Vinnie und die starken Männer beim FC Bayern: Mit voller Wucht zum Triple?
Update 24/12/2025 um 13:25 GMT+1 Uhr
Vincent Kompany hat den FC Bayern München 2025 nicht nur zum Gewinn der 34. deutschen Meisterschaft geführt und das bayerische Selbstverständnis zurückgebracht, sondern auch den Verein befriedet - und das Wichtigste: Vereinspatron Uli Hoeneß glücklich gemacht. Den Bayern scheinen 2026 sportlich keine Grenzen gesetzt. Für den totalen Triumph zum Saisonende müsste allerdings alles zusammenpassen.
Kompany gibt Personalupdate: "Null Druck" bei Musiala
Quelle: Perform
Vincent Kompany ist ein Meister der Diplomatie. Gäbe es nicht nur den bei der Fifa kurzfristig erschaffenen Friedenspreis, sondern auch eine Verleihung eines solchen an der Säbener Straße, hätte ihn am Ende dieses Jahres einer verdient: Der Trainer.
"Er hat den Verein befriedet", sagte Uli Hoeneß, Ehrenpräsident des FC Bayern München, über die Figur im Verein, die sich stets zurücknimmt und bescheiden auftritt, jedoch den größten Anteil am aktuellen Erfolg abschöpfen dürfte: Vincent Kompany.
Der Belgier, 39 Jahre alt, arbeitet in seinem Kernjob - der Spiel- und Gegnervorbereitung - auf höchstem Niveau. Dazu kommt: Er hat die Kabine gewonnen. Was man umgekehrt kennt, wenn Trainer die Kabine verlieren - kurz bevor sie dann entlassen werden.
Kompany kann sich auch wunderbar adaptieren bei kulinarischen Traditionen, etwa beim Kaiserschmarrn. Zu Weihnachten wird in der Familie Kompany (seine Mutter ist Belgierin, sein Vater wurde 1947 in Belgisch-Kongo geboren und floh 1975 vor der Mobutu-Diktatur nach Belgien) traditionell Lamm mit Rosmarin, dazu Prinzessbohnen, Rosenkohl und Kartoffelgratin aufgetischt.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/09/18/4041294-81963533-2560-1440.jpg)
Kompany mit starkem Statement: "Wie groß waren meine Chancen?"
Quelle: Perform
Innovationspreis für berufliche Courage geht an Max Eberl
Dieses Jahr gibt’s als Nachspeise etwas, "das ich erst hier kennengelernt habe und mittlerweile sehr liebe", verriet Kompany. Kaiserschmarrn eben. Ohne Rosinen bitteschön. "Ich weiß wirklich nicht, wer je auf die Idee kam, Rosinen in den Kaiserschmarrn zu tun." Sprach's und lachte lauthals sein so herzliches, absteckendes Lachen.
Wer auf die Idee kam, Kompany im Sommer 2024 überraschend zu verpflichten, müsste den Innovationspreis für berufliche Courage erhalten. And the winner is: Max Eberl, der Sportvorstand. Dass es mit dem Chefcoach, der zuvor in der Premier League den FC Burnley zum Aufstieg geführt und dann allerdings direkt wieder abgestiegen war, so gut funktioniert, konnte keiner ahnen.
"Im Moment stimmt eigentlich alles. Wir haben eine sehr ambitionierte Mannschaft, wir haben einen überragenden Trainer und die Außendarstellung ist im Moment auch so, wie sie sein soll", frohlockte Hoeneß kürzlich im "OMR Podcast" und feierte die Wagenburg-Mentalität in seinem Verein.
Das Lob für den Trainer ging noch viel weiter: "Er jammert nicht, sondern baut junge Leute ein wie Lennart Karl oder Tom Bischoff." Noch wichtiger aber ist für Hoeneß die Haltung des Trainers: "Er ist wie eine Glucke, der die Spieler wunderbar schützt und ihnen trotzdem auf dem Trainingsplatz alles beibringt. Und das Allerwichtigste von ihm ist: Er macht jeden Spieler besser." Mehr geht nicht, oder?
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/12/19/image-cd928f71-25b9-42f8-ae74-007b16f900f0.jpeg)
Smart und unaufgeregt: Vincent Kompany ist ein Glücksgriff für den FC Bayern
Fotocredit: Getty Images
Erfolgreiches "Ackern und Rammeln" zum Jahresende
Was eigentlich einst das vollmundig verkündete Ziel von Jürgen Klinsmann war, als er im Sommer 2008 seinen ersten Job als Vereinstrainer an der Säbener Straße antrat. Er wollte "jeden Spieler jeden Tag besser machen." Was dem vorherigen Teamchef der deutschen Nationalmannschaft nicht wirklich gelang. Aber das ist eine andere Geschichte.
Die Sache mit Kompany ist eine Erfolgsgeschichte. "Wir haben ein herausragendes Kalenderjahr gespielt und eine sehr, sehr gute Hinrunde", sagte Eberl. Mit einer kleinen Delle seit dem Spätherbst. Nach überzeugenden Spektakel-Siegen mit zahlreichen Toren sind die Bayern in der letzten Phase der Hinrunde - etwa seit Anfang November - meist in der Abteilung harte Arbeit unterwegs.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/12/20/image-a1ca35cc-01ab-41f5-b45f-b08927169765-85-2560-1440.jpeg)
FC Bayern München: Trainer Vincent Kompany jubelt mit seinen Spielern
Fotocredit: Imago
Schuften statt zaubern oder wie es Joshua Kimmich nach der Pokal-Plackerei, dem 3:2 im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Union Berlin flapsig umschrieb: "Es war ein einziges Ackern und Rammeln."
Im Dezember gab der Kapitän der Nationalelf nach dem mühsamen 2:2 in der Liga gegen den Tabellenletzten FSV Mainz zu: "Ich habe das Gefühl, dass wir die Spiele zuletzt nicht mehr so früh entscheiden konnten."
Keine hohe Führung heißt: Mehr Arbeit. Kimmich: "Die Spiele waren zu lange offen und wir sehr, sehr oft in Rückstand. Da müssen wir uns verbessern." Auch beim Verteidigen der Defensivstandards. Da hatte den Bayern vor allem der FC Arsenal im Gruppenspiel der Ligaphase (1:3) vorgemacht, wie es geht.
Müller-Abschied, Titel für Kane, Verlängerung von Kompany
Im gesamten Kalenderjahr haben die Bayern lediglich ein Ligaspiel verloren - die bedeutungslose Heimpartie im März gegen den späteren Absteiger VfL Bochum (2:3). Ein ungelegener Termin zwischen den so bedeutungsvollen Champions-League-Spielen gegen Bayer Leverkusen.
Mit dem deutlichen Weiterkommen (3:0 und 2:0) ins Viertelfinale (gegen Inter Mailand war in zwei sehr umkämpften Partien mit 1:2 und 2:2 dann Endstation) holten sich die Münchner ihre nationale Vormachtstellung von der Werkself, dem Doublesieger 2024, zurück.
In der Liga feierte man eine überlegene Meisterschaft - der letzte Titel für die scheidende Klubikone Thomas Müller, dessen Verabschiedung nach 25 Jahren im Verein - davon 17 als Profi - allerdings alles andere als reibungslos gelang.
Zugleich war es der erste Karriere-Titel für Toptorjäger Harry Kane, im August folgte der Supercup (2:1 bei Pokalsieger VfB Stuttgart). Und die erste Schale für Trainer Kompany, dem empathischen Menschenfänger, der im Oktober seinen Vertrag vorzeitig - und für die Bayern unüblich geräuschlos - bis 2029 verlängerte.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/12/19/image-b3466e02-683f-45cf-b31e-732be52040ac.jpeg)
Lennart Karl (2.v.r.) ist der Shootingstar in dieser Saison beim FC Bayern
Fotocredit: Getty Images
Wirtz und Woltemade gaben Bayern einen Korb
Ein "Glücksgriff", findet Uli Hoeneß. Kompany hat die Kabine geeint, weiß die Spieler trotz teils großer Rotation hinter sich. Das Credo des Belgiers, unter dem die Mannschaft mehr läuft, mehr Pässe spielt und sich häufiger im Angriffsdrittel befindet als unter den Vorgängern Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann.
"Ich will eine Mannschaft mit der Wucht eines Hurrikans: die zusammenarbeitet, miteinander verbunden ist, sich gegenseitig trägt, Freude hat. Dann gibt es kein Limit", sagt Kompany. Ehrenpräsident Hoeneß bekräftigte, er sei "total zufrieden, wie die Dinge in diesem Jahr gelaufen sind." Na, dann passt ja alles.
Und das, obwohl es im Sommer nicht gelang, die absoluten Wunschspieler zu verpflichten. Offensiv-Star Florian Wirtz entschied sich für das Angebot des FC Liverpool, der 140 Millionen Euro bezahlte - zu viel für Bayern.
Torjäger Nick Woltemade wechselte nach langem Werben und Bieten aus der Säbener Straße Ende August ebenfalls in die Premier League. Newcastle United überwies 75 Millionen Euro (kann durch Boni auf 90 Millionen steigen) an den VfB Stuttgart. Zwei gescheiterte Deals. Dafür saßen die Verpflichtungen von Jonathan Tah, Luis Díaz und Tom Bischoff.
- Afrika-Cup steht an: FC Bayern und Co. müssen auf Stars verzichten
- Karl ging Real Madrid einst durch die Lappen: Probetraining im Bernabéu
Der Henkelpott bleibt das große Ziel
Kompany und Kane winkt im Mai 2026 die zweite Schale - und vieles mehr. Das Double ist das Ziel, neben der - klammheimlich - bereits fix eingeplanten Meisterschaft soll erstmals seit 2020 das Pokalfinale in Berlin erreicht werden. Der Weg ist bereitet, im Februar steht das Viertelfinale zu Hause gegen RB Leipzig an.
Mit Shootingstar Lennart Karl, immer noch erst 17 und bereits tragende Säule auf dem Weg zum Stammspieler. Und dann auch mit Rückkehrer Jamal Musiala. Der Spielmacher soll nach seinem Trainingscomeback Mitte Dezember ab Januar peu à peu Spielpraxis erhalten und an die Stammelf herangeführt werden. Hierzulande wird die Dominanz der Roten nicht enden. Rosige Zeiten.
Und in der Champions League? Dem eigentlichen Gradmesser, was das Wohl und Wehe des FC Bayern betrifft? Ab der K.o.-Runde im Frühjahr wird’s ernst, dann werden "die Preise verteilt", wie Kompany sagt.
Was er braucht, um das Endspiel der Königsklasse am 30. Mai in Budapest zu erreichen? Weniger Verletzungspech als im Frühjahr 2025, Fortune bei den Auslosungen und etwas Spielglück.
Ob der Trainer seine Mannschaft auf den Punkt vorbereiten kann, wird die Aufgabe und Herausforderung zugleich sein für Vinnie und seine starken Männer.
Das könnte Dich auch interessieren: Musiala vor Comeback: Koan Platz mehr für Karl?
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/12/09/image-2ce4a5c3-1211-4137-ad28-7787266c1e37-85-2560-1440.jpeg)
Kompany prophezeit große Karl-Zukunft: "Da wird noch mehr kommen"
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung