Der Fall Joshua Kimmich trübt die Feierlaune beim FC Bayern München: Jetzt ist Schluss mit lustig im Vertragspoker
Update 27/02/2025 um 16:10 GMT+1 Uhr
Im Grunde war alles auf einem guten Weg beim FC Bayern München: Manuel Neuer, Jamal Musiala und Alphonso Davies haben ihre Verträge verlängert. Lediglich Joshua Kimmich zierte sich weiter und zögerte. Nun haben die Bosse die Faxen dicke und das Angebot an den Vize-Kapitän zurückgezogen. Droht damit das zurechtgelegte Konstrukt des Kaders und der Hierarchie für die kommenden Jahre zu platzen?
Eberl zur Zukunft von Kimmich bei Bayern: "Weiß, was er will"
Quelle: Perform
Sie haben reingefeiert - und das kräftig. Am Mittwochabend traf sich die Familie des FC Bayern München im Festsaal am Münchner Nockherberg. Rund 650 geladene Gäste aus Sport, Politik und Gesellschaft stießen in der Nacht auf den 27. Februar auf den 125. Geburtstag des Vereins an, moderiert von Günther Jauch. Ein Legendentreffen mit all den Persönlichkeiten aus den vergangenen Jahrzehnten und der aktuellen Mannschaft.
Bei diesem Mia-san-mia-Abend, wie ihn der Verein nannte, wurde den derzeit Verantwortlichen noch einmal die Größe und die Wucht dieses nun über 400.000 Mitglieder zählenden Vereins bewusst. Trainer Vincent Kompany richtete den Blick natürlich nach vorne, um 22:00 Uhr war für die Spieler Zapfenstreich.
Am Freitagabend müssen die Bayern beim VfB Stuttgart ran (20:30 Uhr im Liveticker), bei dem Team, das ihnen letztes Jahr zum Ende der Saison sogar noch die Vize-Meisterschaft (okay, das ist für den FCB kein Maßstab) streitig machte und überholte.
Der Süd-Schlager bei den Schwaben ist die Einstimmung auf die Wochen, in denen es wirklich zählt: das Champions-League-Achtelfinale gegen den Double-Gewinner Bayer 04 Leverkusen. Man sei "in Vorfreude" auf die Spiele, sagte Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen und kündigte an: "Wir wollen zeigen, wer in Deutschland Erster ist! Dass es jetzt ein deutsches Duell ist, haben wir uns nicht gewünscht, aber wir werden die Aufgabe bestehen." Klingt ebenfalls nach viel Mia san mia.
Das wollen die Verantwortlichen auch mit den Vertragsverlängerungen dokumentieren. Eine Herkulesaufgabe, der sich Sportvorstand Max Eberl seit seinem Amtsantritt zum 1. März 2024 stellen musste. Sein Jahrestag steht am Samstag an. Ob es was zu feiern gibt, wird sich noch herausstellen. Vor allem in der Causa Kimmich und der immer noch unsicheren Zukunft des Vize-Kapitäns beim FC Bayern.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/02/13/4097223-83082108-2560-1440.jpg)
Ein Jahr Eberl in München: Bayern-Boss zieht erstes Fazit
Quelle: Perform
Denn die Ziellinie schien bereits in Sichtweite. Im Auslauf der Laufbahn warteten schon Manuel Neuer, Jamal Musiala und Alphonso Davies. Sie alle, die in diesem Jahr bereits ihre Verträge beim FC Bayern verlängert haben, wollten eigentlich alsbald mit Joshua Kimmich abklatschen. Der Nächste, bitte?!
Der Abschluss der Vertragsvereinbarung und die Unterschrift des 30-Jährigen, dessen Arbeitspapier zum 30. Juni endet, schienen kurz bevorzustehen. "Wir wissen genau, was wir wollen, Josh weiß, was wir wollen. Jetzt hoffe ich auch, dass wir das über die Ziellinie bringen", sagte Sportvorstand Max Eberl letzte Woche. Präsident Herbert Hainer meinte gegenüber der "Sport Bild", man sei "verhalten optimistisch" bei Kimmich. Mittlerweile alles Schnee von gestern.
Bayern zieht sein Angebot an Kimmich zurück
Die Entscheidung sollte im Grunde schon längst gefallen sein, ein finanziell nachgebessertes Angebot wurde Kimmich erst kürzlich vorgelegt. Er sollte trotz all der Bekenntnisse, dass die Bayern Gehälter reduzieren wollen, mehr erhalten als in seinem bisherigen Kontrakt, der zum 30. Juni endet. Nach einer Sitzung des Aufsichtsrats am Montagabend haben die Münchner Bosse nun dieses erhöhte Angebot wieder zurückgezogen. Vor allem deshalb, weil ihnen Kimmich zu lange zögert.
Beide Seiten wollen sich nun besinnen und neu orientieren: Die Botschaft an den Mittelfeldspieler: Werde dich erst einmal im Grundsatz darüber klar, was du willst und bei einem Bekenntnis zum FC Bayern setzen wir uns wieder an einen Tisch und besprechen die Vertragskonditionen.
Ursprünglich wollte der Verein vor der Crunchtime der Saison die wichtigsten Personalentscheidungen getroffen haben - und mehr Crunchtime als ab März, wenn es in der Champions League zu den Achtelfinal-Duellen (am 5. und am 11.3.) mit Bayer Leverkusen kommt, geht nicht. Der gebürtige Schwabe Kimmich wollte erst einmal abwarten, wie hoch die Vergütungen und vereinbarten Bonuszahlungen bei den neuen Monsterverträgen von Musiala und Davies (jeweils bis 2030 unterschrieben) tatsächlich ausfallen.
Kimmich, der wegen einer Sehnenreizung aus dem Frankfurt-Spiel (4:0) am Freitag in Stuttgart verletzt fehlt, sollte einer der Topverdiener neben Harry Kane, Musiala, Neuer und Davies werden - nun ist alles wieder in der Schwebe.
Ursprünglich sollte Kimmich neuer Kapitän werden
Die Gehaltsstruktur drückt ja immer auch die Hierarchie eines Kaders aus. Auch die Vereinszugehörigkeit, das Bekenntnis zum FC Bayern, sollen bei der Vergütung eine Rolle spielen. Nach Neuer (38), der 2011 vom FC Schalke kam, ist Kimmich mit nun schon zehn Jahren der Feldspieler mit der längsten Vereinszugehörigkeit. Der zentrale Mittelfeldspieler sollte ursprünglich schon in der kommenden, sehr wahrscheinlich endgültig letzten Saison von Torhüter Neuer die Kapitänsbinde übernehmen. Mit dieser Auszeichnung hatten die Verantwortlichen der Münchner Kimmich, der sich nicht von einem Berater vertreten, sondern lediglich die Vertragsinhalte von einem Anwalt gegenchecken lässt, seit Monaten bezirzst. Bisher vergeblich.
Und was ist in dem Zusammenhang eigentlich mit dem Mister FC Bayern? Mit der kickenden Legende Thomas Müller, der seit 25 Jahren dem Verein angehört? Er darf selbst entscheiden, ob er im Sommer noch ein Jahr dranhängt. Dass der 35-Jährige dies immer noch nicht getan hat, spricht eher für ein Karriereende - im besten Fall mit der Teilnahme seiner Bayern am zweiten Finale dahoam (31. Mai) und im sehr wahrscheinlichen Fall mit der ersten Fifa-Klub-WM im Juni/Juli in den USA. Dafür müsste der Vertrag nur um einen Monat verlängert werden.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/02/27/4102558-83188808-2560-1440.jpg)
Schweinsteiger über Müller: "Sofort ein Lächeln im Gesicht"
Quelle: Perform
Wie die Hierarchie der Zukunft aussehen soll
Hört Müller auf und Neuer ein Jahr später, sind die Weltmeister von 2014 Vergangenheit beim FC Bayern. Der Vertrag von Kane (31) läuft bis 2027. Spätestens dann gilt: Eine Generation tritt ab. Eine Generation rückt nach. Dann wäre Kimmich der neue, starke Mann im Kader, der Boss.
Die Verträge von Kingsley Coman, seit 2015 bei Bayern, von Serge Gnabry (seit 2017) und von Leon Goretzka (seit 2018) enden 2026 bzw. 2027 (Coman) - keiner soll nach derzeitigem Stand verlängert werden. Alle drei galten und gelten weiterhin als Verkaufskandidaten. Speziell in diesem Sommer, in dem Ablöse-Erträge erzielt werden sollen bzw. müssen.
Wird Pavlovic der neue Müller?
Der Einfluss von Davies (24), seit 2019 im Verein, dürfte nach seinem Bekenntnis zum FCB größer und größer werden, er könnte mittelfristig einer der Vize-Kapitäne werden. Auch Musiala, wenn auch erst 21 Jahre jung, soll und muss langfristig mehr Verantwortung übernehmen. Aleksandar Pavlovic (20/Vertrag bis 2029) könnte eines Tages in die Müller-Rolle schlüpfen. Aber wer weiß? Ursprünglich lautete die Planung so: Der gebürtige Münchner könnte in den 30er Jahren, nach der Kimmich-Ära, Kapitän bei den Bayern werden. Nun, falls die Bayern-Bosse und Kimmich nicht mehr zueinander finden, könnte Pavlovic bereits kommende Saison einer der wichtigsten Spieler im Dress des FCB werden.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/02/27/4102621-83190068-2560-1440.jpg)
"Unikat" weiter dabei? Kompany und Eberl sprechen über Müller-Zukunft
Quelle: Perform
Fragt sich nur, ob an der Seite von Goretzka oder dem bisher so unglücklichen, lange verletzten und zuletzt durch einen Infekt geschwächten Joao Palhinha. Der Sechser kam im Sommer 2024 für über 50 Millionen Euro Ablöse vom FC Fulham und konnte die Erwartungen bisher nicht erfüllen - aber das wiederum ist eine ganze andere Geschichte.
Das könnte Dich auch interessieren: Rückkehr nicht ausgeschlossen? Hoeneß kritisiert Nagelsmann-Trennung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/02/27/4102512-83187893-2560-1440.jpg)
Harte Kritik an Trumps Kanada-Äußerungen von Marsch
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung