Drei Dinge, die bei Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen auffielen: BVB-Debütanten trifft die geringste Schuld

Bayer Leverkusen gewann dank einer hohen Effektivität mit 3:2 gegen Borussia Dortmund. Sogar ohne den spät eingewechselten Florian Wirtz funktionierte die Offensive, weil insbesondere Patrik Schick nicht zu stoppen ist. Der BVB musste in der Abwehr auf zwei Startelf-Debütanten setzen. Doch die waren nicht die Hauptschuldigen. Drei Dinge, die im Duell zwischen Dortmund und dem Meister auffielen.

BVB-Trainer Sahin klagt: "Das war ein schlechter Witz"

Quelle: Perform

Durch den Auswärtssieg bei Borussia Dortmund wurde der Rückstand auf den Tabellenführer FC Bayern zumindest vorübergehend bis auf einen Punkt verkürzt. "Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Hier zu gewinnen, ist sehr schwierig", lobte Trainer Xabi Alonso bei "DAZN". "Wir haben das mit Disziplin und der Mentalität gemacht, bis zur letzten Minute zu kämpfen." 
Der Jahresauftakt hätte kaum spektakulärer beginnen können: Bereits nach 25 Sekunden zappelte der Ball im Netz. Nathan Tella brachte Leverkusen in Führung, Patrik Schick baute die Führung in der 8. Minute aus. Vier weitere Minuten später gelang Jamie Gittens zwar der Anschlusstreffer. Doch Schick stellte mit seinem zweiten Treffer (19. Minute) zum 3:1 den Vorsprung wieder her.
Die 2. Halbzeit verlief ereignisarm, bis Dortmund einen strittigen Elfmeter wegen eines Foulspiels von Edmond Tapsoba an Julien Duranville zugesprochen bekam. Serhou Guirassy traf vom Punkt aus zum 2:3 (79.). Doch die Hoffnung auf den Ausgleich erfüllte sich für den BVB nicht.  
"Die Durchschlagskraft ist ein Thema", sagte Julian Brandt, der die Kapitänsbinde des BVB trug. "Du hast sehr viel Ballbesitz. Aber der Ballbesitz ist viel rund um die Mittellinie bei uns gewesen. Gerade im eigenen Stadion haben wir uns mehr vorgenommen. Da müssen wir aus den 70 Prozent Ballbesitz mehr Chancen herausholen."

1. Leverkusen funktioniert sogar ohne Wirtz

Xabi Alonso tat das Undenkbare: Er setzte einen fitten Florian Wirtz auf die Ersatzbank.
Vor dem Spiel verwies der Trainer auf "etwas Internes", ohne Näheres zu verraten, am späten Abend lüftete er das Geheimnis aber doch noch.
Leverkusen agierte ohne Wirtz sehr passiv und hatte in den ersten 45 Minuten lediglich 24 Prozent Ballbesitz. Ein überraschend geringer Wert für eine Mannschaft, die in den vorherigen 15 Partien auf durchschnittlich 57 Prozent Ballbesitz (Platz 3 in der Bundesliga) kam.
Doch sie waren effektiv: Drei der fünf Torschüsse im ersten Durchgang landeten im Netz. Dass ausgerechnet Tella, der in Abwesenheit von Wirtz noch offensiver agierte, den frühen Führungstreffer erzielte, spricht für die Ausgewogenheit des Kaders.  
Als Wirtz in der 63. Minute ins Spiel kam, befand sich Leverkusen eigentlich im Verwaltungsmodus, musste allerdings nach dem Anschlusstreffer des BVB noch einmal die Kräfte mobilisieren. Und was tat Wirtz?
Er blieb ohne Torschuss und Torschussvorlage, leistete sich zudem einen Ballverlust im Mittelfeld, der allerdings ohne Folgen blieb.
Andererseits ließ er seine Qualität durchblicken, wenn er den Ball in der hitzigen Schlussphase absicherte oder in der Nachspielzeit einen Freistoß herausholte.
Leverkusen ohne Wirtz in der Startelf dürfte die Ausnahme bleiben. Doch selbst in dieser Konstellation funktioniert die Mannschaft.

