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Arbeiten, wenn andere Fußball schauen
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Publiziert 24/05/2013 um 11:38 GMT+2 Uhr
"Trikot kostet extra!", teilt der freundliche Mitarbeiter des Kölner Bordell-Hochhauses mit. "Ist allerdings gar kein Problem." Wenn am Samstag das Finale der Champions League zwischen Borussia Dortmund und Bayern München beginnt, herrscht schließlich Hochbetrieb - nicht nur im horizontalen Gewerbe.
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Ob Nachtschicht in Afghanistan, Hochzeitsparty in München oder Polizeidienst in Dortmund: Tausende Menschen müssen während der 90 bis 120 Minuten arbeiten, sie sind eingeladen, haben bereits Monate vorher Konzertkarten besorgt. Es wird improvisiert, die Smartphones werden glühen - aber einige schauen ganz in die Röhre.
Bei den deutschen Soldaten in Afghanistan ist es zum Zeitpunkt des Anpfiffs bereits kurz vor Mitternacht. Offizielles "Rudelgucken" sei nicht geplant, teilte das Verteidigungsministerium mit - für die meisten aber finde sich jedoch "eine Möglichkeit". Wer allerdings am Samstagabend Wache schieben muss, dem geht es wie vielen Polizisten, Krankenschwestern, Ärzten und Taxifahrern. Oder eben Prostituierten.
Auch in der Münchner Taxi-Gilde ist "der Wille zum Feiern da", wie Stefan Huber von der Zentrale Isarfunk berichtet. Huber ist, na klar, Bayern-Fan, "und selbstverständlich werde ich arbeiten". Doch auch Dortmund-Fans seien unter den Fahrern zu finden - ihnen könnte die Aufgabe zukommen, glückselige Anhänger des Erzrivalen zum Feiern zu bringen. Die finale Demütigung.
"Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps"
Bei der Dienstplangestaltung wurde zwar schon geschaut, wer Fußball-Fan ist und wer nicht, aber: "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps." Im Taxi laufe ja schließlich das Radio. Den alten Funk gibt es nämlich schon lange nicht mehr.
Auch Wolfgang Wieland wird das Endspiel nicht sehen - kein Problem, er kennt das schon. "WM 2006, vier Wochen Feierlaune in Dortmund - wer nichts gesehen hat, war Wolfgang Wieland", sagt der Leiter der Pressestelle bei der Dortmunder Polizei. "Nur Fernseher, und unten vor dem Fenster die Trommler. Die Arbeit geht vor."
Rangeleien unter Kollegen
Zwei Meter weiter sitzt Cornelia Weigand - deutlich nervöser. "Die Krönung wäre, in Wembley zu sein, oder wenigstens beim Public Viewing. Das sind ziemlich unschöne Momente. Aber ein Heimholen des Henkelpotts würde das aufwiegen", sagt die BVB-Anhängerin. "Als 2011 der Titel gefeiert wurde, saß ich auch schon im Büro. Public Viewing und Lena beim Eurovision Song Contest waren damals gleichzeitig."
Rangeleien hat es unter den Kolleginnen und Kollegen schon gegeben. Wer hat frei - und wer nicht? "Einige Leute machen die Dienste ja gerne, weil es die falschen Farben sind", sagt Weigand. Bitte? Schalke-Fans bei der Dortmunder Polizei? Ja! Und diese sind einige der Wenigen, die das Finale ganz bestimmt nicht sehen wollen, denn sie können nur verlieren.
Völlig vorurteilsfrei und dennoch nicht interessiert - selbst das gibt es. Auf der Internationalen Raumstation ISS wäre es zwar technisch möglich, Livebilder vom Finale einzuspeisen, doch eine Anfrage durch die Astronauten hat es bislang nicht gegeben. Momentan befinden sich zwei Russen und ein Amerikaner im All.
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