BVB: Erster Gegenwind für Nuri Sahin - Debakel gegen den VfB Stuttgart legt alle Probleme von Borussia Dortmund offen

Borussia Dortmund hat beim ersten Härtetest der noch jungen Saison beim VfB Stuttgart eine desolate Vorstellung abgeliefert (1:5). Die anfängliche schwarz-gelbe Euphorie ist mittlerweile vollständig verflogen, stattdessen macht sich Frust und Ernüchterung breit. Die gegenwärtigen Probleme beim BVB sind noch größer als gedacht und auch Neu-Trainer Nuri Sahin spürt erstmals leichten Gegenwind.

Sahin bedient: "So kannst du nicht auftreten"

Quelle: Perform

Kapitän Emre Can und seine Mannen wollten nur noch schnell weg.
Während die heimischen Fans die Stuttgarter MHP Arena in ein Tollhaus verwandelten, zogen die Dortmunder Spieler fast schon beschämt nach einem kurzen Abstecher in die Gästekurve von dannen.
Verstecken konnten sie sich vor der harschen Kritik nach der blamablen 1:5-Niederlage bei Vizemeister VfB Stuttgart jedoch nicht.
"So ein Gesicht will ich nie wieder sehen. So dürfen wir als Borussia Dortmund nicht auftreten", polterte BVB-Trainer Nuri Sahin am "DAZN"-Mikrofon nach der desolaten Leistung im Schwabenland und betonte in aller Deutlichkeit: "Das war eine Nicht-Leistung! Von der ersten bis zur letzten Minute gar nichts!"
Tatsächlich wurden dem Champions-League-Finalisten im ersten richtigen Härtetest der noch jungen Saison klar die Grenzen aufgezeigt.

BVB ist VfB Stuttgart in allen Belangen unterlegen

Zweikampfführung, Positionsspiel, Willensstärke - in all diesen Bereichen war der BVB den Hausherren am Sonntagabend hoffnungslos unterlegen.
"Was heute auf dem Platz passiert ist, ist nicht zu erklären. Das darf uns nicht passieren", bilanzierte Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl sichtlich angefressen.
In der jüngeren Vergangenheit ist dies den Schwarz-Gelben gerade gegen die vermeintlichen Schwergewichter jedoch zu oft passiert. Von den letzten 21 Spielen gegen Ligarivalen, die die Champions League erreicht haben, gewann Dortmund nur vier - bei 14 Niederlagen.
Auch am Sonntagabend wirkte der BVB gegen den furios aufspielenden Vizemeister von der ersten Minute an verunsichert, fast überfordert. Daran änderte auch das zwischenzeitliche 1:3 des Ex-Stuttgarters Serhou Guirassy (75.) nichts. Anstatt noch einmal eine Schlussoffensive zu starten, ging die Elf von Sahin in der Folge komplett unter.
"Bis auf eine kleine Anzahl an Spielern habe ich keinen gesehen, der annähernd eine Form hatte und das Gefühl vermittelte, er wolle das Spiel gewinnen. Diesen Vorwurf muss sich die Mannschaft gefallen lassen", schimpfte Kehl weiter.
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Deniz Undav erzielt das 1:0 für den VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

BVB offensiv und defensiv desolat

Obwohl man anders als beim dürftigen Champions-League-Auftritt unter der Woche beim FC Brügge (3:0) an vorderster Front mit Guirassy wieder mit einem echten Zielspieler agierte, fehlte es den Schwarz-Gelben in der Offensive erneut an Ideen und Durchschlagskraft.
Auf der anderen Seite des Platzes hatte die neuformierte Viererkette sichtlich Abstimmungsprobleme, sodass es nahezu bei jedem Angriff der Schwaben brenzlig wurde.
Bereits in den vorherigen Partie gegen den 1. FC Heidenheim (4:2) und eben in Brügge machte die Dortmunder Hintermannschaft keinen allzu stabilen Eindruck.
In Stuttgart hatte nicht zuletzt auch Sahin mit seiner taktischen Ausrichtung seinen Anteil am schwachen Auftritt der Gäste.

Sahin sorgt mit Aufstellung für Fragezeichen

Zum wiederholten Male setzte der Neu-Trainer den einen oder anderen Leistungsträger nicht auf dessen Idealposition ein.
Der nach einer Rotsperre zurückgekehrte Nico Schlotterbeck musste zunächst auf die für ihn ungewohnte Position links hinten in der Viererkette ran, wo er seine liebe Mühe und Not mit den pfeilschnellen Stuttgarter Angreifern - allen voran Enzo Millot - hatte.
Erst in der Halbzeitpause stellte Sahin auf eine Dreierkette um - wirklich besser wurde das Spiel der Westfalen jedoch nicht.
Marcel Sabitzer wurde trotz seiner leisen Kritik unter der Woche erneut rechts in der offensiven Dreierreihe anstatt auf der Doppelsechs aufgeboten. Darüber hinaus verzichtete Sahin zu Beginn auf den formstarken Jamie Gittens, der in Brügge mit einem Doppelpack zum Matchwinner avancierte und sich Hoffnungen auf seinen zweiten Startelfeinsatz der Saison gemacht hatte.
Die beiden hochgelobten Youngster Julien Dranville und Neuzugang Maximilian Beier kamen erneut gar nicht zum Einsatz.
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Nuri Sahin musste die Dortmunder Klatsche von der Seitenlinie aus tatenlos mit ansehen

Fotocredit: Getty Images

Sahin braucht Zeit - bekommt aber nicht viel

Dass der neu zusammengestellte BVB nach wettbewerbsübergreifend gerade einmal sechs Partien noch nicht voll im Flow ist, ist durchaus verständlich.
Der Auftritt am Sonntag machte jedoch deutlich, dass doch mehr Arbeit auf Sahin und sein Trainerteam wartet, als nach dem passablen Saisonstart und vier Siegen aus fünf Pflichtspielen zunächst vermutet wurde. Es muss konstatiert werden: Bislang ist keine klare Spielphilosophie zu erkennen.
"Wir werden am vierten Spieltag jetzt nicht alles in Schutt und Asche reden. Es war auch klar, dass wir in dem Prozess Zeit benötigen. Aber wenn wir häufiger solche Leistungen zeigen, dann werden wir mit unseren Zielen nichts zu tun haben", mahnte Kehl.
Bereits am Freitag hat der BVB die Chance, sich im kleinen Revierderby gegen den VfL Bochum (20:30 Uhr im Liveticker) bei den Fans für die Schmach von Stuttgart zu entschuldigen. Viel Zeit für etwaige Anpassungen bleiben Trainer Sahin dadurch jedoch nicht.
"Wir müssen lernen. Sehr, sehr schnell", forderte Kehl daher. Ansonsten droht den Dortmunder Profis am Freitag der nächste unwürdige Abgang.
Klar ist auch: Der verheerende Eindruck, den der BVB in Stuttgart hinterlassen hat, dürfte noch eine Weile nachwirken - egal wie das Duell mit dem VfL Bochum ausgehet.
(mit SID)
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Quelle: Perform


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