Hochkantiger Rauswurf für die Einfallslosen

Eine "unterirdische" zweite Halbzeit und ein "völlig verdientes" Ausscheiden in der Champions League - Borussia Dortmund muss über seine Zukunft nachdenken.

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Aus Dortmund berichtet Andreas Morbach
Mats Hummels wirkte sehr gefasst. Unter seiner schicken grauen Wollmütze blickte Dortmunds Abwehrchef konzentriert in die Runde und präsentierte eine sachliche Analyse zum hochkantigen Rauswurf der Schwarz-Gelben aus der Champions League. "Das war", billigte der 26-Jährige die 0:3-Haue durch die alte italienische Dame Juventus uneingeschränkt, "eine ganz schwache Leistung. Wir sind verdient rausgeflogen." Die erste Halbzeit sei noch "ganz okay", die zweite hingegen "unterirdisch" gewesen, ging er anschließend kurz ins Detail. Dann legte Hummels seine Stirn in Falten und erklärte: "Das war ein kleiner Niederschlag."
Als hätten ihm seine Fußballer den Boden unter den Füßen weggerissen, so hing Jürgen Klopp die gesamte Partie über in der Luft. Ein einziges Mal unternahm der sonst so explosive Chefübungsleiter des BVB einen schüchternen Protestversuch beim Vierten Offiziellen. Abgesehen von diesem Mini-Abstecher in feurige alte Tage stand der 47-Jährige aber meist wie eingefroren in seiner Coaching Zone, die Miene zwischen ratlos und verwundert schwankend, die Hände tief in den Taschen seines Trenchcoats versenkt.
Der einstige Meistertrainer wirkte so apathisch wie Borussias Kicker, denen man im aktuellen Zustand vor allem ein baldiges Ende der Saison wünscht. Gegen Turin, schon im ersten Duell 2:1 siegreich, fuhrwerkten sie nach dem frühen Rückstand durch Carlos Tévez‘ heimtückisches Gewaltgeschoss derart einfallslos herum, dass ihr Trainer regelrecht froh über das klare Endergebnis war. "Wer so spielt wie wir", konstatierte Klopp, "hat im Viertelfinale nichts verloren.“
Da half auch der Aufheiterungsversuch seines Turiner Amtskollegen Massimiliano Allegri ("Es war nicht das Verschulden von Dortmund, sondern unser Verdienst") nichts. Für drei der vier Bundesligisten war im Achtelfinale der Champions League Endstation. Doch während leidenschaftliche Schalker bei Titelverteidiger Real vor einer Sensation standen und nervenschwache Leverkusener bei Vorjahresfinalist Atlético erst im Elfmeterschießen in die Knie gingen, vergrätzte der BVB sein Publikum gegen den letzten Vertreter der Serie A mit einem todlangweiligen Arrivederci.
Wann die Dortmunder zum nächsten Stelldichein in der Königsklasse schreiten, steht in den Sternen. Eineinhalb Jahre wird es auf jeden Fall dauern, es könnte sich aber auch noch länger hinziehen. Denn nicht erst mit dem verstörenden Auftritt gegen Turin drängte sich der Gedanke auf, dass der Vizemeister die momentane Zusammenstellung seines Profikaders scharf überdenken muss.
Wer füllt das BVB-Gemälde um Marco Reus?
Nach den bajuwarischen Angeltouren nach Tormaschine Robert Lewandowski und Edeltalent Mario Götze bewiesen die Borussen-Chefs bei ihren Einkaufstouren zur Behebung der Verluste kein ausnehmend glückliches Händchen. Marco Reus, gegen Juventus nach ordentlichem Start bis zur Unkenntlichkeit abgetaucht, steht nach seiner Vertragsverlängerung bis 2019 als künftiges BVB-Gesicht fest. Bleibt die Frage, wer das Dortmunder Gemälde um Reus herum ausfüllen soll.
Der Armenier Henrikh Mkhitaryan war auch gegen Turin ein Mittelfeld-Schatten seiner selbst. Pierre-Emerick Aubameyang aus Gabun ist ein stürmender Paradiesvogel, bei dem man stets auf alles – im Positiven wie im Negativen – gefasst sein muss. Seine Angriffskollegen Ciro Immobile und Ramos, vor der Saison für insgesamt 27,5 Millionen Euro erworben, gelten bereits als teure Fehlinvestitionen. Torwart Roman Weidenfeller wird im August 35. Verdiente Klub-Stützen wie Kevin Großkreutz und Marcel Schmelzer sind über ihren Leistungszenit hinweg. Und der Slowene Kevin Kampl, in der Winterpause aus Salzburg geholt, mag ein williger Kämpfer mit einiger Begabung sein – die Transfersumme von zwölf Millionen Euro scheint aber auch in seinem Fall deutlich zu hoch gewesen zu sein.
Der aktuelle Spieler-Mix sorgte zuletzt für drei Partien ohne eigenes Tor, bei der Blamage gegen Juventus versuchten es die Dortmunder nicht mal mehr mit Verzweiflungsschüssen. "Ein Spiel zum Vergessen", titelte Jürgen Klopp, später ergänzte er: "Wir waren bemüht – das ist kein Riesenkompliment." Einen Ansatzpunkt für den erhofften Umschwung kennt der Mann immerhin. "Seit dem Sieg über Schalke ist uns die Konsequenz verloren gegangen, das müssen wir ganz schnell ändern", weiß Klopp. Denn: "Das ist ein superwichtiges Thema."
Die Tore beim BVB-Debakel:
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