FC Bayern: Lennart Karl ist der neue Shootingstar in München - Vincent Kompany nimmt Teenager unter seine Fittiche
Update 24/10/2025 um 17:07 GMT+2 Uhr
Patrick Strasser beleuchtet, warum Lennart Karl, der erst 17-jährige Shootingstar des FC Bayern München, ein gutes Umfeld hat, um nicht abzuheben. Trainer Vincent Kompany versteht es, dem Rechtsaußen den Druck zu nehmen und dosiert seine Einsätze ganz bewusst, will aber auf ihn im November keinesfalls verzichten. Ein anderes großes Bayern-Talent darf hingegen zur U17-WM nach Katar reisen.
Bayern-Talent Karl zur WM? Kompany: "Muss Hype genießen"
Quelle: Perform
Wie wichtig das erst 17-jährige Talent für den FC Bayern geworden ist, zeigt diese Nicht-Nominierung: Lennart Karl, der Shootingstar des Rekordmeisters, der am Mittwoch sein erstes Profitor beim 4:0 in der Champions League gegen den FC Brügge erzielte, reist nicht zur U17-WM nach Katar (3. bis 27. November).
Darauf haben sich der Verein und U17-Trainer Marc Meister verständigt. Die deutschen Junioren waren im Mai dieses Jahres bei der EM in Albanien nach einem Sieg gegen den Gastgeber und zwei Pleiten gegen Frankreich und Portugal bereits in der Gruppenphase ausgeschieden.
In allen Vorrundenpartien auf dem Platz: Die Bayern-Youngster Karl und Wisdom Mike (damals noch 16), der einen Treffer beisteuerte. Weil Rechtsaußen Karl mit seinen neun Pflichtspiel-Einsätzen (drei von Beginn an) zu wichtig für den Profikader von Trainer Vincent Kompany geworden ist, bleibt er in München.
Dagegen darf Linksaußen Mike zum Turnier. Erreichen die DFB-Junioren das Endspiel, würde Mike den Bayern einen ganzen Monat fehlen, insgesamt fünf Pflichtspiele.
Wie Kompany dem Talent den Druck nehmen will
Auf Karl aber kann und will Kompany nicht verzichten. Er will dessen Flow, dessen Lauf mitnehmen. Dennoch sieht es der 39-jährige Belgier als eine Art pädagogische Maßnahme, die Feinjustierung des Mega-Talents auf die wahre Größe vorzunehmen, womöglich mit einem Platz auf der Bank am Samstag beim Auswärtsspiel der Bayern bei Borussia Mönchengladbach (15:30 Uhr im Liveticker).
Nicht, um Karl, den er bei seiner Auswechslung am Mittwoch innig herzte, zu bestrafen, sondern um ihm zu helfen.
"Er soll jetzt ohne Druck den Moment genießen. Als junger Spieler hast du nicht diesen Druck", sagte Kompany am Freitag an der Säbener Straße, "ich möchte, dass Lennart das auch spürt. Wenn er Fehler macht, werden wir das besprechen. Irgendwann wird der Druck auch hoffentlich auf seine Schultern kommen." Wenn er gereift ist, Erfahrungen gesammelt hat.
Selbstbewusst stellt sich Karl den Reportern
Wie die mit den Medien. Wie eine kleine Ewigkeit mag ihm am Mittwoch kurz vor Mitternacht der Weg aus der Kabine durch die Mixed Zone, der Begegnungsstätte mit den Journalisten, vorgekommen sein. Die wartenden Kamera-Teams umdribbelte er, blieb ein paar Meter weiter bei den Reportern stehen, die nur mit ihren Handys aufzeichnen.
"Zwei Minuten nur", meinte Karl leise, seinen Schatz fest in Händen haltend. Die blaue Schatulle mit der Trophäe der Uefa für den "Player of the Match", den Mann des Spiels, beim 4:0 gegen Brügge in der Königsklasse.
Zuvor, noch auf dem Platz, befand der Teenager sich nach seinem Weitschusstor im Hormonrausch. Das Adrenalin schoss durch seinen Körper. Auf der Gefühlsachterbahn ging's rauf und runter, während die Gedanken im Kopfkino eine Pingpong-Weltmeisterschaft aufführten.
Nachdem Lennart Karl von seinen Mitspielern für den Knallerschuss zum 1:0 gegen Brügge geherzt wurde und diese Richtung Mittellinie zurücktrabten, drehte sich der Traumtorschütze zur Nordkurve um und breitete die Arme aus. Der 1,68 m kleine Zauber-Floh machte sich ganz groß. Und genoss seinen Moment für die Ewigkeit.
Wo der Unterfranke seine Trophäen und Trikots aufbewahrt
Nun stand er da, mit all seinen Gefühlen und der Uefa-Trophäe, die das Ganze weniger abstrakt machten. "Das alles bedeutet mir sehr viel", sagte Karl voller Stolz, "meiner Familie auch, sie hat mir schon geschrieben." Und wohin mit dem edlen Souvenir, der persönlichen Auszeichnung, von der Harry Kane eine ganze Armada zu Hause hat? "Wo meine ganzen Trikots sind, ich habe da so eine Wand."
