Michael Olise nach kleinem Tief beim FC Bayern wieder in der Erfolgsspur: Beinchen wie Müller, Talent wie Robben
Update 13/12/2024 um 15:02 GMT+1 Uhr
Bayerns teuerster Sommer-Transfer Michael Olise hing nach einem Raketenstart im Herbst in einem Leistungstief. Mit seinem Doppelpack beim 5:1 der Münchner gegen Schachtar Donezk hat sich der Franzose wieder auf Kurs gebracht. Warum der Flügelspieler Zuspruch und Vertrauen so sehr für sein Spiel braucht und er auf Sicht sogar in die Fußstapfen von Bayern-Legende Arjen Robben treten könnte.
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Quelle: Perform
Es gibt Spieler, die Bayerns Trainerlegende Ottmar Hitzfeld stets mit dem so treffenden Begriff "Stimmungsspieler" titulierte. Profis, die im Milliarden-Business Fußball eher von warmen Worten abhängig sind, die Zuspruch und Streicheleinheiten von ihrem Coach und den Teamkollegen benötigen. Der Ausdruck "sensibel" klingt stets einen Tick zu negativ, trifft es aber ganz gut.
Bei einem Stimmungsspieler verläuft die Saison meist wellenförmig. Einmal im Tief, länger im Tief. Einmal in einem Lauf, hält dieser einige Partien an. Franck Ribéry war so ein Akteur, der die Fürsorge von Hitzfeld oder später von Jupp Heynckes brauchte und andererseits mit der teils schroffen Art von Louis van Gaal nicht zurechtkam. Michael Olise, so die Beobachtung seiner ersten Monate als Bayern-Profi, gehört zur Spezies der Stimmungsspieler.
Abzulesen war dies am Dienstagabend in einem einzigen Spiel. Die Bayern bezwangen in der Champions League Schachtar Donezk in Gelsenkirchen am Ende souverän 5:1. Bis zum Elfmeter nach Foul an Sacha Boey in der 70. Minute sah es nicht so aus, als würde es der Abend des 22-jährigen Michael Akpovie Olise werden, wie der Flügelspieler mit vollem Namen heißt.
Fünf Minuten zuvor war Leroy Sané ausgewechselt worden - und nicht Olise, der in den letzten Wochen sehr oft seine Rückennummer 17 in Rot aufleuchten sah, wenn er zur Seitenlinie blickte. Eine gute Entscheidung von Trainer Vincent Kompany. Und eine glückliche Fügung.
Olise als Vertreter von Harry Kane
Denn so blieb Olise auf dem Rasen und schnappte sich nach dem Elfmeterpfiff den Ball. Gefühlte Ewigkeiten hatte kein anderer Bayern-Profi außer Harry Kane mehr einen Strafstoß ausgeführt, doch der Brite mit der Sensationsquote vom Punkt (verwandelte 25 Mal in Folge) fehlte verletzt.
Olise - und nicht etwa Thomas Müller, Joshua Kimmich oder Jamal Musiala - lief mit kleinen Tippelschritten an und verwandelte. Ein vorzeitiges Geschenk an sich selbst, am Donnerstag wurde er 23.
Olises letzter Treffer datiert vom 27. Oktober, als er beim 5:0 in Bochum einen Freistoß zur Führung versenkt hatte. Seitdem, seit neun (!) Pflichtspielen, herrschte Ebbe. Olise hing fest in einem Leistungstief, sein Kopf nach gescheiterten Dribblings oder misslungenen Pässen oftmals weit herunter.
Bei Bayerns drei Topspielen binnen acht Tagen gegen Paris Saint-Germain in der Champions League (1:0), bei Borussia Dortmund in der Bundesliga (1:1) und gegen Bayer Leverkusen im DFB-Pokal-Achtelfinale (0:1) kam er jeweils zu einem Kurzeinsatz als Joker. Lediglich gegen Leverkusen waren seine Künste auf der Außenbahn von Beginn an gefragt.
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Quelle: Eurosport
Eberl: "Habe Michael nicht so kritisch gesehen"
"Ich habe Michael nicht so kritisch gesehen", sagte Sportvorstand Max Eberl in Gelsenkirchen und fügte hinzu: "Dass ein Spieler auch mal eine Zeit hat, in der es vielleicht nicht so leicht von der Leber geht, sondern ein bisschen mehr mit Arbeit zu tun hat, ist normal."
Nun die Befreiung bei der Schicht auf Schalke. Nach dem verwandelten Elfmeter sahen seine Aktionen umgehend leichter, spielerischer, selbstbewusster aus. Ohne den versenkten Strafstoß hätte Olise in der Nachspielzeit wohl nicht zu diesem atemberaubenden Sololauf angesetzt.
Vorbei an sieben Schachtar-Spielern inklusive Torwart Riznyk, die ihm auswichen bzw. aufgrund der flinken Körpertäuschungen wie die Kegel umfielen. Lässig schob er die Kugel am machtlosen Keeper vorbei ein. Das 5:1, ein Sahnestück. Unwiderstehlich, Olise pur. Nicht nur wegen des Doppelpacks erhielt er von der Uefa die Auszeichnung "Player of the Match".
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Mann des Spiels gegen Donezk: Michael Olise
Fotocredit: Getty Images
Sonderlob von Trainer Vincent Kompany
Ein Wendepunkt? Hin zum alten Selbstverständnis, zum einstigen Selbstvertrauen? Zurück zur Zauberkunst, mit der Olise zu Beginn der Saison begeistert konnte?
Vor dem Abend auf Schalke und selbst vor jenem Nachmittag in Bochum hatte Olise in seinen ersten Wochen als Bayern-Profi sechs Treffer erzielt, drei Vorlagen beigesteuert. Die 53 Millionen Euro, die die Münchner an Premier-League-Klub Crystal Palace überwiesen, rochen nach sehr gut angelegtem Geld. Der Einstand des teuersten Sommer-Transfers, der mit einem Vertrag bis 2029 ausgestattet wurde, war geglückt.
Nach seinem bis dato besten Auftritt beim 5:0 Ende September in Bremen, zu dem er zwei Tore und zwei Vorlagen beigetragen hatte, schwärmte Trainer Vincent Kompany, sonst kein Mann großer Lobhudeleien: "Michael nicht viel besser anfangen können. Ich habe nicht das Gefühl, dass es ein Junge ist, der viel Druck spürt. Er genießt den Fußball."
Olises Beine sind selbst dünner als die von Müller
Die Bayern erfreuen sich an der unberechenbaren Kreativität des Linksfußes auf der rechten Außenbahn, der technische Brillanz, Übersicht und Abschlussstärke in sich vereint. Betrachtet man Olises zarte Beinchen, hat im Vergleich selbst der staksige Thomas Müller stämmige "Haxn" wie man in Bayern sagt.
An Olises Beinchen sind Zauberfüße, mit denen der Franzose seine Tricks vollführt. Spielfreude und Spielwitz sprudeln nur so aus ihm heraus, seine Aktionen beeindrucken durch Lässigkeit und Leichtigkeit - wenn's läuft. Weil es gut lief, feierte er im September den nächsten Karriere-Meilenstein, gab sein Debüt in der französischen Nationalelf. Geboren in London als Sohn eines Nigerianers und einer französisch-algerischen Mutter entschied er sich für die Équipe Tricolore.
In der Bayern-Kabine fand er sich schnell zurecht, die Integration verlief rascher als gedacht. Dank einiger Ansprechpartner, vor allem seiner Landsleute Dayot Upamecano, Sacha Boey, Kingsley Coman und Mathys Tel.
Zweitens wegen seines Kumpels Jamal Musiala, mit dem er einst fünf Jahre gemeinsam in der Jugend des FC Chelsea gekickt hatte. "Das war eine gute Zeit", sagte Musiala im Sommer und fügte hinzu: "Wir haben über die Jahre nicht viel geredet, aber was ich sagen kann: Er hat sehr viel Qualität."
Wie ihm Kumpel Musiala bei Interviews hilft
Was sich nun beides bestätigte. "Je mehr Spiele wir zusammenspielen, desto mehr werden wir wissen, wo er die Bälle hinhaben will", so Musiala. Wenn man die beiden beobachtet, scheint es so, als nehme der 21-Jährige Musiala, den ein Jahr älteren, aber deutlich introvertierteren Olise unter seine Fittiche. In Bremen brachte er dem TV-Team des Klubsenders den eher schweigsamen Kumpel nach dem Duschen zum Interview mit.
Olise, der seit Mitte August den inoffiziellen Vereinsrekord für die kürzeste Pressekonferenz einer Spielervorstellung (rund 100 Worte in drei Minuten) beim FC Bayern hält, nickte bei den Fragen, sprach aber kein Wort. Musiala beantwortete alles für ihn und belehrte seinen Kumpel schmunzelnd: "Das ist ein Teil des Jobs im Leben eines Superstars."
Wie die Konkurrenz in einem Top-Team. Trotz der etablierten Flügelspieler um Leroy Sané, Kingsley Coman und Serge Gnabry wurde Olise Stammspieler auf Rechtsaußen.
Die auf Dominanz und Ballbesitz getrimmte Spielweise unter Kompany konnte Olise rasch verinnerlichen, da er in den Akademien von Manchester City und des FC Chelsea ausgebildet wurde. Doch die Aufführungen des Zirkus Olise fanden, je nasskalter der Herbst wurde, seltener statt. Bis zu diesem Dienstag gegen Donezk.
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Quelle: Perform
Ein Sololauf wie bei Mario Kart
"Nach unserem zweiten Tor konnte jeder ein bisschen Spaß haben. Michael, ich - jeder konnte ein bisschen was zeigen", meinte Musiala. Konrad Laimer beschrieb Olises Sololauf zum 5:1 mit einem Videospiel-Vergleich: "Er ist gefühlt durch zehn Spieler durchgedribbelt. Das war wie bei Mario Kart, wenn du einen Stern bekommst und keiner berührt ihn."
In den Katakomben die Sensation: Olise analysierte, wenn auch wortkarg, das Spiel: "Wir haben früh das Gegentor bekommen, schnell reagiert und den Ausgleich geschossen. Dann haben wir den Matchplan weitergeführt. Es wurde belohnt. Wir sind glücklich und gehen weiter von Spiel zu Spiel." Ende der Durchsage.
Der Schweiger lässt lieber seine Zauberfüße sprechen. Mit nun neun Toren und sieben Vorlagen in 21 Pflichtspielen hat Olise aktuell die beste Bilanz aller Flügelspieler der Münchner und könnte eines der Gesichter der Bundesliga werden.
Und als Linksfuß auf dem rechten Flügel könnte er eines Tages vielleicht in die großen Fußstapfen der Vereinslegende Arjen Robben treten, der von 2009 bis 2019 eine ganze Dekade bei den Bayern prägte.
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