Der LIGAstheniker verteilt sein Winterzeugnis an die 18 Klubs der Bundesliga: Werner geht nur zum Lachen in den Keller
Update 23/12/2024 um 17:47 GMT+1 Uhr
Nach dem letzten Spieltag 2024 schaut sich der LIGAstheniker die 18 Vereine der Bundesliga genauer an und vergibt Noten für das Jahr. Beim FC Bayern betreiben sie mit Vincent Kompany gutes Krisenmanagement, da hat Nuri Sahin bei Borussia Dortmund den deutlich schwereren Job. Die Gewinner des Jahres kommen ohnehin aus Leverkusen. Und wenn Kiel jetzt noch herausfindet, dass da noch mehr geht ...
Sahin nach Sieg in Wolfsburg: "Spiel beschreibt unsere Hinrunde"
Quelle: Perform
Winterpause ist, aber das noch vor der Herbstmeisterschaft. So tickt die Bundesliga eben 2024/25.
Beruhigend für den Süden der Nation: Der FC Bayern München führt die Tabelle nach 15 Spieltagen mit vier Punkten Vorsprung auf Titelverteidiger Bayer Leverkusen an, während Borussia Dortmund nur auf Rang sechs herumdümpelt.
Beim VfL Bochum muss man sich indes ernsthafte Sorgen machen, ob man trotz Dieter Heckings Aura den Klassenerhalt packt.
Die Noten des LIGAsthenikers für die Bundesliga-Klubs am Ende des Jahres 2024.
1. FC Bayern München
Zum Abschluss des Kalenderjahres Tabellenführung mit vier Punkten Vorsprung - ein versöhnlicher Abschluss für ein für Bayerns Verhältnisse unwürdiges Jahr. In der Saison 23/24 keine Titel nirgends, in der Bundesliga gar nur Dritter, das hat es lange nicht gegeben.
Der neue Trainer Vincent Kompany soll das ändern, die Bayern sind gut, wenn auch nicht durchgehend so gut wie sie glauben. Die Meisterschaft ist Pflicht und scheint realistisch. Ob das Uli Hoeneß reicht? Trotzdem, gutes Krisenmanagement.
Note: 2
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Kompany scherzt mit Bayern-Fans: "Weiß, was Sie hören wollen"
Quelle: Eurosport
2. Bayer Leverkusen
Trotz aktuell Platz zwei: die Mannschaft des Jahres! Amtierender Double-Gewinner und in der aktuellen Champions League beste deutsche Mannschaft. Bestes Jahr in der Vereinsgeschichte.
Nach fahriger und unkonzentrierter erster Liga-Phase und neun Punkten Rückstand hat Bayer auch im Selbstverständnis zu den Bayern fast wieder aufgeschlossen. Könnte 2025 das Triple holen und Xabi Alonso und Florian Wirtz verlieren. Das Duell mit den Bayern in der Rückrunde könnte ein Klassiker werden.
Note: 1
3. Eintracht Frankfurt
Bei "11 Freunde" habe ich kürzlich gelesen, dass die Eintracht wieder ein Spitzenteam ist, weil sie keine Zwietracht mehr lebt. Da ist was dran. Die letzten zwei Spiele eine unnötige Konzentrationsdelle, aber immer noch auf Champions League-Kurs.
Und mit Omar Marmoush einen Spektakelspieler in ihren Reihen, bei dem nicht abzuschätzen ist, wie lange die Bundesliga ihn noch bewundern kann. Frankfurt ist alles zuzutrauen.
Note: 2
4. RB Leipzig
Beim Blick auf die Tabelle könnte man sagen: Ist doch nichts passiert, Rang vier, CL-Kurs, alles im Lot. Mitnichten: Der blasse Auftritt in München, die blutleeren Niederlagen in der Königsklasse und ein immer öfter ratlos dreinblickender Marco Rose – Leipzig spielt nicht die Rolle, die Red Bull vom hauseigenen Vorzeigeklub erwartet.
Ob Rose das Ende der Spielzeit im Amt erlebt, ist längst nicht ausgemacht. Und wer weiß, ob dann nicht irgendwann der Name Jürgen Klopp fällt.
Note: 3,5
5. FSV Mainz 05
Was die Truppe von Bo Henriksen gerade mentalitätsmäßig auf den Rasen bringt, ist Wahnsinn. Selbst mit einem Mann weniger wirkten sie in Frankfurt wie die bessere Mannschaft.
