Borussia Dortmund im Taktikcheck: Cheftrainer Niko Kovac führt den BVB mit viel Pragmatismus auf den richtigen Weg
VonLuca Baier
Update 26/09/2025 um 14:06 GMT+2 Uhr
Vier Spiele, sieben Punkte, dazu das Weiterkommen im DFB Pokal und ein Auswärtspunkt gegen Juventus Turin: Borussia Dortmund ist angekommen in der Saison 2025/26. Trotz Personalsorgen in der Abwehr hat sich der BVB oben festgesetzt. Vor dem Auswärtsspiel beim 1. FSV Mainz 05 erklärt Eurosport im Taktikcheck, wie Niko Kovac sein Team mit Pragmatismus auf den richtigen Weg bringt.
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Quelle: Perform
Makellose Bayern, Trainerentlassungen in Leverkusen und Mönchengladbach, Last-Minute-Transfers überall - aber über Borussia Dortmund redet kaum jemand.
Still, heimlich und vor allem unspektakulär hat sich die Mannschaft von Trainer Niko Kovac in der Bundesliga auf den zweiten Tabellenplatz geschoben.
Dabei fällt - mit Ausnahme des 4:4 in der Champions League bei Juve - die defensive Stabilität auf: Die drei Ligasiege gegen den 1. FC Union Berlin, beim 1. FC Heidenheim und gegen den VfL Wolfsburg gelangen allesamt ohne Gegentor.
Eurosport erklärt, wie es Kovac gelungen ist, mit einem pragmatischen Ansatz den BVB in die Spur zu bekommen.
Abwehrbollwerk trotz Personalsorgen
Der Coach setzt bislang konsequent auf eine Dreierkette, die bei gegnerischem Ballbesitz aber klar zu einer Fünferkette wird. Trotz Verletzungssorgen steht der BVB-Block stabil. Zeitweise waren mit Nico Schlotterbeck, Emre Can und Niklas Süle gleich drei Innenverteidiger mit Stammplatzanspruch verletzt.
Kovac ließ dies jedoch nie als Ausrede gelten, arbeitete mit dem, was er hatte und impfte seiner Mannschaft offensichtlich eine gute Haltung zum Verteidigen als Kollektiv ein.
Die Mannschaft verteidigt sehr kompakt, dabei ist die genaue Grundordnung gar nicht so entscheidend. So spielt der BVB mal im 5-3-2 und mal im 5-2-3. Beide Formationen haben das Ziel, das Zentrum für den Gegner weitestgehend zu schließen - mit Erfolg: Dortmund lässt wenig zu, was sich auch in den Zahlen äußert.
Kompaktheit statt hohes Pressing
Wie der FC Bayern kassierte der BVB nur drei Gegentore in den ersten vier Ligaspielen und führt damit diese Statistik an. Datenanbieter "Impect" weist zudem aus, dass die Schwarzgelben bisher am seltensten überspielt worden sind - die Idee, den Gegner um den Abwehrblock herum spielen zu lassen, geht also auf.
Dortmund lässt die wenigsten gegnerischen Torschüsse zu (34, Bayern folgt auf dem zweiten Platz mit 42) und auch der sogenannte xG-Wert, der die Chancenqualität berechnet, liegt bei 3,65. Der BVB lässt also Chancen für weniger als ein Gegentor pro Spiel zu.
Gelingt das durch hohes Pressing? Nein. Dortmund vertraut auf den tieferen Block, hält die Abstände gering und zeigt hohe Geduld - angesichts der noch nicht eingespielten Abwehrformation ein verständlicher Ansatz.
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Quelle: Eurosport
Ballbesitz ohne Risiko - der BVB vermeidet Fehler
Dortmunds Spiel mit dem Ball ist nicht besonders spektakulär. Zwar haben die Schwarzgelben den höchsten Ballbesitzwert aller Bundesligisten, spielen aber auch die drittmeisten Rückpässe.