Auf der nun Träume Realität werden. Dabei fühle es sich noch "wie ein Traum" an, mit all den Stars auf dem Platz zu stehen, sagte der gebürtige Unterfranke, geboren und aufgewachsen in Frammersbach im Nordwesten Bayerns an der Grenze zu Hessen. Als die Champions-League-Hymne erklang, habe er Gänsehaut gehabt, "wie früher als Zuschauer" in der Allianz Arena.
Erst recht nach seinem ersten Tor für die Bayern-Profis beim ersten Champions-League-Einsatz von Beginn an. Was ihn im Alter von 17 Jahren und 242 Tagen zum jüngsten deutschen und Münchner Torschützen in der Königsklasse aufsteigen ließ – vor einem anderen Wunderknaben, Jamal Musiala, der sein Premierentor im Februar 2021 erzielte.
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Bayern-Trainer Vincent Kompany hat sich vor Lennart Karl gestellt.
Fotocredit: Getty Images
Seit dem Frühjahr trainiert Karl bei den Profis unter seinem Förderer, Trainer Kompany, mit. "Er hat seine Chance genutzt", sagte der Belgier, das sei "auf diesem Level nicht unbedingt normal." Kompany bremste, sagte mit Bedacht: "Seine Leistung war solide. Lenny ist torgefährlich, das kann man einem jungen Spieler schwer beibringen. Entweder hat man das oder nicht."
Er hat es. Dazu das Auge, die Übersicht, den fantastischen ersten Kontakt. Und Bayern nun den Hype um einen 17-Jährigen. "Ich bin kein Fan von Hype, ich bin Fan von Ausbildung und Ruhe", sagte Kompany bei "DAZN" und fügte lachend hinzu, mit 17 sei er selbst schon Nationalspieler gewesen. In seinem Zwei-Minuten-Dialog versicherte Karl selbstbewusst: "Jetzt schauen sehr viele auf mich. Aber Druck spüre ich gar nicht. Ich darf nicht aufhören, dann kommt alles von alleine."
Oldie Neuer: "Lennart ist sehr bodenständig"
Regelmäßige Startelf-Einsätze, mehr Tore und eines Tages ein Anruf von Bundestrainer Julian Nagelsmann? Um 2026, dann immerhin volljährig, an der WM 2026 in Nordamerika teilzunehmen? "Boah", entfuhr es Karl. Der U17-Nationalspieler (13 Einsätze, sieben Tore) verdrehte die Augen. "Ich muss erst mal die U20, U21 spielen, dann können wir darüber nachdenken."
Das übernimmt Nagelsmann. Und Kompany hält einen Schutzschirm über Karl: "Mein Fokus als Bayern-Trainer ist es, dass Lennart ein Erfolg für Bayern München wird. Er muss weiter arbeiten und zeigen, dass er die Qualität hat. Wenn man bei Bayern spielt, kann es immer ein Vorteil sein. Der Fokus muss aber hier sein, man darf nicht zu weit denken."
Torwart Manuel Neuer, Weltmeister von 2014, meinte: "Es ist auf jeden Fall noch ein Weg für ihn zu gehen. Aber grundsätzlich steht ihm die Zukunft offen, diese Richtung einzuschlagen." Karl solle nun "nicht nachdenken", riet der Kapitän.
Es sind kleine Schritte für den 1,68m-Teenager bis zu Karl, dem Großen. "Wir machen uns keine Sorgen", sagte Neuer, "er ist sehr bodenständig." Beraten wird Karl vom "Capitano", vom ehemaligen Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack. Sein Vertrag läuft bis 2028, wird am 22. Februar 2026, seinem 18. Geburtstag, in einen vollwertigen Profivertrag umgewandelt.
Nimmt Nagelsmann Lennart oder Leroy mit?
Nagelsmann könnte so einen unbekümmerten Zocker am Ball gebrauchen, womöglich anstelle von Leroy Sané (29), dessen Zeit beim DFB nach zwei Nicht-Nominierungen diesen Herbst vorbei zu schein scheint.
Die Bayern entschieden sich im Sommer dazu, trotz der Trennung von Sané (ablösefreier Wechsel zu Galatasaray Istanbul) und des Verkaufs von Kingsley Coman an den saudi-arabischem Klub Al-Nassr den Weg für Talent Karl freizumachen. Womöglich entscheidet sich Nagelsmann bald zwischen den Linksfüßen mit ähnlichem Profil: Lennart oder Leroy.
Übrigens: Hätte das vor einem Monat erst 17 Jahre alt gewordene Talent Mike bei seinem Champions-League-Debüt gegen Brügge in der Schlussphase das 5:0 gemacht, wäre er - im Juli 2022 vom kommenden Gegner Mönchengladbach für 30.000 Euro Ablöse in die Akademie der Bayern transferiert - der jüngste deutsche Königsklassen-Torschütze aller Zeiten geworden, selbstredend auch im FCB-Dress. Und hätte Karl direkt abgelöst.
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Quelle: Eurosport
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