Leon Goretzka droht beim FC Bayern München der leise Abschied: Mentalmonster auch in der DFB-Elf am Scheideweg
Update 13/11/2025 um 21:10 GMT+1 Uhr
Leon Goretzka kann sich beim FC Bayern München zwar nicht über fehlende Spielzeit beschweren, doch in den ganz wichtigen Spielen ist er oft nicht erste Wahl. Ein Jahr nachdem er sich von seiner vermeintlichen Ausbootung zurück ins Team gekämpft hatte, muss der 30-Jährige sich erneut auf seine Arbeiter-Qualitäten besinnen, wenn seine Zukunft im Klub und der DFB-Elf nicht in Gefahr geraten soll.
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Quelle: Perform
Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde Leon Goretzka von Vincent Kompany zum Vorbild für den gesamten FC Bayern München erklärt.
"Die Geschichte von Leon ist gut für die Mannschaft. Es gibt auch andere Jungs, die in einer Phase sind, wo es nicht so gut läuft. Leon hat immer gearbeitet, war immer hungrig im Training. Es ist für Leon und auch für die anderen Jungs daher eine gute Geschichte. Leon hat auf die richtige Art reagiert: mit den Füßen, nicht mit Worten. Ich würde das jedem Profi empfehlen", schwärmte der Belgier im Januar, nachdem Goretzka die Bayern gegen den VfL Wolfsburg mit einem Doppelpack zu einem 3:2-Sieg geschossen hatte.
Die Lobrede seines Trainers dürfte den Routinier mehr als nur gefreut haben, hatte er sich doch vom klaren Verkaufskandidaten, der in den ersten zehn Spielen der Saison nur 22 Minuten auf dem Platz gestanden hatte, mit viel Demut und Kampfeswillen zurück in die Startelf gearbeitet.
Eine Leistung, die auch Bundestrainer Julian Nagelsmann wenig später goutierte und den Mittelfeld-Allrounder nach einer mehr als einjährigen Pause im März zurück in die Nationalmannschaft berief.
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Leon Goretzka im Trikot des FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Goretzka kein Mann für die wichtigen Spiele?
Nicht mal ein Jahr später ist Goretzkas Situation wieder verzwickter. Zwar sind seine Einsätze mit wettbewerbsübergreifend 15 Partien aus den ersten 17 Saison-Spielen auf den ersten Blick kein Grund zur Klage, doch wie so oft erzählen die nackten Zahlen nicht die ganze Geschichte.
Denn auch wenn Goretzka offensichtlich Teil der Bayern-Rotation im Mittelfeld ist, ist er aktuell nicht die erste Wahl, wenn Kompany seine Startelf für die ganz wichtigen Spiele zusammenstellt.
Weder im DFB-Pokal noch in der Champions League durfte der gebürtige Bochumer bisher von Beginn an ran. Und auch im Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund (2:1) kam der 30-Jährige nur von der Bank.
Die Ausnahme bildeten der DFL-Supercup gegen den VfB Stuttgart (2:1) und der Liga-Auftakt gegen RB Leipzig (6:0), wobei er da von der Verletzung Aleksandar Pavlovics profitierte.
Pavlovic läuft Goretzka den Rang ab
Pavlovic hatte sich im August nämlich die Augenhöhle gebrochen und einige Zeit gefehlt. Mittlerweile ist das Münchner Eigengewächs wieder da und hat Goretzka den Rang abgelaufen, der sich eigentlich angesichts seines auslaufenden Vertrages dringend für ein neues Arbeitspapier empfehlen müsste.
Für Pavlovic steht zwar aktuell ein Pflichtspieleinsatz weniger (14) zu Buche als für Goretzka, in den Blockbuster-Matches wie gegen den FC Chelsea (3:1), Paris Saint-Germain (2:1) oder den BVB aber war der 21-Jährige als Nebenmann von Platzhirsch Joshua Kimmich auf der Sechs gesetzt.
Das lässt den Eindruck entstehen, dass Goretzka derzeit lediglich als Platzhalter dient, der Pavlovic Verschnaufpausen verschafft, um in den entscheidenden Partien top-fit zu sein.
Wird Bischof zum Goretzka-Killer?
Goretzkas Zukunft an der Isar ist schon allein deshalb fraglich, weil er bislang ein Salär von geschätzt 15 Millionen Euro bezieht, dass seinen Stellenwert für die Mannschaft nicht mehr widerspiegelt. Sollte der 30-Jährige nicht zu Gehaltseinbußen bereit sein, wird das wohl nichts mit einer Vertragsverlängerung.
Ein weiterer Haken: Seit einigen Wochen drängt auch noch Neuzugang Tom Bischof zunehmend in die Mannschaft. In Paris war der 20-Jährige Kompanys erste Wechseloption, als er nach der Roten Karte für Luis Díaz umbauen musste. Der Ex-Hoffenheimer zeigt eine steile Lernkurve und konnte zuletzt auch als Linksverteidiger überzeugen.
Angesichts der Tatsache, dass Bayern-Sportvorstand Max Eberl die im Sommer begonnene Verschlankung der Gehälter seiner Stars weiter vorantreiben soll, könnte Bischof dank seiner Flexibilität den zehn Jahre älteren Goretzka mittelfristig aus der Bayern-Gleichung kegeln.
Sollte sich der Youngster im bisherigen Tempo weiterentwickeln, muss Goretzka aufpassen, wenn er ein bitteres Ende seiner Zeit in München und ein erneutes Nationalmannschaftsaus verhindern will.
Goretzkas WM-Ticket in Gefahr?
Im kommenden Jahr steht schließlich die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko an und die Plätze im Mittelfeld sind rar gesät. Bundestrainer Nagelsmann hatte bereits im Juli angekündigt Kapitän Kimmich zukünftig wieder auf der Sechs spielen lassen zu wollen. Vorerst fällt dieser aber aus, was die Einsatzchancen für Goretzka massiv erhöht.
Die Konkurrenz um die Sechs ist groß. Im Kader für die anstehenden WM-Qualifikationspiele gegen Luxemburg (Fr., 20:45 Uhr im Liveticker) und die Slowakei (Mo., 20:45 Uhr im Liveticker) finden sich mit Pavlovic und Felix Nmecha (Borussia Dortmund) zwei Konkurrenten.
Die nicht berufenen Angelo Stiller (VfB Stuttgart), Nadiem Amiri (Mainz 05) und Robert Andrich (Bayer 04 Leverkusen) bleiben Alternativen.
Goretzka selbst sieht sich im Nationalteam nicht allein sportlich gefragt: "Ich bin jetzt der zweitälteste Spieler hier, habe ich schockierenderweise feststellen müssen. Ich habe das ein oder andere erlebt in meiner Karriere", sagte er. Er wolle daher die "vielen jungen Spieler" im A-Kader "ins Boot holen, ihnen etwas mitgeben und vorangehen". In jedem Fall seien "Hunger und Gier" auf Erfolge noch immer groß.
Bayern-Stärke als Goretzka-Trumpf
Goretzkas größte Trümpfe gegenüber den anderen Alternativen sind seine Erfahrung und seine prinzipielle Eignung für den dominanten Spielstil des FC Bayern.
Nagelsmann erhob den Bayern-Block zuletzt sogar zum Vorbild für den Rest seiner Auswahl.
Wie der Champions-League-Sieger von 2020 bereits in der Vergangenheit gezeigt hat, weiß er, wie man auf solche schwierigen Situationen reagiert: mit den Füßen - und nicht mit Worten.
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