Angesichts der 2:3-Niederlage aus dem Hinspiel stand der FC Sevilla von Beginn an unter Zugzwang. Zwei Tore brauchten die Andalusier mindestens, um noch die Chance auf das Weiterkommen zu wahren.
Dementsprechend gingen die Gäste von Beginn an früh drauf und setzten Borussia Dortmund unter Druck. So entstand auch die erste Torchance nach einem bösen Fehlpass von Emre Can in Bedrängnis. Lucas Ocampos fing den Ball ab und zog von der Sechzehnerkante aus ab. Marwin Hitz wehrte den Schuss mit einer Hand ab (3.).
Auch danach lief Sevilla weiter mit hohem Tempo an. Der BVB schaffte es kaum, Ruhe ins eigene Spiel zu bekommen und verlor die Bälle viel zu schnell. Mit einer tollen Einzelleistung erarbeitete Ocampos die nächste Gelegenheit für die Gäste. Zunächst ließ er Mateu Morey aussteigen und ging dann mit einem Tunnler an Can vorbei. Dann legte der Argentinier auf Suso ab, der aus halbrechter Position knapp vorbeischoss (18.).
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Von Dortmund kam offensiv fast gar nichts. Doch praktisch aus dem Nichts fiel dann der Führungstreffer. Nico Schulz klaute im Verbund mit Thomas Delaney den Ball und schaltete schnell um. Mo Dahoud steckte auf Marco Reus durch, der in den Rückraum auf Erling Haaland ablegte. Der Norweger schob durch die Beine von Diego Carlos zum 1:0 ein (35.).
Sevilla war nach dem Gegentor sichtlich gefrustet und schaffte es trotz fortdauernder Feldüberlegenheit nicht mehr gefährlich vor das Tor. So ging es mit einer glücklichen Führung aus Dortmunder Sicht in die Pause.
Die zweite Hälfte begann mit einer dicken Chance für den BVB. Haaland erlief einen langen Ball und legte in den Rückraum auf Thorgan Hazard. Der Belgier hatte viel Platz, zielte aber am langen Eck vorbei (46.).
Wenig später wurde es kurios. Zunächst brachte Haaland den Ball nach einem unwiderstehlichen Lauf im Tor unter (48.). Doch Schiedsrichter Cüneyt Cakir nahm den Treffer nach Ansicht der TV-Bilder zurück. Haaland hatte Fernando im Zweikampf umgestoßen. Stattdessen gab es dann aber Elfmeter für den BVB, da Jules Koundé Haaland in der Szene zuvor im Strafraum am Trikot gezogen hatte.
Der 20-Jährige trat selbst zum Strafstoß an, scheiterte an Bono und brachte auch den Nachschuss nicht im Tor unter (52.). Zunächst wurde weitergespielt, doch dann bekam Cakir vom Videoschiedsrichter das Signal, dass Bono sich zu früh von der Linie gelöst hatte - der Elfmeter wurde wiederholt. Wieder schoss Haaland flach ins rechte Eck und wieder bekam Sevillas Keeper noch die Fingerspitzen an den Ball, doch dieses Mal fand die Kugel den Weg ins Tor – das 2:0 (54.).
Wegen eines provokanten Jubels von Haaland in Richtung Bonos, der seinerseits nach dem ersten Strafstoß einige Worte in Richtung des Norwegers übrighatte, sah Haaland noch die Gelbe Karte.
Sevilla hatte nun viel Wut im Bauch und rannte noch einmal an. In der 68. Minute bekamen die Andalusier dann den Anschlusstreffer praktisch geschenkt. Bei einer Flanke schubste Can den eingewechselten Luuk de Jong zu Boden, obwohl Hitz wohl an den Ball gekommen wäre. Youssef En-Nesyri setzte den Ball kraftvoll an die Unterkante der Latte, von wo er zum 1:2 ins Tor ging.
Die Gäste schöpften nochmal etwas Hoffnung, doch Hitz faustete im Verbund mit der Dortmunder Abwehr alle Flanken aus der Gefahrenzone. Stattdessen hatte Dahoud noch die große Chance, alles klarzumachen. Der BVB konterte gegen aufgerückte Spanier in Überzahl, doch den Flachschuss des Mittelfeldantreibers parierte Bono mit einer starken Tat (84.).
Sekunden vor dem Abpfiff schaffte Sevilla dann doch noch den Ausgleich. Der eingewechselte Ivan Rakitic bekam zu viel Platz und flankte auf En-Nesyri, der einen wuchtigen Kopfball zum 2:2 ins Netz wuchtete (90.+5). Es blieben den Spaniern 30 Sekunden, in denen sie in Person von Rakitic sogar nochmal in den Strafraum kamen, aber keinen Abschluss mehr zustande bekamen.
So stand am Ende ein hart umkämpftes Unentschieden, das den Dortmundern den ersten Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse seit 2017 sicherte. Bei Sevilla wird die Enttäuschung über das Ausscheiden nach einem aufopferungsvollen Kampf groß sein.