Und die Art und Weise wie sie den Spielfluss der Bayern in der Woche davor in Mainz abgeschnürt haben, lässt noch mehr Rückrundenüberraschungen erwarten. Anders als im schwachbrüstigen Vorjahr gehört Mainz so in das internationale Geschäft.
Note: 2
6. Borussia Dortmund
Für den BVB war 2024 sportlich ein Abstieg. Dortmund ist nicht mehr der große Rivale der Bayern und auch die aktuelle Saison spiegelt das wider. Unerklärliche Aussetzer, eine peinliche Auswärtsschwäche (nur ein Sieg, am Sonntag bei 3:1 in Wolfsburg), aber auch das ein oder andere CL-Ausrufezeichen.
Insgesamt zu wenig für den Eigenanspruch. Wohin die Reise der wankelmütigen Ruhrdiva 2025 geht ist noch nicht abzusehen. Klar ist: Es gibt einfachere Klubs für einen Trainernovizen wie Nuri Sahin.
Note: 3
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Der LIGAstheniker vergibt Zeugnisse für 2024 - darunter auch für den FC St. Pauli, Werder Bremen mit Trainer Ole Werner und Borussia Dortmund (v.l.)
Fotocredit: Getty Images
7. Werder Bremen
Noch so ein Überraschungsteam der Liga. Nach dem 0:5 Heimspieluntergang gegen die Bayern im September hat sich Werder geschüttelt und gerührt und spielt auf einmal mit einer Selbstverständlichkeit nach vorne, dass man sich wundern darf.
Hat wohl viel mit der spröden Nüchternheit ihres Trainers Ole Werner zu tun, der zum Lachen zwar in den Keller geht, aber mit dem Bundesligakeller nichts mehr zu tun haben will.
Note: 2,5
8. Borussia Mönchengladbach
Dass die Kombi Gerardo Seoane und Gladbach doch noch funktionieren könnte, das hatten wohl die wenigsten gedacht. Aber 24 Punkte in 15 Spielen ist ordentlich und gerade das überzeugende Auswärts-2:1 in Hoffenheim vom Wochenende lässt die Fans der Fohlen auf deutlich bessere Zeiten hoffen. Besser heißt vorerst nur: Ein einstelliger Tabellenplatz und nicht Europa. Aber wer weiß, was noch kommt.
Note: 3
9. SC Freiburg
Das Jahr nach Christian Streich – da kann ein Gute Laune-Klub wie Freiburg eigentlich nur auf ganzer Linie Schiffbruch erleiden. Könnte man denken, stimmt aber gar nicht! Freiburg steht derzeit nicht schlechter da als zum Ende der letzten Saison – eher besser.
Bereits 24 Punkte auf dem Konto, 2023/24 waren es am Ende 42, das ist locker drin. Die deftigen Niederlagen gegen Leverkusen am Wochenende (1:5) und gegen Dortmund (0:4) schmerzen, aber Neu-Coach Julian Schuster macht den Eindruck, als wären ihm Streichs übergroße Fußspuren gerade recht.
Note: 3
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Christian Streich (SC Freiburg) beendete 2023/24 seine Zeit im Breisgau zum Saisonende
Fotocredit: Getty Images
10. VfB Stuttgart
Was war das nur für ein VfB-Jahr, gerade die erste Hälfte! Deutscher Vizemeister, ein Titel, den man viel zu selten hört. Noch dazu vor den Bayern. Geburtsjahr einer Hochtalentiertentruppe, aus der sich etliche Nationalspieler emporspielten: Nübel, Führich, Mittelstädt, Undav.
Aber wie so oft im Sport, gestaltet sich das Bestätigen einer Erwartungshaltung schwieriger als der erste große Erfolg. In dieser Saison eine mittelprächtige Hinrunde, die die Frage, ob die Mannen von Sebastian Hoeneß dauerhaft das Zeug für ganz oben haben, noch nicht beantworten kann. Für ein einmaliges Strohfeuer aber scheint mir zu viel Qualität im Kader.
Note: 2
11. VfL Wolfsburg
Wenn ich mal ganz ehrlich sein darf: Ich kann mit dem, was Wolfsburg da seit Jahren spielt, wenig anfangen. Daran hat auch der von mir sehr geschätzte Ralph Hasenhüttl wenig ändern können. Platz elf ist nicht der Anspruch, kann es nicht sein.
Mal gewinnen sie, öfter verlieren sie, Trainer kommen, Trainer gehen, eine eigene Spielidee ist nicht erkennbar, Graue Maus-Fußball für eine von einem Autokonzern hochgepäppelte Kickertruppe ohne Identität. Braucht man nicht wirklich!
Note: 4
12. Union Berlin
Die Eisernen stehen noch schlechter da als die Wolfsburger, das stimmt. Aber sie waren mal sowas wie der Geheimtipp der Liga. Jetzt seit eineinhalb Jahren Krise. Durch den Rausschmiss von Urs Fischer damals wurde nicht viel besser.
Bo Svensson ist bemüht, die verloren gegangene Spielidee – Abwehrdisziplin, gedankenschnelles Umschaltspiel, Torgefahr – wieder zu implementieren. Es scheint ihm nicht zu gelingen. Die Winterpause wird er als Cheftrainer womöglich nicht "überleben". Eigentlich schade!
Note: 4
13. FC Augsburg
Die Fuggerstädter sind seit 2011 erstklassig, aber es gibt kein Gesetz, dass das so bleiben muss. Das 1:5 bei Holstein Kiel vom Wochenende war blamabel und ein Tiefpunkt in der jüngeren Bundesliga-Geschichte des FCA. 16 Punkte aus 15 Spielen heißt: Augsburg spielt gegen den Abstieg und es könnte so schwer werden wie seit Jahren nicht mehr die Klasse zu halten.
Note: 4,5
14. FC St. Pauli
Der Kultklub aus Hamburg hat ein aufregendes Jahr hinter sich. Aufstieg in die erste Liga und eine gute erste Ligaphase. Vier Siege gegen Stuttgart, Kiel, Hoffenheim und Freiburg zeigen, das alles möglich scheint. Was aber wirklich Mut macht: Drei der vier Siege waren auswärts (gell, BVB). Wie sagt man: Den Mutigen gehört die Welt. Ich lege mich fest: Pauli steigt nicht ab.
Note: 3
15. TSG 1899 Hoffenheim
Noch so ein Klub mit Identitätskrise. Davon, dass Sie mal als Bayern-Konkurrent aufgebaut wurden, ist nicht mehr viel übrig. Aber: Die Verpflichtung des österreichischen Meistertrainers Christian Ilzer (mit Sturm Graz) könnte sich noch als Glücksfall erweisen.
Ilzer ist ein Macher, der der völlig verunsicherten TSG wieder Vertrauen in die eigenen Stärken vermitteln könnte. Das letzte Heimspiel gegen Gladbach hätten sie eigentlich gewinnen können. Aus Chancen Tore machen – das ist Ilzers Großaufgabe.
Note: 4,5
16. 1. FC Heidenheim
Was für ein Berg- und Taljahr für die Jungs von Frank Schmidt. Letzte Saison sensationell Platz acht und Conference League. Und die Kirsche auf dem Ligakuchen: der 3:2-Heimsieg im April gegen die Tuchel-Bayern.
Und heute? Zehn sieglose Spiele in Folge, davon neun Niederlagen. Vereinsnegativrekord. Selbst die als Absteiger abgestempelten Kiel und Bochum schafften ausgerechnet gegen Heidenheim ihren erst Dreier. Die Erfolge der Vergangenheit sind fast vergessen, Schmidt und Heidenheim kämpfen uns Überleben.
Note: 5
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Kämpferisch: Heidenheim-Trainer Frank Schmidt
Fotocredit: SID
17. Holstein Kiel
Für die allermeisten Experten steht Kiel seit dem ersten Spieltag als Absteiger fest: Nett, sympathisch aber irgendwie fehl am Platz. Das war arrogant, stimmte irgendwie aber auch. Und dann plötzlich dieses eruptive 5:1 gegen Augsburg am letzten Spieltag vor der Winterpause.
Kann dieses eine Spiel für die Rückrunde alles verändern? Weil die Störche plötzlich merken: Da geht noch viel mehr!? Ich drücke Ihnen die Daumen.
Note: 4
18. VfL Bochum
Wie sich die Bilder gleichen: Auch der VfL hatte sein Erweckungserlebnis am letzten Spieltag vor Weihnachten, der erste Saisonsieg gegen Heidenheim ausgerechnet am vierten Advent.
Ansonsten war Bochum nicht erstligareif, daran konnte auch Dieter Hecking erstmal nichts ändern. Aber was für Kiel gilt, gilt auch für Bochum: Kann ein Sieg alles verändern, vor allem das eigene Mindset? Der Abstiegskampf wird ein Triell, mit dem VfL als Außenseiter.
Note: 5
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ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Quelle: Perform
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