BVB vor großem Umbruch im Sommer 2022 - Wie Borussia Dortmund die Dominanz des FC Bayern brechen will
Die zehnte Meisterschaft des FC Bayern unterstreicht die Eintönigkeit in der Bundesliga perfekt. Für Borussia Dortmund endet die Spielzeit aller Voraussicht nach als erster Verfolger des Serienmeisters und ist damit einmal mehr Anlass für größere Umbauten des Kaders im Sommer. Dabei steht vor allem die Defensive im Vordergrund - trotz des bevorstehenden Abgangs von Sturmstar Erling Haaland.
Sebastian Kehl - BVB
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Borussia Dortmund muss Bayern München zur zehnten Meisterschaft in Folge gratulieren. Der historische Erfolg der Münchner legt die Probleme des BVB schonungslos offen: Trotz fünf Niederlagen und drei Remis in 32 Partien des Rekordmeisters ist von einem Meisterduell auf Augenhöhe nichts zu sehen.
Durch die 3:4-Niederlage im Heimspiel gegen Aufsteiger VfL Bochum, die neunte Pleite der Saison, ist der Rückstand auf den FC Bayern auf ganze zwölf Punkte angewachsen.
Beim BVB muss sich etwas ändern - mal wieder. Sebastian Kehl hat bereits angekündigt, "verkrustete Strukturen im Kader aufzubrechen" und "den Konkurrenzkampf anzuheizen".
Den Worten des künftigen Sportdirektors muss der BVB auf dem Transfermarkt auch in schwierigen Zeiten Taten folgen lassen.
Abwehr: Für Hummels wird es eng
Wenn diese Saison den Schwarz-Gelben eines gezeigt hat, dann dass sich in der Verteidigung dringend etwas tun muss. 50 Gegentreffer in 32 Bundesligaspielen sind deutlich zu viel - nur sieben Teams kassierten in dieser Saison mehr Tore als der BVB.
Vor allem ständige Verletzungen von Leistungsträgern verhinderten das Einspielen einer Stammkette und somit einen Rhythmusaufbau. Die Rechtsverteidiger Mateu Morey (0 Spiele) und Thomas Meunier (17 Spiele) standen verletzungsbedingt nur selten auf dem Rasen, sodass sich Trainer Marco Rose auf der rechten Seite mit Felix Passlack und Marius Wolf behelfen musste. Beides keine 1-A-Lösungen.
In der Innenverteidigung spielte allenfalls Manuel Akanji eine gute Saison, während bei Mats Hummels mit fortschreitendem Alter offensichtliche Geschwindigkeitsprobleme immer eklatanter wurden. Zudem kämpfte der Weltmeister von 2014 das komplette Jahr mit Muskelbeschwerden, auf Topniveau sah man Hummels deshalb kaum. Gut möglich, dass die Zeit des ehemaligen Münchners als Stammspieler beim BVB nach dieser Spielzeit endet.
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Giovanni Reyna (l.) und Mats Hummels - Borussia Dortmund
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Denn mit Niklas Süle kommt der designierte neue Abwehrchef ablösefrei vom FC Bayern. Der 26-Jährige soll den bevorstehenden Abgang von Akanji, der wiederholte Verlängerungsangebote der Westfalen abgelehnt hat und mit einem Wechsel in die Premier League liebäugelt, kompensieren. Zudem könnte Jungnationalspieler Nico Schlotterbeck vom SC Freiburg kommen. 20 Millionen Euro soll der 22-Jährige dem BVB trotz auslaufenden Vertrags im Sommer 2023 wert sein.
Eine Verpflichtung des auch vom FC Bayern umworbenen Innenverteidigers könnte einen Bankplatz für Hummels bedeuten - zumal mit Dan-Axel Zagadou (wenn fit) ein weiterer hochveranlagter Verteidiger im Kader steht. Dahinter drängt bereits Soumalia Coulibaly, der genau wie Zagadou den Weg von PSG zum BVB ging und bislang vor allem in der U19 agierte, in den Kader. Der Franzose darf sich in der kommenden Spielzeit durchaus Hoffnung auf Einsatzzeit machen.
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Dan-Axel Zagadou
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Auf der linken Seite könnte Rose Talent Tom Rothe nach dessen furiosem Bundesligadebüt gegen den VfL Wolfsburg mehr Vertrauen schenken. Stammkraft Raphael Guerreiro, der ebenfalls immer wieder verletzt fehlt, spielte jedenfalls nicht seine beste Saison und wirkt nicht mehr unantastbar. Nico Schulz enttäuschte auch in seinem dritten Jahr in Dortmund und steht ganz oben auf der Verkaufsliste. Allerdings dürfte es angesichts des hohen Gehalts nicht ganz einfach werden, einen willigen Käufer für den ehemaligen Hoffenheimer zu finden.
Mittelfeld: Letzte Chance für Brandt?
Das Herzstück des Dortmunder Mittelfelds werden auch in der kommenden Saison Mo Dahoud und Jude Bellingham bilden. Axel Witsel, lange Zeit Stammkraft in der BVB-Zentrale, wird den Verein hingegen erwartungsgemäß verlassen.
"Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich hier vier Jahre auf höchstem Niveau gespielt habe", sagte Witsel in einer Medienrunde nach Heimpleite gegen Bochum. "Aber ich bin traurig, dass ich den Klub verlasse, ich habe hier viele Freunde und tolle Mannschaftskollegen. Ich war vier Jahre hier, das ist eine Menge. Aber am Ende ist das das Leben eines Fußballers. Ich freue mich aufs letzte Spiel, aber ich werde auch sehr traurig sein."
Wer Witsels Kaderplatz in der kommenden Saison einnimmt, ist noch völlig offen. Zuletzt machten unter anderem Gerüchte um den Wolfsburger Xaver Schlager die Runde. Gut möglich aber auch, dass Witsels Abgang intern abgefangen wird. Julian Brandt könnte dauerhaft in die Zentrale zurückberufen werden. Als klassischer Sechser oder auf der Acht machte er in der Vergangenheit seine besten Spiele für Schwarz-Gelb. Ob das reicht?
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Julian Brandt
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Als Mann für die offensiven Flügel blieb Brandt auch in seinem dritten Jahr beim BVB zu oft hinter den Erwartungen zurück - auch wenn er aktuell einen kleinen Aufschwung erkennen lässt. Dem Vernehmen nach soll er deshalb genau wie Emre Can, der insgesamt zu inkonstant spielt, den Verein bei einem passenden Angebot verlassen dürfen.
Im offensiven Mittelfeld dürfte weiterhin Kapitän Marco Reus der Fixpunkt sein. In der laufenden Spielzeit legte der Nationalspieler 16 Assists und neun Treffer auf, war häufig unverzichtbar. Nicht immer aufgrund guter Leistungen, sondern auch mangels Alternativen. Vor allem der hochgehandelte Youngster Giovanni Reyna erlebte eine Spielzeit zum Vergessen. Nur in zehn Bundesligaspielen schaffte es der 19-Jährige in auf den Rasen, verpasste wettbewerbsübergreifend 31 Spiele verletzungsbedingt. Auch hatten sich die Verantwortlichen vom zweijährigen Leihgeschäft Reiniers, der zu Real Madrid zurückkehren wird, mehr versprochen.
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Reinier (rechts) im Spiel gegen den FC Ingolstadt
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Bekommt Reyna seine Verletzungsanfälligkeit in den Griff, ist der US-Amerikaner sicher eine der offensiven Säulen des BVB der Zukunft. Eine solche könnte dann auch Jamie Bynoe-Gittens werden. Der Engländer, der in dieser Saison vornehmlich in der U19 zum Einsatz kam, debütierte gegen Bochum in der Startelf der ersten Mannschaft. Seine Anlagen sind vielversprechend, erinnern an den im vergangenen Sommer zu Manchester United abgewanderten Jadon Sancho.
Doch allein auf das Talent des jungen Engländers, dem man weiterhin Zeit zur Entwicklung geben will, wird man sich in Dortmund nicht verlassen. Es ist gut möglich, dass die Verantwortlichen auf den offensiven Flügeln noch einmal nachbessern.
Sturm: Adeyemi ist kein Haaland-Ersatz
In vorderster Front dreht sich seit Monaten alles um die Zukunft von Erling Haaland. Als annähernd sicher gilt, dass der Norweger in der kommenden Saison für einen neuen Klub auf Torejagd gehen wird. Manchester City und Real Madrid gelten als Favoriten auf den Zuschlag, der wohl vor allem aufgrund des hohen Gesamtvolumens (Beraterprovisionen, Handgelder und Gehalt) noch nicht erteilt wurde.
In Dortmund läuft die Suche nach einem Nachfolger für den 21-Jährigen daher schon länger auf Hochtouren. Timo Werner (FC Chelsea), Sebastién Haller (Ajax Amsterdam) oder Adam Hlozek (Sparta Prag) sollen auf der Liste stehen. Transferziel Nummer eins ist jedoch der Salzburger Karim Adeyemi, dessen Verpflichtung unmittelbar bevorstehen soll.
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Karim Adeyemi steht beim BVB auf dem Wunschzettel
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"Ich glaube, der Spieler hat schon mehr oder weniger das Gefühl vermittelt, dass er zum BVB will. Das müssen wir irgendwie hinkriegen", hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kürzlich bei "19:09 - der schwarzgelbe Talk" die Hoffnungen auf eine baldige Verkündung des Deals angefacht.
Als Eins-zu-eins-Ersatz für Haaland wäre Adeyemi aber nicht geeignet. Der in München ausgebildete Salzburger wäre eher ein verspäteter Sancho-Ersatz, der als pfeilschneller Flügelstürmer für Gefahr sorgen könnte. Zusammen mit Donyell Malen, von dem man sich nach einem durchwachsenen Debütjahr eine deutliche Leistungssteigerung erhofft, könnte Adeyemi auch als Teil einer Doppelspitze aufgeboten werden.
Und dann ist da ja auch noch ein gewisser Youssoufa Moukoko, dessen Entwicklung zuletzt ins Stocken geraten war. Bei einer Neuausrichtung der Mannschaft wird man auch dem deutschen U21-Nationalspieler eine Perspektive aufzeigen müssen.
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Klopp von Reporter irritiert: "Wie kommen sie auf diese Frage?"
Quelle: Perform
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