Erling Haaland jubelt kniend - Borussia Dortmund vs. FC Sevilla

Fotocredit: Getty Images

Die Stimmen zum Spiel:

Edin Terzic (Trainer Borussia Dortmund): "Wir sind total glücklich. Es ist nicht selbstverständlich für uns gewesen in den letzten Jahren, so weit zu kommen. Ich bin jedem Einzelnen dankbar. Es war kein guter Start von uns, weil wir sofort auf den Hinterfuß gekommen sind. Wir haben dann nicht für Entlastung sorgen können. Aber auch da waren wir bereit, uns in jeden Ball zu werfen. Das macht uns sehr stolz, dass wir diese Phase gut überstanden haben. Dann wurde es auch fußballerisch besser. Zum Ende wurde es nochmal eng. Das sind dann halt die K.O.-Spiele. Da gibt es keine Regeln mehr, sondern die einzige Regel ist weiterzukommen und das haben wir geschafft und da sind wir extrem glücklich darüber."
Erling Haaland (Borussia Dortmund): "Es war ein schweres Spiel. Ich bin jetzt müde, aber es fühlt sich sehr gut an, in der nächsten Runde zu stehen. Wir wussten, dass sie sehr hart spielen würden.
Zum Elfmeter: Bono stand vor der Linie. Wenn er auf der Linie gestanden hätte, hätte ich den ersten schon getroffen. Dann habe ich getroffen, als er nicht mehr geschummelt hat. Um ehrlich zu sein, war ich beim zweiten Elfmeter ein bisschen nervös. Aber als er mir nach dem ersten Tor ins Gesicht geschrien hat, habe ich mir gedacht, es wäre am besten, noch ein zweites Tor zu schießen. Vielleicht war es Karma."
Thomas Delaney (Borussia Dortmund): "Das war ein Ziel von uns, hier weiterzukommen. Es ist nie leicht, in der Champions League zu spielen. Es gibt zwei Spiele und es ist die K.O.-Phase, warum also nicht alles geben und die Daumen drücken, dass wir noch einen Schritt machen."
Sebastian Kehl (Leiter Lizenzspielerabteilung Borussia Dortmund): "Das war ein geiler Fight heute. Die kämpferische Einstellung hat absolut gestimmt. Wir wussten, dass wir heute extrem gefordert werden in diesem Bereich. Wir haben fußballerisch ein paar Lücken gehabt. Aber das ist heute egal. Wir haben uns gewehrt gegen eine erfahrene Mannschaft und sind am Ende verdient weitergekommen."

Das fiel auf: Keine Lehren aus dem Bayern-Spiel

Beim Spiel gegen den FC Bayern am vergangenen Wochenende gab Borussia Dortmund nach einer starken Anfangsphase noch einen 2:0-Vorsprung aus der Hand. Das lag vor allem daran, dass der BVB zu passiv agierte und sich nur noch auf die Verteidigung beschränkte. Die Partie gegen Sevilla begann nach dem 3:2-Sieg im Hinspiel mit ähnlichen Vorzeichen. Doch die Borussia schien nicht aus den Fehlern gegen die Bayern gelernt zu haben. Wie schon im Bundesliga-Spitzenspiel ließen sich die Schwarz-Gelben tief in die eigene Hälfte drängen. Dass dieser Umstand nicht bestraft wurde, lag mehr an den Gästen als an Dortmunds guter Defensivarbeit. 65 Prozent Ballbesitz und eine Torschussbilanz von 7:2 zur Halbzeit sprachen eine klare Sprache von Sevillas Überlegenheit. Der glückliche Führungstreffer zog den Spaniern dann aber ein wenig den Stecker. In der zweiten Hälfte machte es Dortmund dann besser, was an einer besseren Einstellung lag, aber auch dem positiven Spielverlauf geschuldet war. In den Schlussminuten musste der BVB dann aber auch nochmal zittern und hatte Glück, dass Sevilla das Spiel nicht noch in die Verlängerung schickte.

Der Tweet zum Spiel:

Erling Haaland zeigt, wie echte Freude aussieht. Nach dem Führungstreffer hob er Vorlagengeber Marco Reus kurzerhand wie ein kleines Kind in die Luft.

Die Statistik: 20

An fast jedem Champions-League-Spieltag stellt Erling Haaland einen neuen Rekord auf. Mit seinen Treffern 19 und 20 im 14. Spiel gelingt ihm ein weiterer. Zum einen ist er der Spieler, dem dies mit Abstand am schnellsten jemals gelang. Weiterhin darf er sich nun norwegischer Rekordtorschütze in der Champions League nennen, nachdem er den heutigen Trainer von Manchester United, Ole Gunnar Solskjaer (19 Tore), hinter sich ließ.
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