LIGAstheniker: Der BVB und seine törichte Selbstzufriedenheit nach der Niederlage im Topspiel gegen den FC Bayern

Borussia Dortmund kann alle Hoffnungen auf die Bundesliga-Meisterschaft nach der 2:3-Heimniederlage gegen den FC Bayern München begraben - und das nur wenige Tage nach dem Offenbarungseid in der Champions League gegen Bergamo. Trotzdem sprachen die Verantwortlichen von einem guten Spiel gegen den Rekordmeister. Der LIGAstheniker fragt sich: Woher kommt die törichte Selbstzufriedenheit beim BVB?

Kovac adelt Kimmich: "Der kleine, aber feine Unterschied"

Quelle: Perform

Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
ein kleines Ratespielchen zu Beginn einer neuen Ligawoche. Motto: Wer hat's gesagt? "Wie die Mannschaft sich präsentiert hat, das war schon top." Oder: "Die Mannschaft hat sich gut gewehrt, sie hat ein Kompliment verdient." Oder: "Wir haben einen geilen Fight gezeigt." Und, kommt ihr drauf?
Das wäre jetzt schon wichtig, dass ihr zumindest die Richtung erahnt, aus der diese Komplimente zum deutschen Clásico vom Wochenende kommen, um zu verstehen, warum es in der Bundesliga auch bis zur nächsten Eiszeit bestenfalls eine Placebo-Meisterschaft geben wird. Und?
Ich helfe euch: So zufrieden und löblich, gar überschwänglich bewerteten (in der Reihenfolge der Äußerungen) Sport-Vorstand Lars Ricken, Trainer Niko Kovac und Torhüter Gregor Kobel die 2:3 Heimniederlage des BVB gegen die Bayern. Also das Spiel, das die Meisterschaft zugunsten des FCB entschieden hat.
Wenn ihr euch jetzt fragt, wie das zusammenpasst, dann seid ihr damit nicht allein.
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Borussia Dortmund hat innerhalb von drei Tagen die letzten beiden Titelchancen verspielt

Fotocredit: Getty Images

Warum sind alle so happy in Dortmund?

Will man verstehen, warum Borussia Dortmund der ewige Zweite in der nationalen Klubhierarchie ist und bleiben wird, dann war die vergangene BVB-Woche dafür ein idealtypisches Praxisbeispiel aus dem Fußball-Lehrbuch "Wir können es einfach nicht".
Also noch mal zum Mitschreiben, weil es doch einige synaptische Verbindungen bedurfte, um zu begreifen, um was es am Samstagabend im deutschesten aller Spitzenspiele ging: Dortmund hätte mit einem Sieg den Rückstand auf die Bayern auf fünf Punkte reduziert, dem Münchner Selbstwert als Geilste aller geilen Truppen einen empfindlichen Dämpfer erteilt, das Meisterrennen neu eröffnet.
Konjunktiv, wohl gemerkt. Das alles war wohl nie geplant, zumindest nicht von Seiten der Dortmunder. 

Katastrophale BVB-Woche und der Chef sagt: Top!

Vor dem Hintergrund der Lobpreisungen nach dem Spiel in eigener Sache hatte der BVB das - wahlweise - gar nicht vor, sich nicht zugetraut oder schlicht keinen Bock auf soviel Extra-Maloche. Anders lässt sich nicht erklären, wie der ehemalige Fußballrebell und heutige doch sehr gesetzte Vorstand Herr Ricken zu dem Ergebnis kommt, so wie es gelaufen sei, sei das schon "top" gewesen.
Also nochmal, weil es mir so gar nicht in den Kopf will: Dortmund vergeigt die Meisterschaft, drei Tage vorher war man mit einer depressiven Antihaltung gegen Bergamo aus der Champions League ausgeschieden, was dem BVB viele Millionen Euro kosten wird, und der verantwortliche Vorstand stellt sich ins Fernsehen und sagt: "Top!"
Jetzt ist mir auch klar, wen der sauerländische Bundeskanzler Friedrich Merz vor Augen hat, wenn er mangelndes Leistungsdenken im Land kritisiert: seinen BVB, dessen Anhänger er ist.
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Felix Nmecha sitzt nach dem Champions-League-Aus von Borussia Dortmund enttäuscht auf dem Rasen

Fotocredit: Getty Images

Die Bayern - eine andere Umlaufbahn

Nur mal zu Einordnung: Wäre den Bayern vergleichbares passiert - Champions-League-Aus und Meisterschaft vergeigt - würden in München Notstandsgesetze erlassen und Vincent Kompany könnte seine Käppi nehmen (= Vertragsauflösung, neudeutsch "Rausschmiss").
Wissen Sie was Bayern-Kapitän Josh Kimmich nach dem Clásico gesagt hat, das er mit seinem wundervollen Volleytor zugunsten seiner Bayern entschieden hat: "Wir haben uns lange Zeit schwergetan, sind nicht so in den Rhythmus gekommen."
Noch Fragen? 
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Joshua Kimmich schoss den FC Bayern zum Sieg in München

Fotocredit: Getty Images

BVB - bornierte Bequemlichkeit

Wut, Zorn, Ärger, Enttäuschung – das spart sich der BVB (öffentlich) lieber. Warum sollten sich die Spieler quälen, wenn der Chef happy ist. Es wurde ja schon oft darüber diskutiert, ob es an der Mentalität liegen könnte, dass Dortmund immer dann, wenn es um was geht, von vielen sehr guten Geistern verlassen scheint.
Ich glaube, es ist noch schlimmer: Nicht in erster Linie Mentalität, sondern eine bornierte, törichte Bequemlichkeit kommt dem BVB immer dann in die Quere, wenn die Bayern ihrerseits auf "Mia san mia" hochschalten.
So wird man keine internationale Spitzenmannschaft, so wird man auch nicht Meister im eigenen Land. So bleibt man der ewige Zweite, sprich: der erste Verlierer.
Wird Zeit, dass Friedrich Merz Ricken & Co. zum Rapport ins Kanzleramt bestellt. Nicht, dass ihm sein Lieblingsklub politisch noch gefährlich wird.

Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.

ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog all das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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Quelle: Perform


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