Drei Dinge, die bei Deutschland gegen Nordirland in der WM-Qualifikation auffielen: Aufgewacht! Aber die Baustellen bleiben
Update 08/09/2025 um 13:12 GMT+2 Uhr
Deutschland atmet auf: Nach dem 0:2-Debakel in Bratislava feiert das DFB-Team gegen Nordirland einen 3:1-Sieg. Gnabry trifft früh, Price gleicht aus, dann drehen Joker Amiri und ein Traumfreistoß von Wirtz das Spiel. Der Sieg in Köln war ein Weckruf. Doch individuelle Fehler, fehlender Rhythmus, nur acht Chancen und 49,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe bleiben Warnsignale. Drei Dinge, die auffielen.
Nagelsmann: "Donnerstag lag noch alles in Schutt und Asche"
Quelle: Perform
Behäbig, fehleranfällig und am Ende doch erlöst: Die deutsche Nationalmannschaft hat in der WM-Qualifikation ihren ersten Sieg eingefahren, aber bis zur 60. Minute viele Fragen offengelassen.
Nach dem 0:2-Schock in Bratislava wollte Julian Nagelsmann ein Zeichen setzen und veränderte seine Startelf auf fünf Positionen. Zunächst schien das Konzept aufzugehen: Serge Gnabry traf früh (7.), doch die erhoffte Sicherheit stellte sich nicht ein. Isaac Price bestrafte die deutschen Fehler eiskalt (34.), die Fans in Köln reagierten mit Pfiffen. Erst nach den Wechseln von Nadiem Amiri und Maximilian Beier kippte die Partie. Amiri (69.) und Florian Wirtz per Traumfreistoß (72.) machten den 3:1-Sieg perfekt und sorgten dafür, dass das direkte WM-Ticket weiter aus eigener Kraft erreichbar bleibt.
Weiter geht es für das DFB-Team am 10. Oktober in Sinsheim gegen Luxemburg, drei Tage später steht in Belfast das Rückspiel gegen Nordirland an.
Drei Dinge, die uns in Köln auffielen.
1.) Aufgewacht! Aber Baustellen bleiben
Das 3:1 gegen Nordirland war kein Galaabend, sondern ein Weckruf, der gerade noch zur rechten Zeit kam. Nach dem 0:2 in Bratislava war klar: ein weiterer Ausrutscher hätte die WM-Quali schon in der Frühphase ins Wanken gebracht.
Nagelsmann hatte reagiert - nicht nur personell, sondern auch strukturell. Mit der Dreierkette, bestehend aus drei Innenverteidigern und Wingbacks wie David Raum und Jamie Leweling, setzte er bewusst wieder auf Breite. Das Ziel: mehr Ballkontrolle, bessere Staffelung, schnellere Angriffe.
Und doch schlich sich der alte Trott nach dem frühen Tor von Gnabry (7.) wieder ein. Danach folgte lange Ballzirkulation ohne Tiefe, das 1:1 entstand nach einem unnötigen Ballverlust von Antonio Rüdiger und schlechter Defensivleistung von Gnabry. Die Fans in Köln pfiffen zur Halbzeit, und das Team wirkte kurz wie gelähmt. "Das Wichtigste war das Resultat, die drei Punkte. Zwischendrin war sehr viel Leerlauf", sah "RTL"-Experte Lothar Matthäus.
Der Unterschied zur Slowakei-Niederlage: Diesmal kam die Reaktion. Am Ende war der Sieg eine Art Reset-Knopf: Das Team weiß jetzt, dass es solche Spiele drehen kann. Aber die Baustellen bleiben.
Es gibt zu viele riskante Ballverluste im Aufbau, phasenweise fehlt der Rhythmus und die Durchschlagskraft. Elf Torschüsse und acht herausgespielte Chancen sind definitiv zu wenig für eine ambitionierte Mannschaft. Auch bei der Zweikampfquote (49,5 Prozent für Deutschland) geht mehr.
"An diesem Abend zählte nur das Momentum. Wir mussten gewinnen - und das haben wir getan", bilanzierte der Bundestrainer. Aber Nagelsmann muss jetzt auch Kontinuität schaffen, wie er es vor der EM getan hat. "Wir haben noch viele Schritte zu gehen", weiß Nagelsmann.
