Houssem Aouar ist Lyons Mann für große Spiele

Houssem Aouar von Olympique Lyon erbte die Nummer von Bayern-Star Correntin Tolisso und schickt sich an, der neue Superstar bei "OL" zu werden. Seine Vielseitigkeit ist sein großer Trumpf, Pep Guardiola behält ihn seit Jahren im Auge und Willy Sagnol vergleicht ihn mit einem der Größten. Im Halbfinale gegen den FC Bayern ist Aouar Lyons große Hoffnung - denn er ist gemacht für große Spiele.

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"Ich schaue nicht viel französischen Fußball", gab Manchester Citys Kevin De Bruyne nach der 1:3-Viertelfinalpleite in der Champions League gegen Olympique Lyon bei "RMC" zu, als er nach dem besten Spieler des Gegners gefragt wurde. "Aber wenn ich einen auswählen müsste, wäre das Houssem Aouar. Er hat heute ein gutes Spiel gemacht."
Kein Zufall, denn der 22-Jährige ist neben Flügelstürmer Memphis Depay DAS Aushängeschild der Lyonnaise und zeigt vor allem in der Königsklasse, dass er durchaus ein Mann für große Auftritte ist. Am Mittwoch trifft der Franzose mit algerischen Wurzeln im Champions-League-Halbfinale in Lissabon auf den FC Bayern (ab 21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) und trifft dabei auf den Spieler, der seinen steilen Aufstieg in den vergangenen Jahren begünstigte.

Houssem Aouar: Tolissos Nachfolger

Als Corentin Tolisso zur Saison 2017/2018 zum FC Bayern abwanderte, hinterließ er eine große Lücke im zentralen Mittelfeld. Tolisso war der absolute Star in Lyon, sollte eine Ära prägen. Doch die Bayern schlugen zu und bezahlten die damalige Rekordsumme von 42 Millionen Euro.
Sicherlich hätte Olympique diesesGeld nehmen und den Verlust durch den Zukauf eines ebenso teuren Stars kompensieren können, man entschied sich jedoch für die interne Lösung. Aouar sollte die Lücke schließen.
Als Zeichen dafür, dass man ihm zutraute, in die Fußstapfen Tolissos zu treten, erbte er dessen prestigeträchtige Nummer Acht. Eine Nummer, die schon Juninho einst trug. Der brasilianische Freistoßkünstler prägte als absoluter Superstar der Lyonnaise das erste Jahrzehnt der 2000er Jahre und damit die glorreichste Zeit der Vereinsgeschichte mit Meistertiteln in Serie.
Eine große Ehre also, aus der aber auch große Verantwortung folgt.

Pep Guardiola: Lotst er Aouar zu ManCity?

Lyon ist dafür bekannt, junge Talente auszubilden und auf hohem Niveau zu entwickeln. Karim Benzema, Alexandre Lacazette, Anthony Martial, Samuel Umtiti und Nabil Fekir sind prominente Beispiele für Spieler, die einst die Jugendakademie von OL durchliefen. Heute spielen sie bei den größten Klubs Europas. Einen Weg, den auch Aouar einschlagen kann und vermutlich auch wird.
"Er ist der neue Star in Lyon und die nächste Generation des Klubs”, schwärmt sein Kumpel und Real-Torjäger Benzema. "Seine starke Saison bestätigt das. Er ist ein super Spieler. Ich kenne ihn und schätze ihn sehr. Er kann es weit bringen."
Kein Wunder, dass bereits vor dem Viertelfinalspiel gegen Manchester City verschiedene französische Medien über ein Angebot des FC Arsenal für den Mittelfeldmann berichteten. Die Gunners wollten Aouar angeblich für eine hohe Ablöse plus Mittelfeldspieler Matteo Guendouzi nach London holen, Lyon lehnte jedoch dankend ab. Auch ManCity wird immer wieder Interesse an Aouar nachgesagt.
Pep Guardiola soll seit Jahren ein Auge auf den 22-Jährigen geworfen haben. Im April sagte er im "Daily Star": "Houssem ist ein sehr guter Spieler. Er ist unglaublich, er ist exzellent. Er bewahrt auch mit dem Ball am Fuß Ruhe und verfügt über eine exzellente technische Qualität."
Zudem sollen Juventus Turin und PSG interessiert sein. Die Gerüchtelage legt nahe, welch' großes Potenzial in Aouar steckt.

Houssem Aouar: Polyvalenz pur

Es ist vor allem seine Vielseitigkeit, die Aouar für Lyon so wertvoll macht. Seine Heimat befindet sich in der Mittelfeldzentrale, aber auch die linke und rechte Seite kann vom beidfüßigen Franzosen problemlos bespielt werden. Zudem konnte er in der abgelaufen Ligue-1-Saison auch als linker Flügelspieler überzeugen.
Es ist ebenso auffällig wie beeindruckend, dass Aouar gerade in den großen Spielen seine besten Leistungen abzurufen vermag. "Aouar war in den vergangenen Jahren außergewöhnlich gut in wichtigen Spielen", schätzt Ligue-1-Experte Cyril Morin von Eurosport in Paris ein. "Man konnte seine Qualitäten gegen Juve und City sehen. Sehr gute Dribblings, die Fähigkeit, den Ball auch mal zu halten. Er riecht das Spiel, spielt gute Pässe und hat sich kürzlich auch als Leader herausgestellt."

FC Bayern: Sagnol schwärmt von Aouar

Um im Champions-League-Halbfinale gegen das derzeit wohl stärkste Team Europas, den FC Bayern, bestehen zu können, bedarf es genau dieser Qualitäten Aouars, der in der Königsklasse in dieser Saison bereits auf sieben Scorerpunkte kommt (ein Tor, sechs Assists).
Ex-Bayern-Legende Willy Sagnol sieht in seinem Landsmann einen Rohdiamanten und vergleicht ihn im "Sportbuzzer" mit einem der Größten seiner Zunft: "Aouar kann ein super Achter werden. Er ist Toni Kroos ein wenig ähnlich. Er hat eine super Technik, ist fußballerisch sehr klug", beschreibt der ehemalige Außenverteidiger des Rekordmeisters und glaubt: "Wir sehen noch nicht sein Potenzial, dabei ist das riesig. In der Champions League macht er oft wirklich gute Spiele, in der Liga taucht er aber viel zu häufig ab."
Am Mittwoch kommt es zum wohl wichtigsten Spiel in der noch jungen Karriere Aouars. Für den FC Bayern ist daher höchste Vorsicht geboten.
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