Es war ein Witz. Und die Pointe saß. Timo Werner wurde am Samstag gefilmt, als er im Wembley-Stadion das FA-Cup-Finale zwischen seinem neuen Team FC Chelsea und dem FC Arsenal verfolgte. Dabei tippte er offensichtlich eine Nachricht in sein Smartphone.

RB Leipzig, sein ehemaliger Verein, veröffentlichte bei Twitter daraufhin einen vermeintlichen WhatsApp-Screenshot: "Timo Werner schreibt gerade…". Die Message dahinter war klar: Das Spiel von Chelsea war so schlecht, dass sich sogar der Star-Neuzugang wieder wegwünscht.

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Chelsea-Coach Frank Lampard fand in seiner Analyse dann auch tatsächlich wenig Positives. Sein reduziertes Fazit: "Wir waren nicht gut genug."

Probleme bei Chelsea liegen tiefer

Im Prinzip war das treffend zusammengefasst, die Probleme, die Chelsea vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Bayern München (Samstag, 21:00 Uhr im Liveticker) hat, gehen selbstverständlich tiefer. Die Blues trifft die Länge der Saison aktuell besonders hart.

Vor dem Arsenal-Spiel hatten sich die Leistungsträger Ruben Loftus-Cheek und Willian mit Muskelproblemen abgemeldet, während der Partie verletzten sich Kapitän und Abwehrleader César Azpilicueta sowie Offensiv-Ass Christian Pulisic jeweils am Oberschenkel, während sich "Joker" Pedro bei einem Zweikampf die linke Schulter auskugelte.

Lampards Sorgenfalten waren groß, als er sagte, dass dieses Trio definitiv in München fehlen würden. Gesperrt sind Jorginho und Marcos Alonso. Vor der Reise nach Deutschland pfeifen er und sein Team aus dem letzten Loch. Angesichts eines aufzuholenden Rückstandes von 0:3 aus dem Hinspiel scheint eine furiose Aufholjagd in der Allianz Arena dazu schwer möglich.

Es ist eine alte Weisheit aus dem Sport, doch die scheint sich bei den Blues einmal mehr zu bewahrheiten: Fehlt die Kondition, leidet die Konzentration. In der Schlussphase musste Arsenal das Spiel lediglich verwalten, vom gebeutelten und demoralisierten Chelsea ging keine Gefahr mehr aus.

"Es war eine anstrengende Saison für uns und die Spieler haben alles gegeben", sah Lampard immerhin. Azpilicueta versuchte, an die positiven Momente dieser Saison zu erinnern: "Wir müssen nur auf uns schauen. Vor zwei Wochen haben im das Halbfinale ManUnited wirklich kontrolliert." Nur daran können sich die Blues in dieser Trainingswoche noch aufrichten.

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Ohnehin scheint es an der Stamford Bridge allerdings so zu sein, dass die Gedanken schon eher in Richtung der neuen Saison und weniger um das Spiel gegen Bayern kreisen. Mit Werner, Hakim Ziyech und eventuell auch Kai Havertz wird die Offensive das neue Prunkstück werden. In München sind die Neuen aber noch nicht spielberechtigt. Der Schuh drückt sowieso in der Defensive.

Keine Struktur in der Defensive

Chelsea presst unheimlich hoch und aggressiv. Doch die Gegner haben sich mittlerweile darauf eingestellt und überspielen die Pressinglinien immer gezielter. Chelsea fehlt in solchen Momenten die Ordnung in der Rückwärtsbewegung. Die Folge sind viele Eins-gegen-Eins-Duelle und Chancen für den Gegner. Hat dieser dann Vollstrecker wie Pierre-Emerick Aubameyang oder wie Bayern einen Robert Lewandowski, Thomas Müller, Kingsley Coman oder Serge Gnabry ist das Gegentor eine Frage der Zeit.

So attraktiv der Chelsea-Stil in der Offensive auch ist oder wird, so anfällig wirkt die Abwehr. Das Problem zieht sich durch die ganze Spielserie.

Lampard hat dem Team in dieser Saison, die für Chelsea auf einem sehr guten vierten Platz endete und die erneute Qualifikation für die "Königsklasse" bedeutete, viele ansehnliche Impulse gegeben. Mittelfristig wird der Trainer aber daran gemessen werden, ob es ihm gelingt der Mannschaft auch ein strukturiertes Defensiv-Konzept zu verpassen.

Erste mahnende Artikel wurden bereits in englischen Medien veröffentlicht. Eine hohe Niederlage in München würde die Defensiv-Debatte weiter befeuern - Witze auf Chelsea-Kosten inklusive.

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