Drei Dinge, die bei RB Leipzig gegen den FC Bayern auffielen: Vincent Kompany verzockt sich, Eric Dier überzeugt erneut
VonThomas Gaber
Update 04/05/2025 um 11:15 GMT+2 Uhr
Die 34. Deutsche Meisterschaft ist dem FC Bayern nicht mehr zu nehmen, die Party müssen die Münchner durch das späte 3:3 (2:0) bei RB Leipzig aber verschieben. Trainer Vincent Kompany verzockt sich mit seiner Startelf. In Eric Dier hat er einen Fels in der Brandung, der den Bayern in Zukunft aber fehlen wird. Für RB war das Spiel ein Abziehbild der gesamten Saison - zwischen Genie und Wahnsinn.
Kompany: "Ich bin sehr stolz auf unsere zweite Halbzeit"
Quelle: Perform
Die angezeigte Nachspielzeit war schon abgelaufen, als RB Leipzig ein letztes Mal den Strafraum des FC Bayern belagerte. Xabi Simons steckte aus Yussuf Poulsen durch und der schoss die Münchner mit dem 3:3 (90.+5) aus den vorzeitigen Meisterträumen.
"Es fühlt sich so ein bisschen 'in between' an. Wir sind Meister, aber offiziell noch nicht", sagte Thomas Müller bei "Sky". Gewinnt Bayer Leverkusen am Sonntag nicht beim SC Freiburg (17:30 Uhr im Liveticker), holen die Bayern die Schale auf der Couch. Aber auch bei einem Sieg der Werkself ist dem Rekordmeister der Titel bei zwei noch ausstehenden Spielen angesichts der dann um sechs Punkte und 30 Treffer (minus der Leverkusen-Tordifferenz am Sonntag) besseren Bilanz nicht mehr zu nehmen.
Am Samstagnachmittag ging eine Stunde lang nichts bei Bayern. Leipzig führte durch Benjamin Sesko (11.) und Lukas Klostermann (39.) 2:0, ehe Eric Dier (62.) und Michael Olise (63.) binnen 46 Sekunden ausglichen. Leroy Sané erzielte das 2:3 (83.), doch RB hatte das letzte Wort.
Drei Dinge, die uns in Leipzig auffielen:
1. Kompanys Aufstellungs-Experiment floppt
Dayot Upamecano, Min-Jae Kim, Alphonso Davies, Raphaël Guerreiro und Jamal Musiala verletzt, Harry Kane gesperrt - Kompany war zu Umstellungen in der Startelf gezwungen.
Der Bayern-Coach entschied sich in der Viererkette für Josip Stanisic als zweiten Innenverteidiger neben Dier. Dauer-Reservist Sacha Boey spielte rechts, Konrad Laimer links. Vorne gab Thomas Müller den Stoßstürmer, Serge Gnabry die hängende Spitze.
Herauskam die schlechteste erste Halbzeit der Saison. Die Münchner ließen sich von RB den Schneid abkaufen, waren nicht aggressiv genug und machten im Spielaufbau jede Menge einfache Fehler.
30-Millionen-Euro-Flop Boey verlor quasi jeden Zweikampf, Laimer stürmte ständig nach vorne und vergaß Lois Openda in seinem Rücken. Müller hatte nur acht Ballkontakte und von Gnabry war auch nichts zu sehen.
Unmittelbar vor dem Anschlusstor durch Dier veränderte Kompany sein Personal. Kingsley Coman ersetzte Müller, Leon Goretzka kam für Boey. Gnabry ging vorne rein, Olise auf die Zehnerposition.
Von da an war Bayern drin und spielte Leipzig an die Wand. "Mir ist es ganz recht, wenn die Mannschaft hin und wieder Rückschläge verkraften muss. Denn dann zeigt sich, was in ihr steckt", sagte Kompany bei "Sky". Dass es eine Stunde lang dauerte, lag auch an seiner Aufstellung.
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Vincent Kompany steht kurz vor seinem ersten Titel als Trainer, lag gegen Leipzig mit seiner Aufstellung allerdings daneben
Fotocredit: Getty Images
2. Wir brauchen Dier
Am Freitag machte Bayerns Sportdirektor Christoph Freund den Abschied von Eric Dier am Saisonende offiziell: Der Engländer zieht ein Angebot der AS Monaco über zwei Vertragsjahre vor - die Bayern boten nur ein Jahr.
Die Verletzung von Upamecano spülte Dier Ende Februar in die erste Elf. Seitdem überzeugte er mit starken Leistungen und ist aus der Innenverteidigung der Münchner eigentlich nicht mehr wegzudenken.
In Leipzig war der 31-Jährige durch Kims Ausfall Abwehrchef, köpfte sein drittes Tor im dritten Spiel in Folge und ließ sich Mitte der zweiten Halbzeit auch nicht von einem schmerzhaften Tritt in die Wade aus der Fassung bringen. Humpelnd absolvierte er einige Minuten, biss sich aber bis zum Ende durch.
Der FC Bayern verzockt sich dabei, Dier ziehen zu lassen. Der Engländer hat nie über seine Reservistenrolle gejammert und in den letzten beiden Spielzeiten bewiesen, dass man sich auf ihn verlassen kann. Er hätte mehr Wertschätzung verdient.
3. Leipzig zwischen Genie und Wahnsinn
Außenristpass Xabi Simons, Außenristschuss Sesko mit gemessenen 120 km/h - Leipzigs Führungstor war ein Gemälde. Generell spielte RB eine richtig gute erste Halbzeit und war den Bayern in allen Belangen überlegen.
Dass die Offensive der Sachsen mit zum Besten gehört, was die Bundesliga zu bieten hat, hat Leipzig auch in dieser Saison häufig unter Beweis gestellt. Allerdings ließ RB genauso oft die Flügel hängen und lieferte immer wieder mal unerklärliche Leistungen ab wie beim 0:4 vor einer Woche in Frankfurt.
Zuletzt wurde der Vorwurf lauf, Leipzig sei im Fitnessbereich "extrem limitiert". Der "Kicker" rechnete vor, dass RB im ligaweiten Teamvergleich der Laufleistung vor dem Bayernspiel nur auf Rang 15 lag.
Auch am Samstag hatte die Elf von Trainer Zsolt Löw den Gästen in der zweiten Halbzeit körperlich wenig entgegenzusetzen. Der späte Punktgewinn war im Hinblick auf die Vergabe der Champions-League-Plätze und der Moral enorm wichtig.
"Wir haben eine super erste Halbzeit gespielt, hatten nach dem ersten Gegentor aber große Probleme. Aber immerhin sind wir nochmal zurückgekommen", analysierte Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer bei "Sky". Das 3:3-Spektakel gegen die Bayern war ein Abziehbild der gesamten Saison.
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Quelle: Perform
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