2. Schick lässt boniface vergessen

Drei Torschüsse, zwei Tore - Patrik Schick war der Torgarant von Leverkusen. Kurios: Mehr als die Hälfte seiner elf Bundesliga-Tore dieser Saison gelangen ihm in den letzten zwei Spielen. Vor der Winterpause schoss er den SC Freiburg fast im Alleingang ab, indem er dem 5:1-Triumph vier Treffer beisteuerte.
All seine Bundesliga-Tore der laufenden Spielzeit gelangen ihm bei seinen zurückliegenden sechs Einsätzen. Damit vertrat er Sturm-Kollege Victor Boniface perfekt, der in fünf Spielen davon aufgrund einer Oberschenkelverletzung fehlte.
Was sein Erfolgsgeheimnis ist? "Nichts Besonderes, ich arbeite jeden Tag, so wie alle", antwortete er bei "DAZN". "Ich war bereit. Wenn ich spiele, möchte ich immer das Maximale für die Mannschaft geben. Ich bin glücklich, dass ich mit zwei Toren helfen konnte."   
Ballack lobte: "Er ist der Matchwinner und war heute der Spielentscheider. Er bestätigt seine Form." Alonso ergänzte: "Wir sehen einen super Patrik mit einem großen Willen, sich zu verbessern. Wir brauchen ihn."

3. startelf-debütanten nicht das hauptproblem

Eine Grippewelle stellte die Anfangsformation des BVB auf den Kopf. Mit dem 21-jährigen Yannik Lührs sowie dem 18-jährigen Almugera Kabar rutschten zwei Spieler in die Startelf, die bislang in der Bundesliga auf eine Einsatzzeit von 82 Minuten kamen – zusammengerechnet.
Nuri Sahin übte keinen Druck auf die Talente aus. "Ich habe ihnen gesagt, ich würde ihnen gar keinen Vorwurf machen", sagte der Trainer vor Spielbeginn gegenüber "SAT 1". "Den einzigen Vorwurf würde ich ihnen machen, wenn sie es nicht genießen würden und nicht mutig sind. Ich weiß, was die Jungs können. Natürlich hätte ich gerne die erfahrenen Jungs dabei. Aber die Grippewelle (Emre Can, Waldemar Anton, Nico Schlotterbeck fehlten wegen einer Grippe, d. Red.) hat uns getroffen."
Das frühe Gegentor war nicht auf die Youngster zurückzuführen. Stattdessen spielte Yan Couto den Ball unsauber heraus, sodass dieser abgefangen und postwendend im Tor untergebracht wurde. Beim Gegentreffer zum 0:2 war es erneut Couto, der auf der rechten Seite Piero Hincapié aus den Augen ließ. Dieser wusste den Platz zu nutzen und bereitete den Treffer für Schick vor.
Der Außenverteidiger ließ sich nicht entmutigen, brachte seine Offensivqualität zur Geltung und leitete mit einer Hereingabe in den Strafraum den Anschlusstreffer zum 1:2 ein.
Doch die Freude währte nicht lange, weil die Verteidigung beim 1:3 erneut schwach aussah. Diesmal ließ zwar Kabar, der beachtliche 78 Prozent seiner Zweikämpfe gewann, dem Flankengeber Jeremie Frimpong zu viel Platz.
Allerdings agierte Julian Ryerson – der gelernte Außenverteidiger musste als Innenverteidiger agieren - ähnlich desolat und ließ den Torschützen Schick zum Abschluss kommen.
Julian Brandt fasste es passend zusammen: "Es war eine riesige Qualität von Leverkusen, die Tore zu machen. Ich behaupte aber, dass wir auch unsere Aktien darin haben und das nicht gut verteidigt haben."
Sahin sah dies ähnlich: "Die Gegentore waren viel zu einfach - auch in dieser Konstellation, in der wir sehr wahrscheinlich nicht mehr spielen werden. Ich gehe fest davon aus, dass wir anders verteidigen, wenn die Jungs auf ihren Positionen spielen. Aber trotzdem erwarte ich von den Jungs, dass wir das besser verteidigen."
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Quelle: Eurosport


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