Mon dieu! Da könnte Thomas Tuchel sprichwörtlich wie Gott in Frankreich leben und bei PSG seine Zeit genießen, die in den kommenden Wochen eine historische werden könnte. Das Quadruple ist möglich, der erste Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte, die lange herbeigesehnte Rolle als Nummer eins in Europa. Stattdessen: Kritik, Sorgen, Ärger.

Das Unheil nahm vor exakt einer Woche seinen Lauf, paradoxerweise an einem sehr erfolgreichen Abend. PSG kämpfte im Endspiel um den französischen Pokal AS St. Etienne mit 1:0 nieder, verlor dabei aber Superstar Kylian Mbappé. Der 21-Jährige wurde von Loïc Perrin brutal umgegrätscht und wird wohl drei Wochen ausfallen. Tuchel schäumte, der Schiedsrichter habe seine "Spieler nicht genug geschützt".

Champions League
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27/07/2020 AM 15:35

Spielerkritik an Tuchel? Meldung sorgt für Aufsehen

Im Nachgang der Partie sorgte eine Meldung der Zeitung "Le Parisien" für Wirbel, wonach Tuchel trotz aller Erfolge herber Kritik aus dem Kreis seiner Profis ausgesetzt sei. Demzufolge stoße einigen nicht namentlich genannten Spielern sauer auf, dass sich in der Mannschaft alles um Mbappé und Neymar drehe.

Der Pokalsieg sei das beste Beispiel dafür. Nach dem Aus für Mbappé in der 33. Minute habe Tuchel die Taktik dermaßen radikal umgestellt, dass vom dynamischen PSG-Stil nicht mehr viel zu erkennen gewesen sei. Überdies habe er nur drei von fünf Möglichkeiten genutzt, Auswechslungen vorzunehmen. Der Trainer, so laute der Vorwurf, behindere die Entwicklung der Mannschaft und der Spieler.

Unabhängig davon, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht, die Fokussierung auf Mbappé und Neymar ist einer der Hauptgründe für den Erfolg. Der Franzose steht aktuell bei 30 Pflichtspieltreffern und 18 Assists, der Brasilianer liegt bei 19 Toren und zehn Vorlagen - beides absolute Topwerte.

Die angebliche Missstimmung ist französischen Medienberichten zufolge aber nicht nur mit den Personalien Mbappé und Neymar zu erklären, sondern auch mit der Trainingssteuerung von Tuchel. Mittelfeldspieler Idrissa Gueye soll sich über zu lasche und zu kurze Einheiten beschwert haben und auch mit seiner eigenen Rolle nicht zufrieden sein. Der Wahrheitsgehalt der Meldung lässt sich freilich schwer nachprüfen, immerhin aber sah sich Tuchel vor etwa einer Woche dazu veranlasst, den 30-Jährigen als "super wichtig" einzustufen und ihm damit demonstrativ ein positives Signal zu senden.

Tuchel hofft auf "Wunder" bei Mbappé

Derweil arbeitet die medizinische Abteilung des Vereins mit Hochdruck daran, Mbappé fit zu bekommen Tuchel beschwört sogar höhere Mächte und würde am liebsten "ein Wunder geschehen lassen". Nicht im Hinblick auf das Endspiel im Ligapokal gegen Olympique Lyon 1 (heute ab 21:10 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de), wohl aber für die Champions League.

PSG trifft am 12. August im Viertelfinale auf Atalanta Bergamo. "Die Zeit wird sehr knapp, das ist klar", gab Tuchel zu und macht auch keinen Hehl daraus, dass es "einen sehr großen Einfluss auf unser Spiel" habe, wenn man auf den Superstar verzichten müsse.

Nach Mbappé-Verletzung: Tuchel kritisiert Saint-Étienne scharf

Ergebnistechnisch betrachtet befindet sich Paris Saint-Germain auf einem sehr guten Weg. Im Juli fertige man in zwei Testspielen Zweitligist Le Havre AC mit 9:0 und den schottischen Topklub Celtic Glasgow mit 4:0 ab, es folgte das 1:0 im Coupe de France gegen Saint Etienne.

Drei Spiele, drei Siege, 14:0 Tore - kann sich sehen lassen. Inwieweit die abgebrochene Meisterschaft in der Ligue 1 und die damit längere Erholungsphase ein Vor- oder Nachteil im Vergleich zu den Champions-League-Konkurrenten ist, muss sich erst noch weisen.

Fest steht, dass Tuchel auf einem guten Weg ist, auch wenn er sich noch im Februar beißende Kritik an seiner Arbeit anhören musste. Vereinslegende Luis Fernández ätzte im Interview mit der "dpa", dass der 46-Jährige "weit entfernt vom Niveau eines Jürgen Klopp, Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti" sei.

Schlimmer noch: Beziehe man die Ergebnisse der vergangenen Saison mit ein, sei Tuchel seit dem Einstieg von Qatar Sports Investments im Jahr 2011 "der schlechteste Trainer", den PSG bisher gehabt habe. Mon dieu!

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