Wenig verwunderlich also, dass Waldemar Anton und Ramy Bensebaini die meisten Ballkontakte aller Bundesligaspieler haben - die Passquote der beiden (Anton 96,4 Prozent, Bensebaini 93,8 Prozent) unterstreicht zudem den eher risikoarmen Ansatz.
Die unnötigen Ballverluste gegen schwächere Mannschaften, die den BVB in den letzten Jahren immer wieder Punkte gekostet haben, sieht man bisher kaum. Wird es doch einmal eng, darf es auch der lange Ball hinter die Kette sein.
Hier zeigten sich die Borussen zuletzt sehr aggressiv im Kampf um den zweiten Ball - gegen Wolfsburg und auch in Turin erzielte man jeweils ein Tor nach einer erfolgreichen Balljagd im Gegenpressing.
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Rami Bensebaini (l.) und Waldemar Anton überzeugen beim BVB
Fotocredit: Getty Images
Adeyemi: Weg von der Linie, rein in den Fokus
Wenn es kreativ wird, dann meistens über Karim Adeyemi. Dortmunds Hochgeschwindigkeitsdribbler steht kaum noch als klassischer Flügelstürmer an der Linie, sondern hält sich nahezu durchgängig halbrechts zwischen den Linien auf.
Von dort leitete er schon mehrere Tore ein, indem er ein paar Schritte nach innen dribbelte und entweder selbst den Abschluss suchte oder aber den freien Mitspieler in der Box fand.
Adeyemi ist in dieser Rolle deutlich mehr involviert, wirkt dadurch präsenter und fokussierter. Seine hervorragende Schusstechnik kommt hier natürlich deutlich stärker zum Tragen als am Flügel.
So profitiert Serhou Guirassy
Um Adeyemi zwischen den Linien zu kontrollieren, ziehen sich die Gegner meistens sehr stark zusammen mit ihrem Defensivverbund. Die Flügelspieler und Außenverteidiger rücken also weiter ins Zentrum, um die Sechser und Innenverteidiger zu unterstützen.
Die Folge: Auf den Flügeln entsteht mehr Raum für den BVB. Hier hatten die vorgezogenen Außenverteidiger zuletzt ein sehr gutes Timing und eine gute Qualität bei Flanken. Unabhängig davon, ob Yan Couto, Julian Ryerson oder Daniel Svensson an den Ball kommen, besetzt Dortmund die Box gut.
Zielspieler ist natürlich Serhou Guirassy, der mit seiner Präsenz in der Luft eine absolute Waffe ist. Aus seinen fünf Abschlüssen per Kopf landeten bereits zwei im Tor.
Generell ist der Mittelstürmer nun mehr in seinem Kerngeschäft tätig: Statt weit ins Mittelfeld zurückzufallen und Bälle zu verteilen, hält Guirassy seine Position im Sturmzentrum disziplinierter und sucht sich gute Abschlusspositionen. Nur Michael Olise vom FC Bayern schloss bisher häufiger ab als Guirassy. Dessen 16 Versuche kamen dabei fast immer aus guten Positionen, nur dreimal verfehlten seine Abschlüsse das Tor.
Eurosport-Check: Gute Punkteausbeute, erste Hürde im Pokal genommen, stabile Defensive: Der Saisonstart des BVB ist geglückt. Mit einer sehr reifen und unaufgeregten Spielweise überzeugt Dortmund aktuell defensiv wie offensiv. Dass sie dabei nicht die Sterne vom Himmel spielen, ist angesichts der Inkonstanz in den letzten Saisons wohl erstmal zu verschmerzen. Die kampfstarken Mainzer (Sa., 15:30 Uhr im Liveticker) sind nun ein richtiger Härtetest, bevor im Oktober gleich mehrere Topgegner wie Leipzig, Bayern, Frankfurt (DFB Pokal) oder Bilbao (Champions League) warten. In diesen Duellen wird man dann endgültig sehen, wie weit der BVB (dann vielleicht mit weniger Personalsorgen) ist.
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