn der BVB den knappen 1:0-Vorsprung ins Ziel gerettet hätte, wäre er nicht zufrieden gewesen, verriet der Abwehrboss, der desillusioniert abschloss: "Wer nicht an den Anschlag gehen kann ... ich weiß nicht." Ein bezeichnendes Fazit, die pure Ratlosigkeit und ein ungewolltes Eingeständnis verpackt in wenigen Worten.
Dortmunds drittes 1:1 in Serie
Dortmund mogelte sich eben nicht mit 1:0 über die Runden, sondern verspielte zum dritten Mal hintereinander in der Liga eine Führung. Gegen den FC Bayern, Borussia Mönchengladbach und nun Hoffenheim lautete das Ergebnis jedes Mal 1:1.
Ein Fakt, der auf den ersten Blick – zugegebenermaßen - nicht allzu besorgniserregend daherkommt, könnte man die Punkteteilung mit den Kraichgauern doch immerhin als Ausrutscher deklarieren. Die Betonung liegt auf könnte. Denn: Nach 14 Ligaspielen stehen für den BVB nicht nur vier Unentschieden, sondern eben auch vier Niederlagen zu Buche.
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Nico Schlotterbeck hat seine eigene Mannschaft scharf kritisiert
Fotocredit: Getty Images
22 Punkte bedeuten aktuell Rang acht, der FC Bayern, den es laut Dortmunder Selbstverständnis Jahr für Jahr zu ärgern gilt, ist an der Tabellenspitze schon auf elf Zähler enteilt. Meister Bayer Leverkusen, der sich im Gegensatz zum BVB mittlerweile zurecht Bayern-Piesacker nennen darf, rangiert mit nur vier Punkten Rückstand auf die Münchner auf Platz zwei.
Kehl schlägt Alarm
"Wir laufen punktetechnisch dem Anspruch hinterher", gestand Sportdirektor Sebastian Kehl am Sonntagabend mit Blick aufs Tableau. Besagter Anspruch heißt Kampf um die Meisterschaft und große Nächte in der Champions League. In der Realität wurde man soeben vom FSV Mainz 05 überholt und von den Plätzen, die zur Teilnahme an der Königsklasse berechtigen, auf fünf Punkte distanziert.
Es sind aber nicht bloß die nackten Zahlen, die dieser Tage für graue Tristesse statt für schwarz-gelbe Euphorie sorgen. Es ist die Art und Weise, die Ideenlosigkeit – und – das gehört auch zur Wahrheit – die Verletztenmisere.
Die Verantwortlichen haben den Dortmunder Kader im Sommer bewusst verkleinert, wenige Monate später besteht die Hälfte der Bank aus Kjell Wäthjen (18), Ayman Azhil (23), Yannik Lührs (21) und Almugera Kabar (18) – allesamt Spieler der U19 beziehungsweise drittklassigen Zweitvertretung.
Das soll gegenüber dem zweifelsfrei talentierten Quartett nicht despektierlich klingen, sondern schlicht verdeutlichen, wie es um die Personaldecke bestellt ist. Diesen drückenden Schuh namens Kaderbreite muss sich auch Kehl anziehen.
Sahin "sehr, sehr sauer"
Dennoch: Die Spieler, die beispielsweise gegen Hoffenheim auf dem Platz standen, verfügen nachweislich über die nötige Qualität, eine der schwächsten Auswärtsmannschaften der Liga (die Kraichgauer sind noch ohne Sieg in der Fremde) spielerisch zu dominieren und letztlich zu bezwingen.
Auch Trainer Nuri Sahin wollte die namhaften Ausfälle Julian Brandt (muskuläre Probleme), Julian Ryerson (Kreislaufprobleme), Niklas Süle (Syndesmosebandriss) und Waldemar Anton (Muskelfaserriss) nicht als Grund gelten lassen. "Es spielen viele Faktoren eine Rolle, Verletzungen klar, aber das darf keine Ausrede sein", erklärte der BVB-Coach.
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Nuri Sahin war nach dem Unentschieden gegen die TSG Hoffenheim bedient
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"Sehr, sehr sauer und enttäuscht" sei er ob der gezeigten Leistung, verriet Sahin, der – ähnlich wie Schlotterbeck – die "schwächste Saisonleistung" gesehen hatte. Ein Tiefpunkt einer Spielzeit, die bereits eine 1:5-Packung in Stuttgart und Niederlagen in Berlin, Mainz und Augsburg gesehen hat.
Sahin bemühte in der jüngeren Vergangenheit regelmäßig den Begriff "Prozess". Ein wichtiges Vorhaben dabei: Vom defensiven Fußball unter Ex-Trainer Edin Terzic hin zum ballbesitzorientierten Spiel. Agieren statt reagieren. Das klingt erstmal logisch, lässt sich allerdings offenkundig nur bedingt umsetzen.
Ein Prozess, der qua Begriff immer mit einer gewissen positiven Entwicklung verknüpft wird, ist bis dato nicht festzustellen. Die Faustregel "Trust the process", also "vertraue dem Prozess" beziehungsweise "gib den Dingen ihre Zeit, um zu gedeiehen" mag als ermutigender Kalenderspruch taugen, angewendet auf den vermeintlich zweitstärksten Verein des Landes zündet er nicht.
Sahin unter Zugzwang
Das weiß auch Sahin. "Bei Borussia Dortmund muss dieser Prozess natürlich schneller gehen", gab er schon Anfang September zu verstehen: "Bei diesem Prozess ist es wichtig, Spiele zu gewinnen." Bislang hat Sahin nicht häufig genug gewonnen.
Dementsprechend wird der Trainer vor dem letzten Spiel des Jahres in Wolfsburg (So., 17:30 Uhr im Liveticker) unverblümt unter Druck gesetzt. "Wir haben jetzt noch ein Spiel und das müssen wir, egal mit welchen Mitteln, gewinnen", forderte BVB-Boss Kehl.
Ansonsten dürfte Schlotterbecks Donnerwetter im Vergleich rückblickend als laues Lüftchen gewertet werden.
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Hecking zum Feuerzeug-Wurf: Haben unter Protest weitergespielt
Quelle: Perform
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