Eine klare Achse um Kimmich, Wirtz, Rüdiger, Gnabry, dazu Spieler wie Amiri und Beier, die das Tempo hochhalten. Die Quali ist noch offen - aber solche Reaktionen müssen zur Regel werden, nicht zur Ausnahme.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/09/08/image-c6b380aa-ea37-4843-9c55-1f7edeac52a3-85-2560-1440.png)
Nagelsmann spricht von "Hyänen im Busch"
Quelle: Perform
2.) Schlüsselminute 60: Plötzlich passt das Puzzle
Die ersten 60 Minuten waren sinnbildlich für das DFB-Problem der letzten Monate: kontrolliertes Spiel, aber ohne Überzeugung. Die Dreierkette funktionierte defensiv, aber das Spiel nach vorne blieb zu harmlos. Nordirland stand hoch, störte aggressiv, nutzte den einen Fehler eiskalt.
Dann kam Nagelsmanns Schlüsselmoment: Doppelwechsel mit Beier und Amiri - und plötzlich passte das Puzzle. "Wir hatten keine tiefen Läufe in vorderster Linie", bemängelte Nagelsmann. Beier attackierte die Tiefe, riss Lücken in die Abwehrkette, Amiri beschleunigte das Passspiel und setzte sofort Akzente. Das war genau der Rhythmus, den Nagelsmann immer gefordert hatte: nicht nur kontrollieren, sondern dominieren.
Von da an kippte die Partie komplett. Raum flankte konsequenter, Kimmich spielte vertikaler, Wirtz bekam mehr Ballkontakte in den Halbräumen. Das 2:1 war der Lohn: Raum mit der Flanke, Beier verpasste knapp, Amiri stand goldrichtig. Die Stimmung im Stadion explodierte, Köln war wieder laut. "Ich war heiß. Wir mussten das letzte Spiel wiedergutmachen, es war ein unfassbarer Moment für mich", sagte der Torschütze.
So schnell kann es gehen. Nur drei Minuten später setzte Wirtz mit einem direkt verwandelten Freistoß das Ausrufezeichen. "Ich wusste, dass ich es einfach probieren will, weil die Position gut war. Wir wissen, dass das Spiel gegen die Slowakei eine Katastrophe war. Wir wollten es einfach besser machen. Es war jetzt eine gute Leistung, mit der wir zufrieden sind und an die wir anknüpfen können", bilanzierte der Liverpool-Star.
Grundsätzlich war die letzte halbe Stunde gegen Nordirland die Blaupause, wie dieses Team spielen muss: mit Tempo, Überzeugung, vertikalen Pässen und Mut. "Die letzten 30 Minuten war es wieder unser Gesicht. Davor war es etwas gemischt", gab Nagelsmann zu. Dranbleiben!
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/09/07/image-99a8762e-bbe4-4638-8531-c54ad0316101.jpeg)
Nadiem Amiri (l.) wird für Deutschland zum Matchwinner
Fotocredit: Getty Images
3.) Woltemade: Hoffnungsträger zwischen Anspruch und Realität
Nick Woltemade lieferte die Randgeschichte des Abends. Sein Beginn war ideal: Ballgewinn am Mittelkreis, gelungener Pass auf Gnabry, der eiskalt zum 1:0 vollstreckte. Danach jedoch wurde er eng gedeckt, kam kaum aus der Umklammerung.
Im Nagelsmann-System mit hoher Breite und dynamischen Außenverteidigern muss der zentrale Stürmer Wege gehen, sich anbinden, Räume aufreißen. Woltemade wirkte oft zu statisch, hatte am Ende nur 16 Ballkontakte - und die meisten davon in den ersten 20 Minuten.
Nach 60 Minuten wurde er folgerichtig ausgewechselt, Beier brachte sofort mehr Tiefe und Beweglichkeit. Es war auch ein Fingerzeig für die Zukunft.
Das Spiel wirft Fragen auf: Woltemade hat alles, was ein moderner Stürmer braucht. Er bringt Physis, Technik und Spielintelligenz. Aber er muss lernen, sich in engen Spielen freizulaufen, Pressingresistenz zu zeigen und Torgefahr auszustrahlen.
Noch scheinen seine Teamkollegen wenig mit ihm anfangen zu können. Sie suchen ihn nicht. Woltemades 85-Millionen-Wechsel nach Newcastle hat die Erwartungen massiv erhöht, die Schonfrist wird kürzer. Der Blick auf ihn ist ein anderer: Er bleibt ein Versprechen, aber er muss jetzt liefern. Sonst könnte er schneller aus der Startelf rutschen, als ihm lieb ist.
Das könnte Dich auch interessieren: Öffentliche Demontage: Hoeneß' gefährliches Spiel mit Eberl
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/09/07/image-42fc9ef5-ffb9-44b5-a487-e8f4e18a6245-85-2560-1440.jpeg)
Tuchel trotz schmalem England-Sieg zufrieden: "Sind auf einem guten Weg"
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung