LIGAstheniker: Fußball als Lusterfahrung - wie Trainer Christian Ilzer die TSG Hoffenheim zum Spitzenteam formte
Publiziert 19/01/2026 um 11:59 GMT+1 Uhr
Der FC Bayern zieht an der Spitze der Bundesliga-Tabelle weiter einsam seine Kreise, im Windschatten des Rekordmeisters aber schwingt sich die TSG Hoffenheim aktuell zum Team der Stunde auf. Trainer Christian Ilzer hat es mit - sagen wir einmal - ungewöhnlichen Methoden geschafft, eine Mannschaft zu formen, die um die Champions League mitspielt. Der LIGAstheniker zollt in seiner Glosse Respekt.
Werner nach 1:5 gegen Bayern: "Mit 80 Minuten zufrieden"
Quelle: Perform
Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
Es gibt wohl keinen anderen Trainer in der Fußball-Bundesliga, der so spannend von seinem Beruf erzählen kann wie Hoffenheims Christian Ilzer.
Wenn er also darüber spricht, wie er innerhalb eines Jahres aus dem Abstiegskandidaten den Champions League-Kandidaten TSG Hoffenheim geformt hat, dann fallen Begriffe wie Schmerz, Hunger, Invest und Haltung und danach hat man verstanden, dass Ilzer den Fußball wie ein Existenzialismus-Philosoph begreift: Du bist, was du spielst.
Insofern kann ich seinen Besuch im "ZDF"-Sportstudio vom Wochenende gerne empfehlen. Auch deshalb, weil die Gesprächspartner, die das "ZDF" sonst gerne präsentiert, oft farblos bleiben und nichts zu sagen haben.
Ilzer ist der Trainer der Stunde, seit dem Herbst 2025 ist Hoffenheim so erfolgreich wie sonst nur noch die Bayern, aber die spielen eh außer Konkurrenz. Die Frage, wie Ilzer in Hoffenheim ein nationales Spitzenteam geformt hat, ist momentan sicher die spannendste in der Liga.
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TSG Hoffenheim jubelt gegen Bayer 04 Leverkusen
Fotocredit: Getty Images
Hoffenheim dominiert Leverkusen
Das Spiel gegen Leverkusen bietet dafür geeignetes Anschauungsmaterial, genauso das 5:1 gegen Gladbach von unter der Woche.
Gegen Leverkusen war Hoffenheim von Beginn an das bessere, das heißt das körperlichere Team, machte Druck und Tempo, schoss früh ein Traumtor (Wouter Burger in der 9. Minute) und ruhte sich nicht darauf aus, was man ja auch oft sieht, sondern wollte den Gegner weiter dominieren.
Klar, Leverkusen ist nicht mehr das Alonso-Leverkusen von vor zwei Jahren, aber immerhin Champions-League-ambitioniert. Aber gegen dieses Hoffenheim hat Leverkusen, wie schon im Hinspiel, völlig zurecht verloren. Das ist in der Deutlichkeit überraschend.
Ilzers Hoffenheim: Einsatz plus Tempo
Es ist diese körperliche Dynamik, die Ilzer mit seinem Team entfalten kann und aus der sie das ganze Vertrauen schöpfen für ihr Spiel. Das altdeutsche Fußballwort vom "Einsatz" hat in Hoffenheim Hochkonjunktur, gepaart wird die körperliche Präsenz mit einem hohen Tempo im Umschalten, daraus entsteht der hochmoderne Ilzer-Fußball.
Mehr als 120 Kilometer laufen die Hoffenheimer durchschnittlich pro Spiel, die Zahl der Sprints, der gesuchten Zweikämpfe auch der Fouls, kaum ein anderer Klub hat bessere Werte im Sinne einer sportlichen Aggression. Ziemlich bezeichnend die 81. Minute im Spiel gegen Leverkusen.
Dieses eine Mal kommt Patrik Schick im Strafraum der Kraichgauer in eine gute Schussposition, der Ausgleich liegt in der Luft und dann werfen sich gleich drei Abwehrspieler in den Ball und verhindern einen Ausgleich, der so gar nicht verdient gewesen wäre.
Und danach springen sich Hajdari & Co. wechselseitig an die Brust, wie man das sonst von den NBA-Ikonen kennt.
Chris Ilzer: Ein Trainer als Großdenker
Wie aber hat Ilzer das hinbekommen? Vor genau einem Jahr war Hoffenheim Tabellensechzehnter, Ilzer war gerade aus Graz gekommen, hochdekoriert als Meister und Pokalsieger, und dennoch spielte der Klub das ganze Jahr über gegen den Abstieg.
Und jetzt plötzlich Dritter, und aufregender als der zweitplatzierte BVB spielt das Ilzer-Hoffenheim allemal. Wie macht der verhinderte Apfelbauer aus der Steiermark das?
Im "ZDF" hat Ilzer erzählt, dass er schon mit 5 Jahren die Streif gewinnen wollte. Also das legendäre Abfahrtsrennen in Kitzbühel - für alle Nicht-Skifahrer.
Sein Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker sagt über ihn, Ilzer denke gerne groß und das spricht er dann auch gegenüber seinen Spielern aus. In seinem eigenen Slang klingt das dann so: "Jeder Traum braucht eine Haltung".
Fußball als Aphrodisiakum
Vor einem Jahr wurde bekannt, dass Ilzer im Abstiegskampf vor einem entscheidenden Bundesligaspiel zur Mannschaftsbesprechung in Kochschürze erschien und alles Mögliche in einen Kochtopf verrührte.
Ilzer beließ es nicht bei den "Eiern", die einmal Oliver Kahn als Haltung einforderte, Ilzer würzte am Ende alles noch mit extra roten Chili-Schoten. Will sagen: Ihr müsst scharf sein auf Spiel und Gegner.
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Christian Ilzer von der TSG 1899 Hoffenheim: Mit schrägen Methoden zum Erfolg
Fotocredit: Getty Images
Noch deutlicher wurde das, als er einmal auch mit einem surrenden Dildo vor der Mannschaft stand, um seiner Mannschaft metaphorisch jene "Härte" zu symbolisieren, die man im Abstiegskampf brauche.
In der Herangehensweise von Ilzer kommt der Fußball aus dem inneren Begehren eines jeden einzelnen Spielers selbst. Das nächste Spiel selbst ist dabei nur das Aphrodisiakum. Mehr Existenzialismus geht nicht.
Hart genug für die Bayern?
Wohin das noch führt für Hoffenheim, wer weiß das schon.
Wie ernst die Dildo-Mentalität der Hoffenheimer zu nehmen ist, wird sich aber schon am 21. Spieltag in drei Wochen zeigen, wenn die Hoffenheimer bei den Bayern ran müssen.
Mal schauen, ob sie dann immer noch hart genug sind.
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ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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"Wille und Glaube": Kovac sieht Charakter beim BVB
Quelle: Perform
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