FC Bayern vor entscheidenden Wochen: Wer alles auf der Kippe steht
Der FC Bayern München schärft seine Sinne für das Achtelfinale der Champions League gegen den FC Chelsea am Dienstag das offiziell die "heiße Phase" der Saison einläuten soll. Trainer Hans-Dieter Flick ist dabei bei weitem nicht der Einzige, dessen Zukunft bei Bayern über die Saison hinaus noch auf dem Spiel steht. Was wird aus Philippe Coutinho, Thiago und Co.? Ein Überblick.
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Aus London berichtet Florian Bogner
Bisschen schief war das Ständchen und Gott sei Dank schnell wieder vorbei.
Am Montagmorgen haben die Spieler des FC Bayern München ihren Trainer Hans-Dieter Flick kurz hochleben lassen, im Abschlusstraining morgens an der Säbener Straße, ehe es nachmittags ins klischeehaft regnerische London ging.
Flick beging seinen 55. Geburtstag also im Dienst. Morgens anwärmen, später fliegen – am Abend fand er sich dann noch an der Stamford Bridge zur Pressekonferenz ein, ehe es ins Hotel in Nähe der Themse und damit zu den letzten Vorbereitungen auf das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Chelsea (Di., 21:00 Uhr im Eurosport Liveticker) ging.
Rummenigge zufrieden – bis dato
Feierstimmung ist sportlich (noch) nicht angesagt, das machten die Bayern-Verantwortlichen, denen sich auch Ex-Präsident Uli Hoeneß anschloss, auf dem Weg nach London unmissverständlich klar.
Die Bayern mischen zwar in allen drei Wettbewerben noch mit. In der Bundesliga auf Platz eins, im DFB-Pokal noch dabei, in der Champions League nach sechs Siegen favorisiert gegen Chelsea – es könnte schlechter stehen. Aber eingefahren ist noch nichts.
“Er hat es sehr gut gemacht – bis dato”, urteilte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge am Montag deshalb auch erst mal vorsichtig über Flick. Man könne mit seiner Arbeit zufrieden sein, fuhr der 64-Jährige fort, verwendete aber erneut die Einschränkung “bis dato”.
FC Bayern läutet die heiße Phase ein
Rummenigge warnte auch davor, “jetzt schon mit dem Träumen anzufangen. Unser Ziel ist ins Viertelfinale zu kommen, dann wird man sehen.”
Keine Frage: Die Bayern schärfen ihre Sinne. “Die heiße Phase beginnt jetzt”, hatte der designierte Sportvorstand Hasan Salihamidzic am Montagmorgen via “kicker” ausrichten lassen und damit auch die personellen Vorbereitungen auf den Sommer, die nächste Saison gemeint.
Neben etwaigen Neuzugängen (Einschränkung Salihamidzic: “Drei Topspieler kann man in einem Jahr nicht kaufen”), die es einzutüten gilt, müssen sich die Bayern auch Gedanken machen, wer weiter das Vertrauen erhält. Flick ist eine dieser noch ungeklärten Personalien. Hier der Stand bei Bayerns Wackelkandidaten.
Hans-Dieter Flick
Aktuell sieht alles nach einer Weiterbeschäftigung des Trainers aus – wenn die Ergebnisse weiter stimmen. Rummenigge ist prinzipiell von Flicks Einfühlungsvermögen überzeugt, lobte zuletzt immer wieder die offensiv-attraktive Spielweise unter dem ehemaligen Kovac-Co.
“Er hat einen klaren Matchplan”, sagte Rummenigge dem “kicker”, verglich sogar:
Mit ihm sei “wieder die FC-Bayern-Philosophie in die Mannschaft” gekommen.
Ein Achtelfinal-Aus in der Champions League gegen Chelsea wäre allerdings gleichbedeutend mit einem kapitalen Fehlschlag. “Klar, haben wir große Ansprüche international”, sagte Rummenigge am Montag: “Und im letzten Jahr war nach dem Ausscheiden im Achtelfinale die Enttäuschung groß …” Eine Aussage, die tief blicken lässt.
“Unser Anspruch ist, in der Champions League eine gute Rolle zu spielen und sie wieder zu gewinnen”, sagte Salihamidzic.
Weil Bayern auch in der Liga noch keinen komfortablen Vorsprung hat, sind Gespräche über Flicks Zukunft erst für Mai geplant. Große Alternativen für den 55-Jährigen zeichnen sich jedoch nicht ab. Heißt: Kommt Bayern international mindestens ins Viertelfinale und gewinnt die Meisterschaft, darf Flick (wohl) bleiben.
Philippe Coutinho
Der Brasilianer kommt in 28 Spielen für Bayern auf 15 Scorerpunkte – neun davon allerdings in drei Bundesliga-Spielen (Paderborn, Köln, Bremen). Von Niko Kovac früh in den Himmel gelobt, ist die Leihgabe des FC Barcelona unter Flick nicht gesetzt.
