FC Bayern - Barcelona: Drei Dinge, die auffielen

Der FC Bayern München schießt den FC Barcelona im Champions-League-Viertelfinale an einem historischen Abend mit 8:2 (4:1) ab. Lionel Messi wird dabei einmal mehr kalt gestellt und in einer Szene sogar zum Statisten degradiert. Bayern weiß auch zu fast jeder Zeit das Momentum auf seiner Seite und hat mit Thomas Müller einen überragenden "Man of the Match". Was uns beim Schützenfest auffiel.

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1. Messi-Mob

Wie stoppt man Lionel Messi? Hans-Dieter Flick hatte wohl noch so vage Erinnerungen an das WM-Finale 2014, damals war er bekanntlich Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft. 2013 hatten die Bayern einen angeschlagenen Messi auch schon mal gestoppt, 2015 hatte sie der kleine Argentinier dagegen auf den Hosenboden (Boateng) gesetzt und wie 2009 rausgenommen.
2020 dagegen bleib Messi weitestgehend blass; weil Bayern ihn im Verbund und vor allem mannschaftstaktisch stoppte. Dass Barcelona-Coach Quique Setién sein Team auf 4-4-2 umgestellt und Messi zu Luis Suárez als hängende Spitze in den Angriff gestellt hatte, kam den Münchner Messi-Mob dabei entgegen.
Zum einen störten sie Messi früh bei der Ballannahme. Mit vereinten Kräften machte Bayern das Spiel zudem extrem kompakt und setzte das mit Sergi Roberto, Sergio Busquets, Frankie de Jong und Arturo Vidal nicht gerade überbordend kreativ aufgestellte Barça-Mittelfeld immer wieder giftig unter Druck.
"Wir wollten den Gegner beherrschen", sagte Thomas Müller: "Wir waren einfach brutal dominant, vor allem gegen den Ball, haben den Mittelfeldspielern fast keinen Raum gegeben."
War der Ball erobert, ging die Post ab - so zu sehen gleich beim 1:0 (4., Balleroberung Thomas Müller) und 2:1 (22., Ballgewinn Serge Gnabry). "Wir wussten, dass wenn wir sie unter Druck setzen, auch mal ein Fehler passieren kann. Das hat optimal geklappt", freute sich Flick.
"Wir haben extrem zielstrebig nach vorne gespielt und waren hinten sehr mutig, indem wir immer wieder eine hohe Kette hatten", analysierte Joshua Kimmich. Risiko, das belohnt wurde. "Ich bin glücklich, dass wir es auch in solchen Drucksituationen auf den Platz bringen", sagte Müller.
Zwei Momente hatte Messi aber auch - den ersten beim 1:1, als er Jordi Alaba im Rücken von Kimmich bediente, bevor David Alaba sein erstes Eigentor im Bayern-Dress unterlief (7.); "Wir wussten, dass es nicht einfach ist, weil sie diese Chipbälle hinter die Kette suchen", sagte Kimmich. Seinen zweiten Moment hatte Messi, als er kurz darauf eine Flanke an den linken Pfosten drehte (10.).
Doch danach hatten ihn die Bayern im Griff, die Münchner hielten Messi bei nur 59 Ballaktionen, drei Torschüssen und einer Torschussvorlage.
Seine auffälligste Szene der zweiten Halbzeit hatte der Argentinier in der 63. Minute - als Statist bei Davies' schier unglaublicher Vorlage zu Kimmichs 5:2.

2. Momentum

Dem FC Barcelona erstmals in seiner glanzvollen Champions-League-Geschichte mehr als vier Tore eingeschenkt und daraus am Ende gleich ein 8:2 gemacht zu haben - davon werden die Bayern-Spieler wohl noch ihren Enkeln erzählen.
Auf dem Weg zum historischen Schlachtfest war aber auch gleich mehrfach das Momentum wichtig, das im Spielverlauf immer wieder für die Bayern sprach.
Da war zum einen das wichtige Führungstor durch Thomas Müller (4.), das den Münchnern Sicherheit und Selbstvertrauen gab, zeigte, dass dieses alternde Barcelona (29 Jahre und 329 Tage im Schnitt) wirklich keine Übermannschaft ist.
Nach dem Alaba-Eigentor hatte dann Barça kurz Oberwasser, Manuel Neuer parierte jedoch gegen den frei vor ihm aufgetauchten Luis Suárez und verhinderte so den Rückstand (9.) - ein weiterer wichtiger Moment. Kurz darauf klatschte die Messi-Flanke an den Pfosten.
Mit dem 2:1 von Ivan Perisic (22.) aus spitzem Winkel hatte Bayern dann sein Mojo wiedergefunden. "Wir sind weitermarschiert. Das hat heute den Unterschied gemacht", sagte Leon Goretzka.
Als Barcelona in der zweiten Halbzeit durch Suárez auf 2:4 (57.) verkürzte und kurzzeitig an eine Aufholjagd dachte, gab ihnen Alphonso Davies den Rest.
Nahe an der Mittelinie angespielt, ließ er erstmal Messi aussteigen, schüttelte dann den Ex-Bayer Arturo Vidal wie eine lästige Fliege ab, umkurvte auf Höhe des Strafraums nach ein paar Wacklern auch noch Rechtsverteidiger Nelson Semedo, zog unwiderstehlich zum Tor und hatte dann auch noch das Auge für den einlaufenden Joshua Kimmich - 5:2 (63.).
"Mit dem Fünften war es durch", meinte der Torschütze: "Dann hat man es auch bei Barça gemerkt, dass da nicht mehr so viel geht." Oder wie Goretzka sagte: "Am Ende war's wie im Rausch."

3. Monster-Müller

Thomas Müller erlebt beim FC Bayern in dieser Saison gefühlt schon seinen dritten Frühling - dabei ist der Mann erst 31. Gegen den FC Barcelona belehrte er diejenigen, die ihn schon zum alten Eisen zählen (hallo, Bundestrainer), erneut eines Besseren.
In seiner Paraderolle als "falsche Zehn" lehrte er Barcelona zum zweiten Mal nach 2012/13 das Fürchten. Lautstark trieb er seine Mitspieler immer wieder an, spulte aber auch selbst ein wahnsinniges (Lauf-)Pensum ab. "Thiago, komm, schneller", hörte man ihn in der ersten Halbzeit einmal rufen. Da flitzte er auch schon wieder selbst in einen sich marginal öffnenden Raum.
Vor seinem 1:0 (4.) hatte Müller höchstpersönlich den Ball in der eigenen Hälfte erobert, einen mülleresken Doppelpass mit Robert Lewandowski gespielt und in leicht schlaksiger Müller-Manier vollendet. "Wie wir zusammengespielt haben, da geht mir das Herz auf", sagte der Angreifer hinterher beseelt.
Sein 4:1 (43.) setzte später den Schlusspunkt einer denkwürdigen ersten Halbzeit. Ein Treffer, der seinen Albtraum-Status für die Blaugrana unterstrich - es war bereits Müllers sechstes Tor gegen Barça, keiner hat den Katalanen in der Champions League öfter wehgetan.
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Thomas Müller (r.), Frenkie de Jong - FC Barcelona vs. FC Bayern München

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Bei Philippe Coutinhos 7:2 (85.) gab Müller zudem noch die Vorlage. "Wir haben gemacht, was wir wollten, und das kann man nicht oft nach solchen Champions-League-Nächten sagen", meinte Müller, der von der Uefa folgerichtig zum "Man of the Match" gekürt wurde und sogar ein seltenes Einzellob von Trainer Flick einheimste: "Das hat er sich auch verdient. Er war für uns immer wieder Signalgeber für unser Pressing. Das macht er einfach hervorragend."
Zu lange genießen wollte der 31-Jährige seinen Sahneabend aber nicht: "Wir können heute mit einem Lächeln einschlafen, aber ab morgen bereiten wir uns wieder auf das nächste Spiel vor."
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