Mesut Özil und Arsène Wenger: Probleme des FC Arsenal vor Bayern-Spiel in der Champions League

Im Champions-League-Achtelfinale trifft der FC Bayern München mal wieder auf den FC Arsenal. Bisher setzten sich immer die Deutschen durch, aber diesmal erwarten irgendwie alle stärkere Engländer - außer die Engländer selbst. Arsenal hat altbekannte Missstände, personifiziert werden sie durch Trainer Arsène Wenger und Mesut Özil, der seit Monaten im Tief ist. Und vielleicht nicht einmal spielt.

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Die englische Woche eröffnete Karl-Heinz Rummenigge mit englischen Worten. "And the winner is - Bayern", grinste der Münchner Vorstandsvorsitzende mit dem Blick zurück, aufs Bundesliga-Wochenende. Und mit einem Blick nach vorn unkte Rummenigge, dass kein Grund zum Pessimismus bestünde bei Bayern. Gegen den FC Arsenal ging's ja noch immer gut.
Das sagte der 61-Jährige natürlich nicht direkt, aber wenn, dann würden ihn die Geschichtsbücher stützen. Dreimal trafen Münchner und Londoner im Champions-League-Achtelfinale aufeinander, dreimal gewann Bayern (2004/05, 2012/13, 2013/14). Erst im Vorjahr duellierten sich beide zum europäischen Evergreen, damals in der Vorrunde.
Neuauflage am Mittwoch, beim Hinspiel in der Allianz Arena (ab 20:45 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de). Und siehe da: Irgendwas soll plötzlich anders sein. "Insgesamt machen sie einen besseren, konstanteren Eindruck", findet Philipp Lahm. "Das sehe ich auch so", sagt Manuel Neuer, "sie sind ernst zu nehmen".

FC Arsenal: "Fans ziemlich verzagt"

Kurioserweise halten die Deutsche mehr von den Engländern als die Engländer selbst. "Diese Einschätzung würde ich nicht teilen", sagt unser britischer Eurosport-Kollege Tom Adams über die These, dass 2017 ein aufgemotztes Arsenal warte. Adams:
Gewiss, der Saisonstart war beeindruckend, aber inzwischen seien die "Gunners" von der üblichen Frühjahrsdepression befallen.
Der Premier-League-Titel ist bei zehn Punkten Rückstand auf den FC Chelsea futsch, die beide Pleiten gegen den FC Watford und Chelsea "haben gezeigt, dass sie mit altbekannten Problemen kämpfen", sagt Adams. "Die Fans sind ziemlich verzagt. Ich glaube nicht, dass viele von einem Weiterkommen ausgehen."
Im Grunde kann Arsenals Geschichte in jedem Jahr ähnlich erzählt werden: netter, aber in der Breite unterbesetzter Kader; fehleranfällige, weil langsame Defensive; neuralgische Schwierigkeiten auf der Sechserposition, wo Santi Cazorla und Aaron Ramsey (verletzt) vermisst werden, Granit Xhaka mit Undiszipliniertheiten auffällt und Francis Coquelin nur grundsolide ist. Offensiv läuft's passabel, das 4-2-3-1-System von Trainer Arsène Wenger aber halten viele für (zu) eindimensional.

Wenger wackelt - daran hängt auch Özils Zukunft

Überhaupt, Wenger. Diese Person überstrahlt Arsenal gerade noch stärker als ohnehin, nicht ausgeschlossen, dass seine monumentale Ägide im Sommer endet. "We want you to stay" singen die Fans - aber halt die gegnerischen, spöttisch. "Es ist richtig, dass diese Sache bei Arsenal über allem hängt", sagt Eurosport-Mann Adams.
Mutmaßlich würde eine Verlängerung mit dem 67-Jährigen die Chancen erhöhen, Mesut Özil (Vertrag bis 2018) ebenfalls dauerhaft an Arsenal zu binden. "Der Klub weiß, dass ich vor allem wegen Wenger hier bin. Der Klub weiß auch, dass ich erst einmal Klarheit haben möchte, was der Trainer macht", sagte Özil dem "kicker".
Der Weltmeister ist die zweite heikle Personalie, sportlich hängt er durch, dabei hantiert Wenger mit mächtigem Vokabular.
Der Coach meint speziell die Torausbeute, Özils letzter Treffer datiert von Mitte Dezember. "Er lässt zu viel liegen. Das ist ein Problem, weil wir glauben, dass er etwas Besonderes bringen kann", sagte Wenger, nachdem die Seinen am Wochenende mit 2:0 gegen Hull City gewannen, Özil aber erneut enttäuschte. Journalist Adams urteilt: "Er ist seit zwei Monaten nicht in Topform, gegen Hull war's richtig schlimm, völlig ohne Vertrauen."

"Schönspieler" Özil auf der Bank?

Fans und Experten bekritteln, dass der 28-Jährige allein in einer Disziplin konstant wäre: beim Versteckspiel auf dem Platz. Martin Keown, 2004 Meister mit Arsenal, wird bei "Standard Sport" harsch:
Bayern als Brustlöser? "Fraglich ist, ob Özil überhaupt spielt", sagt Adams. "Es gibt Gerüchte, dass Wenger darüber nachdenkt, ihn rauszunehmen. Das wäre natürlich ein Knall. Angesichts von Özils Verfassung kann ich mir schwer vorstellen, dass er am Mittwoch glänzt."
Vielleicht übernehmen das Kollegen wie Alexis Sanchez, Doppeltorschütze gegen Hull. "Arsenals Umschaltspiel ist brandgefährlich", analysiert Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld bei Eurosport.de.
Indes unterstreicht Wenger vor dem Achtelfinal-Duell:
Sechsmal in Folge scheiterte der Champions-League-Finalist von 2006 im Achtelfinale. Und nun?
"Es könnte enger werden, aber hauptsächlich deshalb, weil Bayern nicht so stark ist wie gewohnt", sagt Adams, während der "Guardian" das Dilemma metaphorisch umschreibt: "Arsenal ist gut darin, nach einem Sturz schnell wieder aufs Fahrrad zu steigen. Aber sobald sie anfangen, Fahrt aufzunehmen, bauen sie einen Unfall. Dann steigen sie wieder auf - bis zum nächsten Unfall."
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