“Ich finde, er hat manche Spiele gut gespielt und in manchen vermittelt er den Eindruck, als wenn er gehemmt ist”, sagte Rummenigge am Montag: “Ich weiß nicht, woran das liegt.” Man müsse hoffen, “dass er in den entscheidenden Spielen zu einem wichtigen Faktor” werde, “damit wir am Ende des Tages auch Titel gewinnen”.
Flick sagte:
An eine Weiterbeschäftigung über den Sommer hinaus ist aktuell aber erst mal nicht zu denken – die auf 120 Millionen Euro taxierte fixe Ablöse hat Coutinho (noch) nicht gerechtfertigt.
Manuel Neuer
Öffentlich sind die Bayern-Oberen bei Neuer nach dem Nübel-Transfer, der den Keeper offenkundig überrascht hatte, auf Schmusekurs und verhandeln mit dem 33-Jährigen über eine (mutmaßlich) letzte Verlängerung des 2021 auslaufenden Vertrags.
Unklar ist jedoch noch, wie sich Neuer und Nübel künftig Einsatzzeiten teilen sollen und ob der Nationaltorhüter sich darauf überhaupt einlässt. In den vergangenen Wochen überzeugte Neuer mit starken Leistungen – bis er gegen Paderborn beim zwischenzeitlichen 1:1 patzte.
Corentin Tolisso
Der Franzose ist nach seinem im Herbst 2018 erlittenen Kreuzbandriss noch nicht wieder der Alte. Unter Flick bekommt der Mittelfeldmann nur wenig Spielzeit. Wenn er darf, überzeugt er nicht. “Zweifel existieren”, sagte er im November reflektierend.
Laut “Sport Bild” soll ihn Bayern deshalb abgeben und damit Platz für Neuzugänge (Kai Havertz?) machen wollen. Ergo: Heißer Wechselkandidat im Sommer.
Thiago Alcántara
Sein Vertrag läuft wie bei Thomas Müller und David Alaba 2021 aus – und anders als bei Müller und Alaba ist noch unklar, ob die Bayern ihn halten wollen.
Vertragsgespräche sind derzeit bei allen dreien ausgesetzt; die Bayern wollen erst sehen, wohin die Reise in den kommenden Wochen geht. Der Spanier hat sich jedoch bei Flick wieder ins Team gespielt, wird auch in London in der Startelf stehen.
Jérôme Boateng
Auch einer, dessen Vertrag 2021 ausläuft – der Sommer bietet also, wenn Bayern nicht verlängern will (wonach es aussieht), letztmals die Möglichkeit auf eine Ablösesumme. Der Innenverteidiger wollte 2019 schon weg und durfte nicht, weil Mats Hummels zurück zum BVB ging.
Aktuell sind Klub und Verteidiger auf Versöhnungskurs – und Boateng spielt wieder regelmäßiger. Mit 31 Jahren steht er nun aber vor seinem letzten großen Vertrag – gut möglich, dass er den woanders unterschreibt.
Ivan Perisic
Aktuell mit einem Bruch am Knöchel außer Gefecht; die Leihgabe von Inter Mailand hat den Bayern aber offenbar schon signalisiert, dass er an einer Weiterbeschäftigung in München interessiert ist.
Den Außenstürmer, der in 22 (zum Teil kurzen) Einsätzen auf fünf Tore und acht Vorlagen kommt, könnten die Bayern wahrlich gut gebrauchen; Stichwort: Erfahrung. 20 Millionen Euro fixe Ablöse sind für Bayern ein gutes Geschäft. Zum Rückspiel gegen Chelsea will der Kroate übrigens wieder fit sein.
Sven Ulreich
Der Neuer-Backup kam diese Saison noch überhaupt nicht zum Einsatz. Mit dem Transfer von Alexander Nübel (FC Schalke 04) und einem stärker werdenden Christian Früchtl in der Hinterhand sind die Tage des Ex-VfB-Keepers in München zumindest mittelfristig gezählt, zumal sich Ulreich schon 2019 Gedanken über einen Wechsel machte.
Javi Martínez
Von den Fans als “Maschinez” gefeiert, jedoch oft verletzt. Als Sechser zu schwach im Spielaufbau, als Innenverteidiger zu langsam – der 31-Jährige ist im Sommer ein Wechselkandidat, auch wenn er sich gerade nach seinem Muskelbündelriss im rechten Oberschenkel wieder ans Team rankämpft.
Álvaro Odriozola
Die Leihgabe von Real Madrid war die kleine Lösung, als es im Winter galt, das Loch auf der rechten Verteidigerposition zu stopfen. Deswegen wurde auch keine Kaufoption vereinbart.
Ergo: Der Spanier, der bei seinem ersten Startelfeinsatz gegen Paderborn nur durchschnittlich spielte, wird im Sommer aller Voraussicht nach nicht beim FC Bayern bleiben.
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