Der LIGAstheniker - Sebastian Hoeneß, Manuel Baum, Julian Schuster: Gute Leader und gerade deshalb erfolgreiche Trainer
Update 11/05/2026 um 11:07 GMT+2 Uhr
Die Saison in der Bundesliga neigt sich dem Ende zu, und die Besten ihres Fachs werden gesucht. Der LIGAstheniker macht die ersten Vorschläge. Für den Trainer des Jahres bieten sich drei Kandidaten an, die dem vergangenen Jahr auf eine ruhige Weise ihren Stempel aufgedrückt haben: Sebastian Hoeneß vom VfB Stuttgart, Augsburgs Manuel Baum und Julian Schuster vom SC Freiburg.
Sebastian Hoeneß steht mit dem VfB Stuttgart vor dem Einzug in die Champions League
Fotocredit: Imago
Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
es gehört zu den Unarten des Fußballbusiness, dass am Ende einer Spielzeit immer noch der Beste seines Fachs gekürt werden muss, so, als hätten die anderen nichts Vergleichbares zustande gebracht.
Nehmen wir also einmal die Wahl zum ”Trainer des Jahres” vorweg, die die Fachmagazine noch durchführen werden und schon wird deutlich, dass das eigentlich kaum möglich ist.
Gut, Sandro Wagner gehört nicht dazu, die Medien hätten in ihn gerne einen großen Trainer hineingeschrieben, ob er das noch werden kann, ist zum aktuellen Zeitpunkt eher fraglich.
Oder: Bis vor einer Woche hätte der Trainer des Jahres noch Vincent Kompany heißen müssen und dann kam das eher enttäuschende Rückspiel gegen PSG, die zuletzt viel zu vielen Gegentore, leise Kritik am doch so souveränen Bayern-Lenker und selbst das Double wird nicht darüber hinwegtäuschen können, dass der FCB - trotz Torrekord - an einer wirklich großen Saison knapp vorbeigeschlittert ist.
Die ruhige Hand des Sebastian Hoeneß
Das Double, das hier schon mal eingepreist ist, müssen die Bayern aber erst noch holen. Und das DFB-Pokalfinale am 23. Mai in Berlin (20:00 Uhr im Liveticker auf eurosport.de) wird für sie, nimmt man die Formkurve der Beteiligten vom Wochenende, alles andere als ein Selbstgänger.
Mit welcher Lässigkeit Finalgegner VfB Stuttgart das Champions League-Auslesespiel gegen Leverkusen trotz Rückstand für sich entschied – das genial herauskombinierte 1:1 von Demirovic; der kühne Elferlupfer von Mittelstädt; der Durchsetzungswille von Brecher Undav zum 3:1 - das alles verrät viel über die Politik der ruhigen Hand von Sebastian Hoeneß, einer meiner Trainer des Jahres.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/11/image-88b5cf80-2f5c-4b1a-91c2-56e9d3fa7b97.jpeg)
Sebastian Hoeneß, VfB Stuttgart
Fotocredit: Getty Images
Da mischt der VfB seit zwei Jahren kontinuierlich auf den Champions League-Plätzen mit, ist amtierender Pokalsieger und trotzdem neigt man dazu, sie als internationales Schwergewicht für zu leicht zu empfinden. Das könnte die Taktik von Sebastian Hoeneß sein, der sich oft genug sehr zurücknimmt, um dann das Ganze zu wollen.
Im aktuellen Fall einen Sieg am letzten Spieltag in Frankfurt und die damit verbundene CL-Qualifikation und eine Woche später der Pokaltriumph gegen die Bayern. Warum solle er sich entscheiden, er möchte beides hat Sebastian Hoeneß am Wochenende kundgetan. Onkel Uli (Hoeneß) hat ja schon durchblicken lassen, dass sein Neffe die allererste Wahl sei, wenn das mit Vincent Kompany einmal nicht mehr funktionieren sollte.
Der stets freundliche Herr Baum
Dass das zwischen Manuel Baum und dem FC Augsburg so gut funktionieren würde, hätte sich auch keiner träumen lassen. Dabei war Baum vor zehn Jahren schon einmal Cheftrainer dort. Im Dezember übernahm er vom überforderten Sandro Wagner und ließ eine Rückrunde spielen, die den Augsburgern am letzten Spieltag noch die Chance auf die Conference League eröffnet.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/11/image-89c92ebe-ed07-4be3-a5c3-fea5d1002f1f.jpeg)
Manuel Baum, FC Augsburg
Fotocredit: Getty Images
Zuletzt Bremen und Leverkusen überzeugend besiegt, jetzt Gladbach mit einer beeindruckend kampstarken Pressingkultur, siebtbestes Team der Rückrunde mit 33 unter Baum geholten Punkten und einer Körpersprache, die sich noch viel mehr vorstellen kann.
Alle drei Tore gegen Gladbach am Wochenende kombinierten Gregoritsch und Fellhauer im Grunde bis zur Torlinie durch. Es ist doch interessant: Der stets freundliche, eher ruhige Herr Baum konnte den Augsburgern ein Selbstbewusstsein einpflanzen, wie es Power Ranger Sandro Wagner nie vermochte.
Julian Schuster – der vorbildliche Weiterentwickler
Das gilt auch für den Dritten im Bunde, Julian Schuster. Also die Verknüpfung von persönlicher und mannschaftlicher Integrität, die beim Betrachter nachwirkt. Insofern ist Schuster, der perfekte Nachfolger von Christian Streich, den er vor zwei Jahren beerbte und schon jetzt überflügeln könnte.
Auch der SC Freiburg steht vor zwei Endspielen, die die Zukunft des Klubs für immer verändern könnte. Am letzten Spieltag gegen Leipzig, um den Einzug in den Europapokal zu sichern und das Europa League-Finale gegen Aston Villa am 20. Mai (21:00 Uhr im Liveticker auf eurosport.de).
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/11/image-e354e85b-f94c-44e2-b5ba-05f682f0fc9a.jpeg)
Freiburgs Trainer Julian Schuster
Fotocredit: SID
Sollte Freiburg den Titel holen, was nicht wahrscheinlich aber doch möglich ist, dann würde das sogar eine Double-Saison der Bayern überstrahlen.
”Freiburg gewinnt den Europapokal” - ein Satz, der bisher in der Fußballprosa noch nicht geschrieben ist. Sensationell schon jetzt, wie Schuster den Streich-Klub auf leisen Sohlen weiterentwickelt hat.
Baum, Hoeneß, Schuster - drei natürliche Leader
Baum, Hoeneß, Schuster sind drei ganz ähnliche Trainertypen, die auf den großen Auftritt verzichten und vor allem mit kühlem Kopf nach innen wirken. Weder Poser noch Malocher, weder Laptoptrainer noch Überehrgeizlinge, sondern nahbare Persönlichkeiten, natürliche Leader, die durch ihr Vorbild eine Gruppe zu führen wissen.
Dass solche Art vernunftbegabten Leaderships sich im Fußball wieder durchsetzt, ist - gerade in diesen Zeiten - eine gute Nachricht.
Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.
ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog all das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
Das könnte Dich auch interessieren: Flick feiert emotionalen Titelgewinn
/origin-imgresizer.eurosport.com/2026/05/07/image-e1d4b227-6754-42c5-aacb-4afb0a7516fd-85-2560-1440.jpeg)
Kompany kritisiert Schiedsrichter: "Hat jemand ein anderes Bild gesehen?"
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung