Atlético - FC Bayern: Diego Simeone gegen Pep Guardiola im Champions-League-Halbfinale

Atlético Madrid vor dem Champions-League-Halbfinale gegen den FC Bayern München: Die Trainer Diego Simeone und Pep Guardiola könnten in Persönlichkeit und Fußball-Philosophie nicht unterschiedlicher sein. Guardiola ist das Auge des Orkans und Simeone der Orkan, der für Ballbesitz wenig, aber für José Mourinho viel übrig hat. Atlético folgt seiner Ideologie blind. Das könnte entscheidend werden.

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Thomas Müller glaubt zu wissen, was den FC Bayern München erwartet. "Sie verteidigen mit Aggressivität, darauf müssen wir uns einstellen. Auch, dass die Balljungen eher in ihrem Sinne agieren."
Na, da hat Müller etwas gesagt.
Am Mittwoch gastieren seine Bayern zum Hinspiel des Champions-Legaue-Halbfinales bei Atlético Madrid (ab 20:45 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de), und im Vorfeld debattieren sie in der spanischen Hauptstadt über Diego Simeone. Was per se nichts Neues ist.
Am Wochenende, bei Atléticos 1:0 über den FC Malaga, flog von der Auswechselbank ein zweiter Ball ins Feld, um einen Malaga-Konter zu unterbinden. Ungeklärt blieb der Werfer, ob Simeone selbst oder ein von ihm instruierter Balljunge. Letzteres finden einheimische Medien besonders hübsch.
Während der Partie wurde Simeone auf die Tribüne verbannt, jetzt droht eine Sperre, und die würde Atlético im Titelrennen empfindlich treffen. Simeone ist ja nicht nur Trainer der "Rojiblancos", er ist ihr Fixstern und Vordenker, spirituell angehaucht, fast als Gottheit verehrt - obwohl er manchmal auftritt wie ein streunender Straßenköter.

Kulturkampf an der Seitenlinie

Simeone gegen Bayern-Coach Pep Guardiola, das wird eine Wanderung zwischen den Welten. Hier der Argentinier, roh, rau, rabiat. Ein Anarchist. Dort der Katalane, mondän, apart, distinguiert. Ein Ästhet. Ihre Persönlichkeit und die jeweilige Fußball-Philosophie repräsentieren zwei sich abstoßende Pole, die Ansätze könnten nicht konträrer sein, und so wird Atlético gegen Bayern zu einem Kulturkampf an der Linie.
Wenn Simeone, 45, mit schwarzem Anzug, schwarzer Krawatte, schwarzen Schuhen fuhrwerkt, wirkt er wie ein Flugzeugeinweiser, der tausend Maschinen gleichzeitig navigieren muss. Auch Guardiola, 45, fuchtelt beharrlich und schwülstig herum, aber eher im Stile des Dirigenten eines Orchesters.
Oder anders: Guardiola ist das Auge des Orkans, und Simeone ist der Orkan.
"Ich kenne ihn nicht, ich habe vielleicht zweimal mit ihm gesprochen", sagt Pep über sein Pendant.
Unabdinglich folgt das Team der Ideologie dieses Mannes, der das Toben und Wüten in Coachingzonen kultiviert. "Es wird an allen Ecken und Kanten kleine Mätzchen geben, sie werden sich in einer Grauzone bewegen", vermutet Bayerns Müller.

Wie Simeone zum Trainer wurde

Schon als Profi hat Simeone seine Werte vertreten, bei drei Weltmeisterschaften (1994, 1998, 2002) war er dabei, mit Inter Mailand gewann er den UEFA-Cup und mit Lazio Rom die Serie A. Im Trikot von Atlético holte er 1996 das Double, zehn Jahre später wurde der Mittelfeldspieler bei Racing Club de Avellaneda quasi übergangslos zum Chef. Simeone gewann Meisterschaften mit Estudiantes de La Plata und River Plate, war flüchtig bei San Lorenzo de Almagro, Catania Calcio und erneut Racing tätig, und 2011 erinnerte sich Atlético an ihn.
Seit 1996 hatte der Klub 16 Trainer verschlissen, rückblickend meinte der heutige Kapitän Gabi einmal:
Das bislang einzige Duell mit Guardiola stammt aus jener Periode, im Februar 2012 siegte Peps Barca (2:1). Simeone aber startete durch zu einem unheimlichen Lauf: Europa League 2012, Pokal 2013, Meisterschaft 2014, Champions-League-Finale im selben Jahr, äußerst unglücklich gegen Real verloren. Real und Barca erwuchs mit Atlético ein gleichgerichteter Konkurrent voller divergierender Ideen.

Simeone: "Guardiola? Ich bevorzuge Mourinho"

Von Spielkontrolle, die Guardiola so streng predigt, hält Simeone nichts. "Ballbesitz ist ein Märchen, das interessiert mich nicht", raunt er. "Müsste ich zwischen Guardiola und Mourinho wählen, bevorzuge ich Mourinho. Mir gefiel es sehr, wie sein Real gespielt hat."
Es tummeln sich plakative Simeone-Aussprüche, die als Lebenseinstellung dienen, einer davon lautet:
Braucht es mehr? Atlético spielt, wie Simeone denkt, mit Kampf- und Laufstärke, Effizienz und Ehrlichkeit, Loyalität und Identität. Das dürfte der FC Bayern zu spüren bekommen. "Wir müssen Herz, Beine und Kopf aktivieren, an unserer Marschroute dürfen wir absolut nichts verändern", befiehlt Diego Simeone.
Fragt sich, welche Maßnahme sein Gegenentwurf initiiert. Der Fußballweise Pep Guardiola ist gefordert, vielleicht wie nie zuvor.
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