Bundesliga-Kolumne - LIGAstheniker: Niko Kovac tut Borussia Dortmund gut - Schafft der BVB unter dem Trainer noch die Champions League?
Update 28/04/2025 um 13:08 GMT+2 Uhr
Borussia Dortmund gewinnt gegen die TSG 1899 Hoffenheim in der Bundesliga in letzter Minute mit 3:2 (1:0) und zeigt wie schon zuletzt ein neues Gesicht. Cheftrainer Niko Kovac entwickelt sich nach einem schwierigen Start zunehmend zu einem Volltreffer und zwingt den LIGAstheniker, seine kritische Haltung früherer Tage zu revidieren. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Kovac glaubt an Königsklassen-Quali: "Ist noch nicht zu Ende"
Quelle: Perform
Liebe Fußballfreundinnen und -freunde,
dass Dortmund ein schwieriges Pflaster ist, das kann man seit Jahren in der Kriminalitätsstatistik nachlesen. So ist etwa der Hauptbahnhof in Dortmund, wie ich am Wochenende gelernt habe, mit rund 770 Straftaten pro Jahr Spitzenreiter in einer Tabelle, die nicht jeden Samstag im Fernsehen gezeigt wird.
Hohe Arbeitslosigkeit, rechte Szene - Dortmund ist in jeder Hinsicht prekäres Milieu, gut dass es den BVB gibt, der für ein bisschen Diversität und Moderne sorgt.
Geht man an diesem Montagmorgen auf die Website des Klubs, springen einem gar die BVB-Frauen entgegen, die in der Westfalenliga das Derby gegen den FC Schalke 04 gewonnen haben. 2:1 vor 10.000 Zuschauern – Rekordkulisse und ein großer Schritt Richtung Meisterschaft.
Davon sind die BVB-Herren noch ein paar Umlaufbahnen entfernt, aber dass sie ausgerechnet in einer Stadt, in der Ausländer von Rechts gerne mal für das Übel der Welt verantwortlich gemacht werden, von einem Kroaten wieder Richtung Europa geführt werden, ist dann doch ein ermutigendes Zeichen.
Großteils eine schlimme BVB-Saison
Ich sag das ungern, auch weil ich das alles auch schon anders gesagt habe, aber nur ein Narr bleibt bei sich ändernder Realität stur bei seiner Meinung: Dieser Niko Kovac tut dem BVB gut.
Es war, um nicht in ein geschichtsvergessenes Halleluja einzutreten, in weiten Teilen eine schlimme und grausame Saison, aber manchmal kann etwas 25 Spieltage schlimm und grausam sein, um dann doch noch gut zu werden.
Hier und heute, drei Partien vor Schluss, steht der BVB das erste Mal seit dem 15. Spieltag wieder auf einem Europapokalplatz. Genau genommen heißt der sechste Rang in der Bundesliga "Europa-Conference-League-Qualifikationsphasenplatz".
Gut, darüber lachen sogar die viertklassigen BVB-Frauen, gemessen an den Ansprüchen des Klubs, am Invest in einen viele Millionen teuren Buben-Kader, dem zweitteuersten der Liga. Aber irgendwie muss man ein Comeback ja zwischenfazitieren (Gibt es das Wort Fazit überhaupt als Verb?). Anders formuliert: Noch sind es drei Punkte bis zur Champions League.
Dortmunder Seismograph: Julian Brandt
Anders als der BVB der ersten zwei Drittel hat die Borussia in Hoffenheim (3:2), wie schon in den Spielen davor (Bayern und Barcelona) Lust auf noch viel mehr gemacht. Diese veränderte Körpersprache, dieser selbstbewusste Auftritt bis zum Schlusspfiff – bemerkenswert.
Anders als Bayer Leverkusen ist Dortmund gerade kein Klub, der Spiele oft in der Nachspielzeit gewinnt, das muss doch was heißen. Es gibt keinen besseren Seismographen für das BVB-Spiel als Julian Brandt.
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BVB-Seismograph Julian Brandt beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim
Fotocredit: Getty Images
Ein Hochtalentierter, klar, aber eben auch ein schlampiges Genie. Einer, der Spiele allein entscheiden kann und einer, der ganze Spiele so tief abtaucht, dass ich schon mal einen Braunkohlebagger aufs Feld gestellt hätte, um ihn wieder auszugraben.
Was war das bitte für ein Spiel von ihm in Hoffenheim! Und sein Tor zum 1:2, wie sagt man doch? Zum Zunge schnalzen! Ich bin keiner, der jetzt sagt, dass der Knoten geplatzt sei, dafür ist Brandt zu lange im Geschäft. Bitte BVB, gebt ihm einen Psychologen, einen Händchenhalter oder eine Yogalehrerin an die Hand, nur tut was, damit er jeden Samstag so spielt wie diesen.
Kovac macht Führungsspieler besser
Wie sagt man doch gerne: Ein guter Trainer ist einer, der Spieler besser macht. Nach der Lesart könnte Kovac ein guter Trainer sein (ich bin noch vorsichtig, ich hab ja schon mal behauptet Kovac und Dortmund, das passe nicht).
Denn Brandt ist besser als zuvor, wenn gleich einer mit seinem Talent auf 20 Scorerpunkte kommen müsste und nicht auf zehn wie aktuell. Oder nehmen wir Serhou Guirassy. Sein Treffer in Hoffenheim war sein Zehnter in der Rückrunde, keiner war besser.
Und wie er sich vor dem Elfmeter in der ersten Halbzeit von Kapitän Emre Can den Ball schnappt und auch wenn er dann an Oliver Baumann scheitert, endlich war da wieder der VfB-Guirassy, der sich was zutraut.
Liegts am Trinkwasser oder der fehlenden Yogalehrerin, dass die Überzeugungskraft der zentralen BVB-Cracks Samstag für Samstag Amplituden schlägt wie sonst nur die Richterskala je nachdem ob gerade die Erde bebt oder nicht.
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Serhou Guirassy konnte in Hoffenheim trotz verschossenem Elfmeter jubeln
Fotocredit: Getty Images
CL: BVB passt besser als Freiburg
Wenn Kovac jetzt auch noch Jamie Gittens in Normalform bringt, dann glaube ich es bald auch, dass Kovac ein Guter ist. Und überhaupt: Gittens und Guirassy – theoretisch sind die beiden schon ein Traumduo. Bei 40, 50 Treffern pro Saison sind sie es auch praktisch.
Warten wir also noch drei Spieltage, wo sich der BVB am Ende einreiht. Dass der BVB zwei Saisondrittel größtenteils Mist spielt und immer noch die Chance auf die Qualifikation für die Champions League hat, spricht nicht für die Liga.
Aber sehr wohl für den immer noch neuen Trainer Niko Kovac. Und so sehr ich die Königsklasse den Freiburgern (derzeit Platz vier) im Jahr eins nach Christian Streich und von Julian Schuster wünschen würde, das Schwarzwälder Kleinod ist systemisch gar nicht gemacht für dieses kapitalistische Globalisierungswettspiel, in dem der BVB jüngst erst gegen das große Flick-Barcelona (3:1) gezeigt hat, zu welchen Großtaten es auch ganz praktisch in der Lage wäre.
Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Slot dankt Klopp nach Titel: "Das hat noch nie ein Trainer getan"
Quelle: Perform
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