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BVB vs. PSG: Ist Borussia Dortmund bereit für Spiel gegen Paris St. Germain?
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Publiziert 17/02/2020 um 13:17 GMT+1 Uhr
Borussia Dortmund lieferte beim 4:0-Kantersieg gegen Eintracht Frankfurt mal wieder eine seiner furiosen Gala-Vorstellungen. Doch nun müssen die Schwarz-Gelben im Champions-League-Achtelfinale gegen Paris St. Germain und Ex-Coach Thomas Tuchel antreten. Der PSG-Sturm rund um Neymar und Kylian Mbappé kann der häufig instabilen BVB-Defensive gefährlich werden, doch die Can-Mentalität soll abhelfen.
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Liebe Fußballfreunde,
Ist es nicht eine Spielzeit wie wir sie uns immer gewünscht und nie bekommen haben? Dass nach 22 Spieltagen noch fünf Mannschaften Meister werden können, das hat es gefühlt seit den 1970er Jahren nicht mehr gegeben. Die Bundesliga ist Fußballgott sei Dank keine "Bayernliga" mehr, sondern eine Liga, die den Wettstreit um die wichtigste sportliche Frage wieder ernst nimmt: Wer wird Meister?
Das kann seriös heute tatsächlich keiner sagen, auch wenn die Bayern scheinbar - wie in der Evolutionstheorie festgezimmert - ganz oben in der Tabelle stehen. Doch anders als noch zu Pep Guardiolas Zeiten, als die Bayern zur gleichen Zeit im Februar bereits als Meister feststanden, sieht es diesmal ganz so aus, als würde der Titel in einem Fotofinish im Mai vergeben.
Die Spitze im nationalen Klubfußball ist wunderbar breit geworden und neben Bayern, Leipzig, Dortmund und Gladbach, die schon die ganze Saison über oben stehen, hat mit dem Fünften Leverkusen eine Mannschaft den Anschluss nach oben geschafft, die mindestens so hochtalentiert wie launisch ist. Aber trifft das nicht auf alle fünf zu? Was taugen die Bundesliga-Spitzenteams international, jetzt wo es in der Champions League gilt? Ist die nationale Spitze tatsächlich spitz genug für Paris, Chelsea und Tottenham?
Champions League eine Nummer zu groß für den BVB?
"Mal Grütze, mal grandios", schrieb die "BILD" nach dem Dortmunder 4:0 über Frankfurt, in Erinnerung an die Pleiten zuvor in Leverkusen und in Bremen. Nach der Rechnung droht morgen ausgerechnet gegen Paris also wieder Grütze? Nicht, dass das sündhaft teure und unverschämt undisziplinierte Paris ihres Ex-Trainers Thomas Tuchel sportlich soviel mehr kann als der BVB. Aber das ist es nicht. Was traut sich Dortmund noch zu, wenn es die Komfortzone der Liga verlässt?
Und selbst dort ist kaum eine Mannschaft so irrational veranlagt wie das Team von Lucien Favre. 63 Tore in 22 Spielen – das gab es noch nie in der Klubhistorie. Noch immer ist der BVB das einzige Team der Liga, das zuhause unbesiegt ist. Und es gibt wohl keine andere Mannschaft, die derart viel Talent auf sich vereint, von Erling Haaland bis Jadon Sancho. Und im Gegenschnitt zum Offensivtsunami immer wieder defensive Unerklärlichkeiten und gedankliche Aussetzer, namhafter Innenverteidiger zum Trotz. Wie ist das möglich?
Eigentlich wäre der BVB ein Kandidat für die Couch, um alle Selbstbewusstseinspartikel der Spieler für die Champions League zusammenzukleben, die dann wirklich große Bühne. Aber schon in der Gruppenphase, bezeichnend die Spiele bei Inter und in Barcelona, konnte man den Eindruck bekommen, die Champions League ist eine Nummer zu groß für die Sensibelchen vom Borsigplatz.
Macht Emre Can den Unterschied?
Das Spiel gegen Frankfurt macht Hoffnung, dass man sich gegen Paris in die Bütt werfen will. Der Eintracht erlaubte man genau ein Torschüsschen, das wars. Tatsächlich hat sich was verändert, seit der neue "aggressive leader" Emre Can den Takt vorgibt – am Ball, im Grätschenmodus am Strafraum wie gegen Frankfurt und am Mikrophon nach dem Spiel.
Sein "Wir müssen dreckiger spielen"-Leitsatz, den er den Kollegen nach der unnötigen Pleite in Leverkusen um die Ohren schmiss, sollte der BVB vielleicht in die Vereinssatzung aufnehmen, scheint er die Spieler doch deutlich wirkungsvoller beeinflussen zu können als das verschnulzte "Wahre Liebe"-Credo. Und so ist es auch Can, der die Vorgaben macht zum Spiel gegen Paris Saint Germain. Man dürfe auf keinen Fall wieder so passiv werden, wie das in der Liga immer mal wieder passiere, sagte Can im Modus eines Spielertrainers.
Elf Can-Mentalitäten auf dem Platz und ich würde mir keine Sorgen machen, aber trainiert wird der BVB immer noch von Lucien Favre. Der kennt Paris aus seiner Zeit in der Ligue 1 sicher perfekt, aber findet er die richtigen Worte, um alle Selbstzweifel zu beseitigen und seine Jungs heiß zu machen auf das Spiel gegen den Ex?
Tuchel stark unter Druck
Die Konstellation des Spiels könnte kaum nervöser sein. Es ist das erste Wiedersehen mit Ex-Coach Tuchel, seit der im Sommer 2017 im Streit mit Klubchef Hans-Joachim Watzke zurückgetreten wurde. So ganz hatte die Öffentlichkeit den Rauswurf nie verstanden. Tuchel hatte mit Dortmund gerade den Pokal gewonnen, doch im Monat zuvor, nach dem Attentat auf den BVB-Bus, hatte Tuchel sich mit der Führung überworfen.
In den französischen Zeitungen wird wild spekuliert, dass Tuchels Zeit in Paris ablaufen könnte, wenn er das Achtelfinale in der Champions League nicht übersteht. Klubbesitzer und Katars Scheich Al Thani ist angeblich ein begeisterter Fan von Pep Guardiola, der wiederum kaum bei Man City bleiben dürfte nach dem jüngsten Champions League-Ausschluss. Nach dem peinlichen 4:4 gegen den Tabellenvorletzten Amiens reagierte Tuchel dann auch ziemlich gereizt. Das Spiel gegen den BVB sei keine Bühne, um etwas aufzuarbeiten. Er habe mit dem Kapitel abgeschlossen. Wer sollte das glauben?
Rachegelüste versus Angsthasensyndrom
Bleibt die Frage, wer am Ende über 180 Minuten seinen inneren Dämon besser zu beherrschen weiß? Tuchel seine Revanchegelüste oder der BVB sein unter Favre eingeschlichenes Angsthasensyndrom, wenn es wirklich um das Große geht.
Ich persönlich traue dem BVB so viel Mumm kaum zu, aber um noch mal Tuchel vom Wochenende zu zitieren: "So ist das Leben, so ist der Fußball". Ich lass mich gern eines Besseren belehren.
Zur Person Thilo Komma-Pöllath:
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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