Der LIGAstheniker: Nico Schlotterbecks Vertrag ist ein Bekenntnis - aber nicht zum BVB, sondern zu Real Madrid & Co.
Update 13/04/2026 um 12:12 GMT+2 Uhr
Nico Schlotterbecks Vertragsverlängerung beim BVB ist (endlich) durch, hat laut verschiedener Medienberichte aber einen Haken. Demnach darf der Abwehrchef den Verein dank einer Ausstiegsklausel, die für die europäischen Top-Klubs gilt, noch im kommenden Sommer verlassen. Echte Liebe? Sieht anders aus, findet der LIGAstheniker. Der Vertrag ist eher ein Bekenntnis zu Real Madrid und Konsorten.
Schlotterbeck über Verlängerung: "Möchte Titel gewinnen"
Quelle: Perform
Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
Ein neuer Vertrag im Profifußball ist immer mehr als "nur" ein neuer Arbeitsvertrag. Er ist vor allen Dingen ein Bekenntnis. Verein und Fans haben dann ein Stück Papier, mit dem sich träumen lässt, auf das sich ihre "Echte Liebe" gründet. Ganz ähnlich einem Ehevertrag.
Im Grunde sollte die am Wochenende kommunizierte Vertragsverlängerung des BVB mit Nico Schlotterbeck genau das sein. Gerade die Fans hätten ihn in seiner Entscheidung bestärkt, lässt ihn der Verein in einem eigens produzierten YouTube-Video sagen. Er passe als Typ ideal ins Ruhrgebiet, er wolle in Zukunft noch mehr Verantwortung übernehmen, Titel gewinnen.
Normalerweise sagen das Fußballer, wenn sie zu einem neuen Verein wechseln, dann kommen vorgestanzte Erklärungen, deren Haltbarkeit oft nur eine Vertragsperiode lang halten. Schlotterbeck allerdings verlängerte seinen Vertrag in Dortmund nach vier Jahren, man sollte also glauben, dass es ihm ernst ist.
Die Fans aber, und das ist kurios, nehmen ihm seine Liebe gerade jetzt nicht mehr ab. Sie pfeifen ihn aus, wie am Wochenende beim Spiel gegen Leverkusen.
Schlottis neuer Vertrag: Guter Deal oder gefährlich?
Seitdem wird in der Liga und bei den Fans heftig darüber diskutiert, wie dieser Schlotterbeck-Vertrag zu bewerten ist. Der "kicker" spricht von einem "guten Deal" für beide Seiten, "Sky"-Experte Didi Hamann versteht nicht, warum der Verein sich darauf eingelassen hat ("brandgefährlich"), Lothar Matthäus weiß offenbar Interna, wonach es der Verein war, der Schlotterbeck zu einer Ausstiegsklausel schon für den Sommer gedrängt habe, um zu verhindern, dass er gar nicht erst unterschreibt.
Echte Liebe also? Man kann auch noch an den Osterhasen glauben, der hierzulande gerade erst Industrieschokolade in den Wohnzimmern und Gärten versteckt haben soll, plausibel ist dieser Ehevertrag zwischen Schlotti und dem BVB nicht.
Ich meine, in welchem Ehevertrag steht schon: Ich heirate dich nur unter der Bedingung, dass ich dich im Sommer für die Liebe meines Lebens verlassen darf? Okay, Dieter Bohlen würde einem einfallen, aber sonst?
Bisher wollten Real & Co. Schlotterbeck nicht
Zumindest darf Schlotterbeck wohl nicht zu den Bayern, dem Erzrivalen schlechthin, ist zu lesen, so als könnte man den Vertrag als PDF von der BVB-Website einfach so herunterladen.
Von Real Madrid, Barcelona, Man City und Liverpool ist die Rede, die wirklich ganz Großen, schreibt "Bild", was die Bayern wiederum ärgern dürfte. Tauchen wir also noch einmal ab in die Genese dieses Vertrages, dem monatelange Verhandlungen vorausgingen.
Didi Haman glaubt, dass Schlotterbeck den Vertrag unterschrieben hat, "weil er jetzt keinen Verein hatte". Zumindest keinen Spitzenverein à la Real, muss man hinzufügen, denn nach Augsburg, Malaga oder Bournemouth wäre Schlotti wohl nicht gegangen. Nicht seine Liga.
Wie muss man sich also die Verhandlungen vorstellen? Schlottis Agenten haben monatelang versucht, einen der ganz Großen auf ihren Klienten aufmerksam zu machen, nur die wollten/brauchten/kannten ihn nicht und wollten ihn auch partout nicht kennenlernen? Nicht jeder ist eben ein Woltemade, dem vier gute Liga-Wochen reichen, um einen fetten Premier League-Vertrag zu ergaunern.
Schlottis Ziel: Im Sommer als Weltmeister zu Real
Dem, und das muss dazu gesagt werden, hochtalentierten Abwehrspieler Nico Schlotterbeck reichten dafür selbst vier Jahre im BVB-Dress nicht. Ich will dem guten Schlotti, bei aller Lustigmacherei, gar nichts Böses. So sind die Gesetze dieses distinguierten Menschenhandels namens Profußball eben.
Man geht dahin, wo es das meiste Geld zu verdienen gibt, und mit "meiste Geld" meint man heute irgendwas zwischen 20 und 30 Millionen Euro im Jahr und nicht, sagen wir, fünf bis sieben. Und bis es soweit ist, spricht man von großer, echter Liebe.
Der neue BVB-Sportdirektor Ole Book ist sich – Achtung – "ganz sicher, dass Nico ganz lange bleiben möchte". Und besagter Nico S. sagt selbst, er möchte noch ganz viele Titel mit dem BVB gewinnen.
Welche das bis zum Sommer sein sollen, sagt er nicht. Wird ja auch schwierig. Als BVB-Weltmeister könnte er vielleicht Antonio Rüdiger aus dem Real-Kader kicken und wäre endgültig am Ziel seiner Träume.
¡Amor de verdad! Echte Liebe, was sonst!
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ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog all das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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