Maximilian Beier von Borussia Dortmund im exklusiven Interview: "Niko Kovac hat uns in den Hintern getreten"

Maximilian Beier wechselte 2024 zu Borussia Dortmund. Nach anfänglichen Schwierigkeiten blühte der 22-Jährige im Saisonverlauf mehr und mehr auf. Im exklusiven Interview erklärt er, warum Julian Nagelsmann ihn jüngst einen Kurzurlaub kostete und was BVB-Trainer Niko Kovac besonders auszeichnet. Außerdem verrät Beier, mit welchen Problemen ein Besuch im Burgerladen verbunden sein kann.

Kovac droht BVB-Stars: "Ansonsten wartet ein Anderer"

Quelle: Perform

Eigentlich wollte Maximilian Beier während der Länderspielpause ein paar freie Tage mit seiner Freundin in Frankreich verbringen.
Letztlich blieb ein stornierter Kurzurlaub und ein ansprechender Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft beim 3:1-Erfolg über Nordirland.
Im exklusiven Interview mit Eurosport spricht der Profi von Borussia Dortmund über seine Zeit beim DFB-Team, die Aussichten für die WM 2026 und den Saisonstart mit dem BVB.
Zudem verrät der 22-Jährige, wie es Niko Kovac gelungen ist, den zwischenzeitlich wankenden schwarz-gelben Riesen wieder auf sichere Füße zu stellen, zu welchem Spieler er als Kind aufgeschaut hat und warum man als Fußballer stets aufpassen sollte, wo man sich im Privatleben blicken lässt.
Maximilian, Sie haben Anfang des Jahres in einem "kicker"-Interview verraten, dass Sie nur selten lesen, was in der Presse über Sie geschrieben wird. Das übernehmen Oma und Papa für Sie. Welches mediale Echo wurde nach Ihrem Joker-Einsatz für die Nationalmannschaft beim 3:1 über Nordirland an Sie herangetragen?
Maximilian Beier: Dass ich wenig über mich lese, ist immer noch so. Es ging weniger um das, was geschrieben wurde. In erster Linie war die Familie sehr stolz. Sie haben zu Beginn der Länderspielpause gar nicht damit gerechnet, aber dann wurde ich nachnominiert. Das hat sie gefreut.
Tatsächlich gab es auch medial überwiegend positive Resonanz. Wie schätzen Sie selbst Ihre Leistung ein?
Beier: Ich war mit meiner Leistung zufrieden. Nachdem ich eingewechselt wurde, haben wir zwei Tore geschossen und das Spiel noch gewonnen, also alles bestens gelaufen (grinst). Ich habe vom Trainer die Ansage bekommen, dass ich tief gehen soll, wenn ein Mitspieler einen freien Fuß hat. Diese Tiefe hatte vorher aus seiner Sicht gefehlt.
Sie wurden für Niclas Füllkrug nachnominiert. Was ging in Ihnen vor, als Bundestrainer Julian Nagelsmann schließlich doch noch zum Hörer griff?
Beier: Es war nach dem Training, so gegen 16:30 Uhr. Ich saß gerade mit meiner Freundin im Café. Benjamin Hübner (Co-Trainer von Julian Nagelsmann beim DFB-Team, Anm. d. Red.) schrieb mir, dass ich ihn anrufen soll. Ich habe mir erstmal nichts dabei gedacht, weil ich ihn ja auch noch aus unserer gemeinsamen Zeit bei der TSG Hoffenheim kenne. Erstmal hat er mich gefragt, ob ich überhaupt Bock habe (lacht). Für mich war es schon eine Überraschung, weil ich mit meiner Freundin einen dreitägigen Urlaub nach Frankreich gebucht hatte. Dann musste ich den Urlaub stornieren und bin zur Nationalmannschaft gereist.
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Maximilian Beier (l.) brachte gegen Nordirland Schwung in die deutsche Mannschaft

Fotocredit: Getty Images

Für Sie war es der fünfte Auftritt im DFB-Dress, bei der Heim-EM vor einem Jahr standen Sie bereits im Kader, gaben gegen die Schweiz (1:1, d. Red.) Ihr Debüt bei einer A-Europameisterschaft. Wie haben Sie damals die Stimmung im Land erlebt?
Beier: Vor der EM war das Land ein bisschen im Stimmungstief, weil die Ergebnisse nicht immer gestimmt haben. Aber wir haben Deutschland aus meiner Sicht mit guten Leistungen euphorisiert.

Beier über Kimmich: "Das Mentalitätsmonster"

Nach dem bitteren Viertelfinal-Aus gegen Spanien folgte in der Nations League eine beeindruckende Trotzreaktion, im Jahr 2025 waren die Leistungen und Ergebnisse hingegen überschaubar. Was stimmt Sie mit Blick auf die WM im kommenden Jahr optimistisch?
Beier: Das Slowakei-Spiel (0:2, d. Red.) war ein kleines Tief. Aber ich bin von unserer Qualität überzeugt. Ich sehe die Jungs beim Training und spreche viel mit ihnen, vor allem mit denjenigen, die zum ersten Mal dabei waren. Wir haben eine super Truppe und eine gute Mentalität in der Mannschaft - allen voran unser Kapitän Joshua Kimmich, das Mentalitätsmonster (lacht).
… und was macht Ihnen Hoffnung, dass der Name Maxi Beier im deutschen Kader auftaucht?
Beier:  Die WM ist noch ein bisschen hin. Ich möchte eine gute Saison spielen, das ist die Voraussetzung dafür - am Ende entscheidet der Trainer, ob er mich mitnimmt oder nicht.
Für eine WM-Teilnahme sind gute Leistungen beim Verein in dieser Spielzeit obligatorisch. Wie bewerten Sie die Dortmunder Vorbereitung und den Saisonstart bisher?
Beier: Die Vorbereitung war gut, in den Testspielen gegen die Sportfreunde Siegen (8:1, d. Red.) und den OSC Lille (3:2, d. Red.) hat die Leistung gestimmt. Bei der Saisoneröffnung gegen Juventus Turin waren wir nicht so zufrieden (1:2). Der Bundesligastart bei Sankt Pauli war dann sehr unglücklich. Wir haben bis zur 85. Minute 3:1 geführt, dann kassieren wir eine Rote Karte und noch zwei Gegentore. Das Wichtigste ist in solchen Fällen, dass man Charakter zeigt. Das haben wir mit dem 3:0-Sieg gegen Union Berlin getan. Das war alles andere als ein Selbstläufer, immerhin hatte Union eine Woche zuvor gegen Stuttgart gewonnen.
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Maximilian Beier traf in der vergangenen Saison in der Allianz Arena gegen den FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Am kommenden Dienstag startet die Champions League für den BVB mit einem echten Kracher. Sie müssen bei der bereits angesprochenen Alten Dame Juventus in Turin ran (21:00 Uhr im Liveticker). Auf welchen Gegner freuen Sie sich in der Ligaphase der Königsklasse ganz besonders?
Beier: Ich freue mich vor allem auf das Auswärtsspiel in London gegen Tottenham Hotspur. Ich bin sehr gespannt auf das Stadion dort.
Nach Ihrem Wechsel nach Dortmund im vergangenen Sommer schien es etwas schleppend zu laufen. Generell beim BVB, aber auch bei Ihnen persönlich. Wie haben Sie sich aus der Talsohle herausgekämpft?
Beier: Ich habe mir am Anfang zu viel Druck gemacht. Ich spiele meinen besten Fußball, wenn ich frei aufspiele und mir nicht zu viele Gedanken mache. Mein Umfeld spielte auch eine wichtige Rolle. Meine Familie und Freunde geben mir Halt, außerdem haben meine neuen Teamkollegen mir den Rücken gestärkt. All das hat dazu beigetragen, dass es nach einer gewissen Zeit besser lief. 

Beier: "Niko hat uns in den Hintern getreten"

Anfang Februar übernahm Niko Kovac als Trainer - und führte die Mannschaft von Platz elf doch noch auf einen Champions-League-Platz. Was zeichnet ihn als Coach aus?
Beier: Seine Mentalität. Niko hat uns in den Hintern getreten. Er legt sehr großen Wert auf Disziplin und darauf, dass im Training alles gegeben wird. Unter ihm haben wir einen guten und erfolgreichen Fußball gespielt. Wir sind mittlerweile in der Liga seit zehn Spielen ungeschlagen.
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Maximilian Beier (l.) und Niko Kovac

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Auch Sie schienen unter Kovac aufzublühen. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu ihm beschreiben?
Beier: Wir verstehen uns gut, wir reden sehr viel miteinander. In der vergangenen Saison hatte ich unter ihm eine sehr gute Phase, er hat mich besser gemacht.
In welchen Bereichen speziell?
Beier: Er setzt mich konsequent auf meiner präferierten Position ein - also in der Doppelspitze oder als hängender Stürmer im Zentrum. Das kommt mir sehr entgegen.
Am Ende des Transferfensters rankten sich etliche Gerüchte um Sie. Mal unabhängig davon, wie groß der Wahrheitsgehalt war - wie gehen Sie damit um?
Beier: Ich habe mitbekommen, dass da einige Meldungen im Umlauf waren. Ich durfte mir dann auch ein paar Sprüche von meinen Mitspielern anhören (lacht). Ich habe mit Niko darüber gesprochen, er hat mir ganz klar gesagt, dass ich hierbleiben soll. Ich habe ihm in dem Gespräch ebenfalls signalisiert, dass ich keinerlei Abwanderungsgedanken hege und in Dortmund bleiben möchte. 
Als Ihr Trainer mit den Spekulationen konfrontiert wurde, hat er auch öffentlich ein Machtwort gesprochen. "Ich will nicht, dass Maxi geht", sagte er. Sie seien immerhin "ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft." Was lösen derart lobende Worte aus?
Beier: Dass der Trainer so über mich spricht und so viel von mir hält, macht mich natürlich glücklich.
Wichtiger Bestandteil bedeutet auch automatisch viel Verantwortung. Welche Eigenschaften bringt ein Führungsspieler aus Ihrer Sicht mit?
Beier: Ein Führungsspieler muss aus meiner Sicht lautstark sein. Er muss vor der Mannschaft reden, die Mannschaft lenken und auch in schwierigen Phasen Tacheles reden.
Wer dient Ihnen diesbezüglich beim BVB als Vorbild?
Beier: Ganz klar unser Kapitän Emre Can. Aber auch Nico Schlotterbeck, Julian Brandt oder Pascal Groß würde ich hier nennen.
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Maximilian Beier (l.) und Emre Can

Fotocredit: Getty Images

Apropos Vorbild. Zu wem haben Sie in Ihrer Jugend aufgeschaut?
Beier: Fernando Torres. Das war ein geiler Spieler. Er hatte einen super Abschluss, top am Ball und ein großartiges Gespür. Er hatte alles, was ein Top-Stürmer braucht, Torres war einfach weltklasse.

Beier: "Man muss aufpassen, wo man sich blicken lässt"

Für einige kleine Fans dürften auch Sie mittlerweile als Vorbild dienen, Fans tragen ihr Trikot oder fragen nach Fotos und Autogrammen. Was bringt diese Rolle mit sich?
Beier: Wenn mich jemand nach einem Foto fragt, bin ich grundsätzlich der Letzte, der etwas dagegen hat. Die Vorbildrolle bringt aber auch mit, dass wir Fußballer besonders im Fokus stehen. Ein einfaches Beispiel: Wenn wir Fast Food essen, wir im Burgerladen gesichtet werden, dann ist der Reflex der Öffentlichkeit häufig: "Der hat doch in zwei Tagen ein Spiel. Wie kann der denn jetzt noch Burger essen?" Als Fußballer muss man ab und an aufpassen, wo man sich blicken lässt - und immer mit Gegenwind rechnen.
Champions-League-Einsätze, deutsche Nationalmannschaft. Sie haben schon jetzt Einiges erreicht. Auch wenn Sie nicht viel über sich in der Presse lesen - welche Schlagzeile würde Ihnen dennoch große Freude bereiten?
Beier: Maxi Beier schießt Deutschland zum WM-Sieg (grinst).
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Kovac droht BVB-Stars: "Ansonsten wartet ein Anderer"

Quelle: Perform


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