FC Bayern München lebt nach Gala gegen Barcelona den Triple-Traum
Publiziert 15/08/2020 um 11:28 GMT+2 Uhr
Der FC Bayern München hat den FC Barcelona im Viertelfinale der Champions League nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen. Thomas Müller und Leon Goretzka konnten den dominaten Auftritt der Münchner nach dem Spiel gar nicht realisieren. Trainer Hansi Flick lobte sein Team für eine grandiose Leistung, blickte aber bereits in Richtung Halbfinale. Dort droht ein Wiedersehen mit Pep Guardiola.
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Es ist wahr. Auch am Tag danach. Acht zu zwei, ja – mit 8:2 besiegte, nein beherrschte der FC Bayern den FC Barcelona und filetierte den Stolz Katalonie. Fünf-Sterne-Fußball, acht Tore. Der blanke Wahnsinn von Lissabon.
4:1 hieß es bereits nach 31 Minuten, am Ende stand ein nahezu perfekter Auftritt der Münchner, die mit einer magischen Nacht das Halbfinale des "Final 8"-Turniers der Champions League erreicht haben. Der Triple-Traum des deutschen Doublegewinners lebt.
Diese Bayern haben es drauf, sie wirken derart titelhungrig als hätten sie in den letzten Jahren nie etwas gewonnen. Dabei stehen sie unter Chefcoach Hansi Flick nun bei 19 Pflichtspiel-Siegen in Folge. 28 Mal blieben die Nimmersatten zuletzt ungeschlagen.
FC Bayern: Müller und Goretzka können Glanzleistung noch nicht realisieren
Unglaublich. Schwer zu verdauen für das zerstörte Barça, das zuletzt 1946 in Sevilla mit acht Gegentoren gedemütigt wurde. Mit dem bemitleidenswerten deutschen Torhüter Marc-André ter Stegen und dem sechsmaligen Weltfußballer Lionel Messi, am Ende nur noch ein Häuflein Fado. Kaum zu glauben war die Demontage der einstigen Tiki-Taka-Hochburg, über Jahre das Nonplusultra des Vereinsfußballs, auch für die triumphalen Sieger selbst.
Womöglich fehlten im menschenleeren "Estádio da Luz", der Arena von Benfica Lissabon, die Emotionen der Fans als emotionaler Spiegel einer solchen Gala. Immerhin schienen sich die verwaisten roten Sitze im „Stadion des Lichts“ ob so viel Glanz und Gloria zu erheben. Und, mal ehrlich: acht Dinger? Im Champions-League-Viertelfinale? Gelang in der K.o.-Phase seit Einführung der Königsklasse 1992/93 niemandem.
"Wir können es noch gar nicht begreifen, weil wir noch einen hohen Puls haben", sagte Doppeltorschütze Thomas Müller kurz nach dem Schlusspfiff. Eine Mischung aus Stolz und Verwunderung stand in den Gesichtern, weggewischt von partiellem Dauergrinsen. "Sehr euphorisch", sei man, so Leon Goretzka, "es ist etwas ganz Besonderes. So richtig klar wird es wahrscheinlich erst in den nächsten Tagen. Richtig realisieren tut man es noch nicht."
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Thomas Müller (r.), Frenkie de Jong - FC Barcelona vs. FC Bayern München
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FC Bayern: Pure Dominanz in allen Belangen gegen Barcelona
Wie auch? Die Bayern, nun mit satten 39 Toren in neun Champions-League-Partien, kickten gespenstisch gut im Geisterspiel, ballerten sich in einen Rausch, setzen 26:8 Torschüsse ab. Und obwohl sie mehr Ballbesitz (55 Prozent) hatten, spulten sie fast zehn Kilometer mehr (insgesamt knapp 108) als der Torso namens Barça ab.
Auf der Busfahrt ins Mannschaftsquartier "Penha Longa" in Sintra, rund 30 Kilometer von Portugals Hauptstadt entfernt, wird ihnen wohl gedämmert haben, was sie zuvor fabrizierten. Dort angekommen applaudierten die Hotelangestellten, die Verneigung der Palmen war nicht nur auf den frischen Wind vom Atlantik zurückzuführen.
Mit dem Trainer- und Betreuerstab setzte man sich noch zusammen, doch wie bei allen Champions-League-Reisen sonst gab es ausgerechnet bei diesem Geschichtsbuch-Eintrag aufgrund der Corona-Pandemie kein Bankett. Keine Standing Ovations von Sponsoren und Vips. Keine Partystimmung, keine Jubelrede von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.
FC Bayern: Mögliches Halbfinale gegen Ex-Coach Pep Guardiola
Man hat ja auch noch was vor. Im Halbfinale am kommenden Mittwoch im Sporting-Stadion "José Alvalade" trifft man nun auf den Sieger aus dem letzten Viertelfinale zwischen Manchester City und Olympique Lyon. Wenn City sich durchsetzen würde - das hätte was. Die Bayern dann im ultimativen Duell mit Pep, mit ihrem Ex-Trainer Guardiola (2013-'16).
Der Schlüssel zum 8:2-Erfolg der Bayern gegen den spanischen Vizemeister FC Barcelona war neben Antreiber und Doppelpacker Müller das Kollektiv. Sechs unterschiedliche Torschützen, acht verschiedene Vorlagengeber. Einer für alle, alle für einen, für den Henkelpott.
"Wie wir zusammengespielt haben, da geht mir das Herz auf", meinte Müller, "wichtig ist, dass jeder bereit ist, sich auf dem Platz zu quälen." Die kraftraubende Pressing-Maschinerie ließ Barcelona im Spielaufbau keine Luft zum Atmen, für Goretzka waren die Bayern "von der ersten Sekunde an total griffig in den Zweikämpfen."
FC Bayern: Barcelona nur als Zwischenstation auf dem Weg zum Triple
Ein Begriff fiel im Wortschatz der Gnadenlosen immer wieder: brutal. Laut Joshua Kimmich hatte man "eine brutale Coolness" und "einen brutalen Fokus". Und zwar: "Extrem zielstrebig nach vorne und hinten sehr mutig." Goretzka hingegen fand das Pressing "brutal". Fazit von Müller: "Wir waren einfach brutal dominant."
Nun gilt es, sich zu erholen, Samstag und Sonntag sind lediglich regenerative Einheiten angesagt. Erfolgsgarant Flick – und das zeichnet ihn aus - versprühte brutalen Pragmatismus und die notwendige, gnadenlose Nüchternheit: "Wir erfreuen uns an diesem Spiel, aber wir wissen alle – und das war auch in der Kabine zu spüren -, dass wir noch einiges vor der Brust haben. Im Fußball kann es schnell gehen. Wir nehmen die Leistung und den Sieg gerne mit, aber wir müssen nun Kräfte für das Halbfinale sammeln. Wir sind froh, wissen aber auch, dass es noch ein hartes Stück Arbeit ist, am Ende da zu stehen, wo wir alle hinwollen."
Auf den Gipfel. Unter Triple-Fanfaren. "Wir sind noch nicht am Ende", meinte Kimmich. Barça schon. Bayern dagegen ist auf Kurs, brutal auf Kurs. Am Horizont erscheint das Jahr 2013.
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