FC Bayern: Vincent Kompany wird "nur" deutscher Meister - und ist doch genau der richtige Bayern-Trainer - Kommentar
Update 22/04/2025 um 10:44 GMT+2 Uhr
Vincent Kompany wird in seiner ersten Saison beim FC Bayern München wohl "nur" deutscher Meister. Der Belgier musste das Viertelfinal-Aus in der Champions League hinnehmen, dennoch ist der Coach im Verein und bei den Verantwortlichen offenbar beliebter als seine Vorgänger Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel. Kompany ist genau der richtige Bayern-Trainer. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.
Kompany: "Gutes Ende einer schwierigen Woche"
Quelle: Perform
Liebe Fußballfreundinnen und -freunde,
der aktuelle Bayern-Trainer kann einem ein bisschen Leid wirklich tun. Auf allen einschlägigen Portalen, von "T-Online" bis "BILD" tummeln sich Texte, die im Netz mit der immer gleichen Zeile verkauft werden: "So denken die Bosse wirklich über Vincent Kompany".
Suggeriert wird ein exklusiver Blick in den Kopf von Uli Hoeneß oder Max Eberl, den es natürlich nie gibt. Es ist das übliche Schwarmverhalten der Reporterriege, die zeigen will, dass sie eben noch näher dran sei als alle anderen.
Am Ende zählt dann aber wieder "auf’m Platz". Und für das auf dem Platz hat sich Kompany kaum etwas vorzuwerfen. Der Auftritt der Bayern in Heidenheim am Wochenende, drei Tage nach dem Ausscheiden in der Champions League in Mailand, war eines zukünftigen Meisters würdig.
Das 4:0 zeigte eine ganz andere Handschrift als das Spiel an gleicher Stelle vor einem Jahr, als die Bayern unter Thomas Tuchel noch sensationell gegen den Provinzklub verloren und das Tuchel-Schicksal seinen Anfang nahm. Die "Süddeutsche Zeitung" fasste die aktuelle Kompany-Situation dann auch folgerichtig in eine Osterschlagzeile: "Hoppla! Ein Trainer, der die Kabine nicht verliert!"
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Der FC Bayern kann am Samstag deutscher Meister werden
Fotocredit: Getty Images
Ist Kompany der Richtige oder gescheitert?
Vincent Kompany ist in einer besonderen, vielleicht sogar exklusiven Situation wie noch kaum ein Bayerntrainer vor ihm: Er war nicht so erfolgreich wie gewünscht und ist doch beliebter als man denkt. Nominell betrachtet ist die Spielzeit für den erwartungsgedopten Rekordmeister nur so lala gelaufen.
Die Rückeroberung der nationalen Spitze, die Entmachtung von Bayer war wichtig, aber der Meistertitel hat den Bayern seit Einführung der Champions League noch nie nur gereicht. Gerade in den letzten zehn Jahren haben die Bayern einen Invest in das eigene Personal vorgenommen, der mit allen gängigen Großklubs aus Spanien und England konkurriert.
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Harry Kane hadert nach dem Ausscheiden des FC Bayern
Fotocredit: Getty Images
Weit über 400 Millionen Euro Ausgaben pro Jahr sind nur dann zu rechtfertigen und, wenn überhaupt, zu refinanzieren, wenn man die europäische Spitze erklimmen kann. Das ist den Bayern in den letzten Jahren und auch dieses Jahr nicht gelungen, mehr als "unter den letzten Acht" ergo Viertelfinale war wie schon unter Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel nicht drin.
Ist also auch Kompany gescheitert?
Kompanys Ruhe ist für die Bayern Gold wert
Mitnichten! Genau hier beginnt Kompanys besondere Situation: Nagelsmann und Tuchel wurden vom Hof der Säbener Straße gejagt, an Vincent Kompany wurde bisher kaum ein öffentliches Wort der Kritik gerichtet.
"Das Spiel vercoacht", ein Vorwurf, den sich vereinzelt Nagelsmann, dann mehrfach Tuchel ausgesetzt sah, bei Kompany waren die Kritiker auffallend zurückhaltend. Zuletzt wurde er lediglich dafür kritisiert, dass er Thomas Müller zu wenig spielen ließ, am Ergebnis konnte man das aber lediglich im Heimspiel gegen Mailand festmachen (wenn überhaupt).
Und selbst Uli Hoeneß, der sich noch mit Thomas Tuchel ein öffentliches Streitgespräch lieferte, bewahrte Ruhe. Wer seinen schlangengrubenartigen Arbeitsplatz in München kennt, kann dem Belgier nur ein Riesenkompliment machen: Kompanys Ruhe und Gelassenheit in Verbindung mit seiner Integrität, zwei Fähigkeiten, die in der Bayernführung immer mal wieder signifikant unterrepräsentiert sind, tun dem Klub so richtig gut, dass eine vorzeitige Ablösung ein Fehler wäre.
Ist es denn denkbar, dass Kompany die Bayern mehr beeinflusst hat als umgekehrt?
Kompanys Job: Die Bayern müssen Effizienz lernen
Klar, auch Kompany ist angreifbar geworden in dieser Spielzeit. Mit einem derartigen Edelkader muss international mehr Durchschlagskraft gegen Spitzenteams wie Barcelona oder Aston Villa erzielt werden.
Gerade in kritischen Phasen muss es der systemische Schwung des Kollektivs sein, der zum Erfolg führt und nicht das Hoffen auf den genialen Gedankenblitz einzelner - von Musiala bis Kane. Die mangelnde Effizienz in Form eines unkonzentrierten Chancenwuchers haben den Bayern in diesem Jahr womöglich den ganz großen Erfolg gekostet.
Aus diesem Potential eine fokussierte Struktur zu gießen, das wird Kompanys Aufgabe im zweiten Jahr sein, daran wird er sich messen lassen müssen.
Das einzige, was mich an seiner langfristigen Zukunft als Bayerntrainer zweifeln lässt, ist die vollmundige Rückendeckung durch Sportvorstand Max Eberl, der ja gerne das eine behauptet und dann das Gegenteil Wirklichkeit wird.
Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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