FC Bayern München - Mittelfeldspieler Joshua Kimmich tritt das Erbe von Thomas Müller an: Der doppelte Raumdeuter
Publiziert 05/03/2026 um 20:58 GMT+1 Uhr
Joshua Kimmich hat beim FC Bayern München unter Vincent Kompany seinen Stammplatz auf der Sechser-Position im Mittelfeld. In der Nationalelf von Julian Nagelsmann ist der 321-Jährige aus Mangel an Alternativen dagegen weiterhin die 1A-Lösung als Rechtsverteidiger - in dieser Rolle ist er auch für die WM im Sommer vorgesehen. Kimmichs "Problem" ist seine Weltklasse auf beiden Positionen.
Kovac adelt Kimmich: "Der kleine, aber feine Unterschied"
Quelle: Perform
Mit seinen Aussagen in einem Interview zur Lage der deutschen Nationalmannschaft hat Julian Nagelsmann für mächtig Wirbel gesorgt bei den Bundesliga-Vereinen und den betroffenen Spielern.
Ausrufe- und Fragezeichen hielten sich in etwa die Waage, nachdem der Bundestrainer rund 100 Tage vor der WM in Nordamerika seine Gedanken über die Kaderzusammenstellung und einzelne Positionen öffentlich gemacht hatte.
Punkt eins: Die Frage nach der Rolle des Kapitäns auf dem Platz ist nun geklärt. Joshua Kimmich (31), beim FC Bayern unter Trainer Vincent Kompany als Sechser im zentralen Mittelfeld gesetzt, soll im DFB-Team unter Nagelsmann Rechtsverteidiger spielen.
Auf die Frage in jenem "kicker"-Interview, ob der Kapitän künftig weiterhin als Rechtsverteidiger auflaufen werde, antwortete der Bundestrainer kurz und knapp: "Ja, dabei bleibt es." Auch aus Mangel an hochklassigen Alternativen auf dieser Position. Der Leipziger Ridle Baku ist Kimmichs Stellvertreter, alle anderen Kandidaten wie Nnamdi Collins (Eintracht Frankfurt) sind in den letzten Jahren durchgefallen.
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Quelle: Perform
Warum Nagelsmann Goretzka den Rücken stärkt
Punkt zwei: Da Kimmich in der Nationalelf die Qualitätslücke hinten rechts schließen muss, wird in der Mitte ein Platz frei. "Stand jetzt wird Leon Goretzka trotz weniger Spielzeit bei Bayern gute Chancen haben, zu spielen und eine ähnliche Rolle zu haben wie in der WM-Quali", sagte Nagelsmann. Neben Aleksandar Pavlovic (21), dem auch bei Bayern die Zukunft auf der Sechser-Position gehört.
Dabei hatte der Bundestrainer noch im Sommer 2025 verkündet, Kimmich kehre deshalb nach eineinhalb erfolgreichen Jahren als Rechtsverteidiger im DFB-Team wieder ins zentrale Mittelfeld zurück, weil die Doppelsechs "das Herzstück einer jeden Mannschaft" sei und er dafür Spieler brauche, "die auf dieser Position im Rhythmus sind".
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Unterschiedliche Rollen bei Bayern und im Nationalteam: Joshua Kimmich und Leon Goretzka
Fotocredit: Getty Images
Was auf den 31-jährigen Goretzka nicht zutrifft. In den letzten sieben Pflichtspielen der Bayern stand er nur ein einziges Mal von Beginn an auf dem Platz, sammelte lediglich 101 von 630 möglichen Einsatzminuten (ohne die Nachspielzeiten). Goretzka ist die klare Nummer drei hinter dem gesetzten Duo Kimmich/Pavlovic, sein Vertrag wird nach acht Jahren in München über Ende Juni hinaus nicht verlängert.
Und doch ist Goretzka nun in der Nationalelf ein Gewinner - und das dank Kimmich, der bei Bayern einen der beiden möglichen Sechser-Positionen besetzt.
Kimmich ist Müllers Raumdeuter-Nachfolger
Aus Nagelsmanns Aussagen ist herauszulesen, dass Goretzka mit seinem Profil gesetzt ist. In den letzten vier Länderspielen im Herbst bildeten Pavlovic und Goretzka die Doppelsechs, weil Kimmich umgezogen war - oder besser: musste. Die ständigen Rochaden begleiten Kimmich durch seine gesamte Karriere. Das Problem in Anführungszeichen: Er bekleidet beide Positionen zu gut, ist Weltklasse hier, Weltklasse da.
Er hat das Auge als Taktgeber für das Spiel im Zentrum, kann aber ebenso gut die rechte Seite dichtmachen und die Angreifer mit Flanken von halbrechts füttern.
"Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es einen Spieler gibt, der eine bessere Flanke hat als Jo Kimmich", schwärmte Nagelsmann vor etwas mehr als einem Jahr nach dem 2:1-Erfolg der Nationalelf in Mailand gegen Italien und erklärte: "Jo macht es selten aus dem vollen Lauf, aber die ist unfassbar gut, die Flanke." Darauf setzt Nagelsmann auch bei der WM.
Seine Flexibilität und die Gabe, das Spiel auf beiden Positionen derart lesen zu können, macht Kimmich zum doppelten Raumdeuter. Einst war dies bei Bayern der Spitzname von Thomas Müller, der mit seinem schlauen, vorausschauenden Spiel nun bei den Vancouver Whitecaps sein unberechenbares Unwesen treibt.
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Joshua Kimmich und sein "Vorgänger" Thomas Müller
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Warum Führungsspieler Kimmich seine Macht weiter ausbauen wird
Bereits jetzt ist der gebürtige Schwabe bei Bayern Vizekapitän. Beendet Torhüter Manuel Neuer im Sommer seine Karriere, rückt Kimmich auf und wird der neue Kapitän der Münchner. Sein Vertrag wurde im März letzten Jahres bis 2029 verlängert.
Seinen Stellenwert hatte er zuletzt mit dem Siegtreffer beim 3:2-Erfolg im Klassiker bei Borussia Dortmund dokumentiert. Es war sein erst zweiter Saisontreffer. Damit steht er insgesamt bei 31 Bundesliga-Toren in nun 315 Bundesligaspielen - das ist nicht die Welt für einen Mittelfeldspieler.
"Ich schieße ja generell nicht so viele Tore, deswegen nehme ich jedes Tor sehr gern mit. Und in Dortmund so spät das 3:2 zu machen, das ist schon was ganz Besonderes", befand der Sechser, der aufgrund seines Aufgabenprofils auf dem Feld eher selten im Strafraum in Abschlusssituationen kommt.
Dass es ein Traumtor wurde? War erstens eine sehr spontane Sache. Er habe sich lediglich darauf "konzentriert, den Ball vernünftig zu erwischen, da ist nicht viel mit Zielen", erklärte Kimmich. Es war bereits sein zweiter sehenswerter Siegtreffer in Dortmund - zuvor hatte er im Mai 2020 während der Corona-Pandemie per Lupfer zum 1:0 getroffen. In einem Geisterspiel.
Umso schöner, diesmal mit den Fans in der Kurve feiern zu können. Vor lauter Freude des roten Jubel-Pulks löste sich der schwarz-gelbe Stoff von der Eckfahne. Michael Olise warf das gute Stück wie ein Souvenir durch die Luft. "Ich habe zu Jo gesagt, dass das sein Stadion für besondere Tore ist", sagte Bayerns Sportdirektor Christoph Freund am späten Abend.
Kimmich wurde vor seinem Treffer in Dortmund verspottet
Kimmichs Traumtor hatte zudem eine kuriose Vorgeschichte. Im "ZDF"-Interview verriet er, dass er am Freitag in der Abschlusseinheit speziell seinen linken Fuß trainiert habe. "Ich habe versucht, mit links das Tor zu treffen. Es ist mir nicht gelungen, ich wurde verspottet. Also habe ich mir den ein oder anderen Spruch anhören müssen und die Kollegen haben gesagt: ,Komm', geh' lieber rein!' Daher tut das heute ganz gut."
Als "Linker" taugt Kimmich offenbar nur wenn's wirklich drauf ankommt. Nagelsmann schätzt ihn als "Rechten" umso mehr.
Dass er zuletzt eine kleinere Formdelle und nach dem 3:2 gegen Eintracht Frankfurt wegen seiner zu riskanten Spielweise vor dem eigenen Tor (daraus resultierte der 3:2-Anschlusstreffer der Hessen) Gegenwind und Kritik erfahren hatte, schien der 31-Jährige locker weggesteckt zu haben. In Dortmund war es Kimmich, der das bayerische Aufbauspiel nach unterdurchschnittlicher erster Hälfte mit seinen Pässen und Läufen deutlich forcierte.
Unterschiedsspieler wissen, wie man den Unterschied machen. "Weltklasse" sei die Leistung des DFB-Kapitäns gewesen, schwärmte BVB-Trainer Niko Kovac. Sein ehemaliger Coach meinte voller Bewunderung: "Andere hauen das Ding unters Dach, er haut das Ding ins Tor." Denn, so Kovac, "der kleine, aber feine Unterschied war heute Jo Kimmich." Kimmich, der neue Raumdeuter.
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