Der 3. April 2018 war ein Tag, an dem bei Juan Bernat nicht viel zusammenlief. Im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Sevilla (2:1 für Bayern) bekam Bernat Pablo Sarabia in der ersten Halbzeit zu keiner Zeit in den Griff, mehrfach wurde der FC Bayern auf der linken Seite überlaufen. Mittendrin Bernat, der beim 0:1 gegen Sarabia zu zögerlich in den Zweikampf ging und auch in der Folge schwindelig gespielt wurde. Die Quittung: Trainer Jupp Heynckes nahm ihn zur Halbzeit raus, Bernat wurde im Sommer für den halben Preis, den Bayern 2014 an den FC Valencia überwiesen hatte (zehn Millionen Euro), an Paris Saint-Germain weitergereicht.

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Ein knappes halbes Jahr nach Sevilla sollte Bernat allerdings erst so richtig sein Fett weg kriegen, als ihn sich Uli Hoeneß am 19. Oktober 2018 in einem legendären Rundumschlag zur Brust nahm. "Als wir in Sevilla gespielt haben, war er allein dafür verantwortlich, dass wir fast ausgeschieden wären. An dem Tag haben wir beschlossen, dass wir ihn verkaufen. Er hat Scheißdreck gespielt und hätte uns fast die Champions-League-Saison gekostet", lauteten die legendären Worte des damaligen Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß. Und:

"Das Wohl und Wehe des FC Bayern hängt nicht von Juan Bernat ab!"

Juan Bernat: Rasanter Start beim FC Bayern

Ein trauriger Schlussakt für den Linksverteidiger, dessen Zeit in München eigentlich vielversprechend begonnen hatte.

Juan Bernat (re.) im Duell mit Pablo Sarabia (li.) von Sevilla

Fotocredit: Getty Images

Im Schatten von Top-Transfer Robert Lewandowski, der zur Saison 2014/15 aus Dortmund an die Isar wechselte, kam auch der damals in Deutschland völlig unbekannte 21-jährige Bernat zum FC Bayern - Trainer Pep Guardiola soll sich bei den Bayern-Verantwortlichen energisch für Bernat eingesetzt haben.

"Er rennt und spielt 1000 Mal nach vorne und nach hinten. Ich wusste nicht, dass er so gut ist. Er spielt immer giftig und ist sehr schnell. Er ist super für diesen Verein", schwärmte Guardiola kurz nach dem Einstand seines Landmannes.

Weil David Alaba in der Innenverteidigung gebraucht wurde (Parallele zu 2019/20) und auch zweimal mit Innenbandrissen im Knie ausfiel, sichert sich Bernat direkt einen Stammplatz, kam in der Bundesliga auf 31 Partien und in der Champions League in jedem Spiel zum Einsatz. Der damalige Sportvorstand Matthias Sammer attestierte Bernat "eine Weltklasse-Entwicklung".

Bernat kommt immer weniger zum Zug

Doch nach einer starken Debütsaison fiel Bernat aus der ersten Elf. Das lag vor allem an Alaba, der zu alter Stärke zurückfand und wieder links verteidigen durfte.

"Natürlich ist es nicht einfach. Wir sind hier bei Bayern München, wo der Konkurrenzkampf groß und jede Position hart umkämpft ist", meinte Bernat 2017 in der "tz". Da war Guardiola in München schon längst Geschichte. Doch auch unter den Nachfolgern Carlo Ancelotti und Jupp Heynckes kam er nur noch sporadisch zum Einsatz.

Juan Bernat (re.) musste bei Bayern oft für David Alaba (li.) Platz machen

Fotocredit: Getty Images

Unter Thomas Tuchel bei PSG ist Juan Bernat gesetzt

Bernats große Chance zur Rehabilitation scheint in Sevilla gekommen, als Alaba wegen einer Rückenblessur nicht zur Verfügung steht. Doch er versiebt sie - und Hoeneß tritt nach.

In Paris startet der Spanier 2018 einen Neuanfang - und überzeugt auf Anhieb.

"Bernat war eine echte Überraschung, mit der niemand gerechnet hat", meint Vincent Bregevin, Fußball-Experte von Eurosport in Frankreich. "Bernat schien nicht der richtige zu sein, die Lücke die Maxwell hinterlassen hatte, zu schließen. Darauf deutete auch Hoeneß' Reaktion. Aber Bernat hat ihn Lügen gestraft."

Trainer Thomas Tuchel vertraute dem 1,70 Meter kleinen Bernat und der zahlte das Vertrauen mit guten Leistungen zurück. In der Liga sowie der Champions League ist er seit seinem Wechsel 2018 gesetzt. Beim Finalturnier 2020 krönte der Spanier seinen starken Auftritt im Halbfinale gegen RB Leipzig mit einem Kopfballtor, dem ersten seiner Profikarriere.

"Er hat sehr viele Qualitäten und eine sehr gute Einstellung. Er ist professionell und liefert immer ab. Das ist sehr gut für uns", lobte Tuchel Bernat bereits während der Saison. Und auch Ex-Coach Ancelotti adelte Bernat in der "L’Equipe": "Er ist derzeit einer der besten Linksverteidiger in Europa. Er ist wirklich sehr gut am Ball und technisch fantastisch."

Champions-League-Finale: Juan Bernat kan Uli Hoeneß Lügen strafen

Im Champions-League-Finale gegen den FC Bayern hat Bernat am Sonntag (21:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) die Gelegenheit, mit PSG nach der Meisterschaft, dem Pokal, dem Ligapokal und dem Supercup den fünften Titel der Saison zu holen.

"Vor allem in großen Spielen liefert Bernat immer ab", prognostiziert Fußball-Experte Bregevin: "Ich bin mir fast sicher, dass Hoeneß danach nicht mehr auf ihn schimpfen wird."

Vor allem das Duell zwischen dem Spanier und Bayerns Serge Gnabry dürfte ein Schlüsselduell in diesem Endspiel werden. Gelingt es Bernat den deutschen Nationalspieler aus dem Spiel zu nehmen, erhöhen sich die Chancen von Paris auf den Titel immens.

Und Hoeneß würde eines Besseren belehrt werden. Denn Juan Bernat ist längst ein gestandener Linksverteidiger auf hohem europäischen Niveau, der auch in der Champions League überzeugt.

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