Vor genau einem Jahr war - oh Wunder - ebenfalls Oktober. Der 2019er, um genau zu sein.
Nun hat sich seitdem nicht nur weltpolitisch viel verändert, auch sportlich weht ein anderer Wind. Besonders beim FC Bayern ist so gut wie nichts mehr, wie es vor 365 Tagen war.
Damals war Niko Kovac als Trainer des deutschen Rekordmeisters in seinen letzten Zügen, die Mannschaft taumelte und fast niemand hätte wohl auf einen Champions-League-Erfolg des Klubs gesetzt. Nichts sprach für die "Roten".
Champions League
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20/10/2020 AM 18:10
Ein Jahr später sind die Münchner amtierender Titelträger in Europas Königsklasse und haben auch nebenher jeden verfügbaren Pokal eingesammelt. Deshalb gilt der Tabellenführer der Bundesliga auch in der neuen Saison als Favorit in der Champions League.
Dafür sprechen insbesondere fünf Gründe. Wir haben sie vor dem ersten Gruppenspiel der Bayern gegen Atlético Madrid (ab 21:00 Uhr im Liveticker) aufgeschrieben.

1. Die verbesserte Kadertiefe

Auf den ersten Blick sahen die Namen gar nicht so spektakulär aus. Auf lange Sicht könnte der ausgedehnte Einkaufsbummel, den Sportvorstand Hasan Salihamidzic am Deadline Day absolvierte, für den Klub aber zum Faustpfand werden.
Der Kader ist jetzt deutlich tiefer besetzt als noch zu Beginn der Saison. In Eric Maxim Choupo-Moting, Bouna Sarr, Douglas Costa und Marc Roca wurden Spieler verpflichtet, die sich auch mit einem Platz in der zweiten Reihe anfreunden können, gleichzeitig aber gutes Niveau haben. Das hält die Stammelf auf Trab und sorgt auch im Training für Druck.
Gleichzeitig bindet Hansi Flick Jugendspieler und Emporkömmlinge aus der zweiten Mannschaft geschickt ein, verteilt munter Einsatzminuten.
"Wir haben jetzt mehr Optionen. Deswegen bin ich damit zufrieden. Wichtig wird sein - man hat es jetzt auch bei Liverpool mit van Dijk gesehen - dass es möglichst wenige Verletzungen gibt. Dann bin ich absolut überzeugt davon, dass wir die Qualität haben, um wieder erfolgreich zu sein – vielleicht sogar so erfolgreich wie letztes Jahr", sagt er.
Der Trainer wittert die Gunst der Stunde.

Triple-Feier des FC Bayern: Hansi Flick (l.) mit Hasan Salihamidzic // Foto: FC Bayern

Fotocredit: Eurosport

2. Die Konkurrenz zittert wieder

Es war schon beeindruckend, was der FC Bayern im Spätsommer da so in Lissabon auf die Beine stellte. Und es machte Eindruck, über das Finalturnier hinaus.
Besonders die Demontage des großen FC Barcelona samt Lionel Messi sorgte quer durch Europa für Gesprächsstoff. Auch, dass die Mannschaft gegen die beiden französischen Vertreter Lyon und PSG auf dem Weg zum Titelgewinn ohne Gegentor bliebm wurde registriert.
Viel mehr als die schnöden Ergebnisse, beeindruckte aber die Art und Weise, die nach Außen getragene Geschlossenheit des Teams und Betreuerstabs. "Die Chemie im Verein scheint derzeit einfach zu stimmen. Bis auf Thiago hat man auch alle Leistungsträger gehalten. Ich wüsste nicht, wer diese Lücke schließen sollte", sagt Fußball-Insider Alessandro Brunetti von Eurosport-Italien über den deutschen Meister.
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Gerade wenn man bedenkt, dass europaweit keine Spitzenmannschaft deutlich verbessert aus der kurzen Sommerpause kam.

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3. Die Offensive ist wohl die beste Europas

Serge Gnabry, Thomas Müller, Leroy Sané und obendrauf Robert Lewandowski. Allein diese vier Namen auf dem Aufstellungsbogen treiben jedem gegnerischen Trainer den Schweiß auf die Stirn.
Die Offensive der Bayern muss sich - nicht nur auf dem Papier - vor keiner vergleichbaren teaminternen Ansammlungen von Offensivkräften in der Champions League verstecken. Besonders Müller und Lewandowski können derzeit einfach nichts falsch machen.
In der noch kurzen neuen Saison kommen die beiden schon wieder auf kombinierte zwölf Tore und acht Assists. Müller machte sieben, Lewandowski sechs Spiele. Neuerdings feiern sie sich dafür mit fragwürdigen Wortspielen auf Instagram. Das ist vielleicht ihre einzige Schwäche...

4. Der Druck aus der Liga fehlt

Die Bayern waren müde. Ganz zu Saisonbeginn - das Schalke-Spiel mal ausgeklammert - war das zu merken. Hoffenheim zeigte die Schwächen des, damals noch viel zu kleinen Kaders, auf. Sonst aber niemand.
Und auch sonst sprang in der Liga kein Team so richtig in die Bresche. Dortmund verlor in Augsburg, Leverkusen und Mönchengladbach starteten zu durchwachsen. Einzig Leipzig blieb ungeschlagen und übt zumindest etwas Druck auf den achtfachen Titelverteidiger aus.
Wirklich ins Schwitzen dürfte an der Säbener Straße in Anbetracht der Leistungen der Konkurrenz aber niemand geraten. Bayern hat schon nach vier Spieltagen als Zweiter Zugriff auf die unmittelbare Tabellenspitze. In den direkten Duellen mit RB und BVB wird man versuchen, diese mit der besten Elf zu überflügeln.
Gegen den Rest der Liga dürfte die 1b-Vertretung reichen. Das hat der bisherige Saisonverlauf gezeigt. Bleibt mehr Kraft für die Champions League.

Müller und Lewandowski vom FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

5.Der Hunger ist ungebrochen

"Wir wollen so erfolgreich wie möglich sein - und da gehört die Champions League auch dazu." Wer diesen Satz von Trainer Flick liest, kann erahnen, dass kein Nachlassen vom FC Bayern zu erwarten ist.
Getreu der inoffiziellen "Mia-san-mia-Vereinssatzung" hat sich auch die aktuelle rote Generation auf die Fahne geschrieben, immer weiter Erfolge einfahren zu wollen. Zu allem Überfluss befinden sich nach dem Umbruch-light genug Spieler im Kader, die den Henkelpott selbst noch gar nicht in den Händen gehalten haben.
Der Hunger ist also ungebrochen. Ob er am Ende zu einem weiteren Festmahl auf großer Bühne führt, wird man sehen. Die Chancen darauf, stehen jedenfalls gut.
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