Die Welle der Entrüstung, die nach den in der Nacht zum Montag von zwölf Großklubs gleichzeitig veröffentlichten Plänen zur Gründung einer neuen, selbstverwalteten Super League losrollte, erfasste alles und jeden, der es mit dem Fußball hält.
Wer bisher dachte, der Fußball könne sich gar nicht mehr weiter von seiner Basis entfernen, sah sich am Montagmorgen eines Besseren belehrt. Wobei diese Formulierung irreführend ist - denn besser, da ist sich die große Mehrheit der Fußballfans in Deutschland sicher, macht dieser neue, durch maßlose Gier entstandene Wettbewerb gar nichts. Im Gegenteil.
In einer Blitzumfrage der Voting-App FanQ im Auftrag des Sport-Informations-Dienstes (SID) gaben 84,97 Prozent der Anhänger an, die exklusive Liga sei der "Tod des Fußballs".
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Stellt sich die Frage: Wer sind die Henker?

Der Anführer: Florentino Pérez

Da wäre zum einen Florentino Pérez. Der Real-Präsident, der gerade seine letzte Amtszeit (bis 2025) bei den Königlichen angetreten ist, steht dem Komplott bestehend aus sechs Premier-League-Klubs, drei Serie-A-Klubs und drei Teams aus der spanischen Liga als erster Vorsitzender der sogenannten Super League vor.
"Wir werden dem Fußball auf jeder Ebene helfen und ihn an seinen rechtmäßigen Platz in der Welt bringen", wird der 74-Jährige in dem Statement, das die Fußballwelt am Montag in Angst und Schrecken versetzte, zitiert.
Ein ehrenhafter Gedanke, der durch die Einführung des Wettbewerbs in seiner bisher dargelegten Form jedoch komplett konterkariert wird. Eine Super League, bei der sich 15 permanente Starter ohne vorherige Qualifikation Milliardensummen zuschieben, hilft eben ausschließlich diesen 15 Klubs. Der Rest der Fußballwelt wird durch einen von blanker Gier getriebenen, selbstherrlichen Akt links liegen gelassen und letztlich im Eiltempo abgehängt. Einen Weg zurück gibt es dann nicht mehr.

Florentino Pérez bleibt bis 2025 Präsident von Real Madrid

Fotocredit: Getty Images

Pérez jedoch stellt fast ein wenig heuchlerisch den guten Willen in den Vordergrund. Man würde schließlich versuchen, "den Wünschen der vier Milliarden Fußballfans zu entsprechen".
In Wirklichkeit geht es dem Oberhaupt der Königlichen, wie allen anderen Beteiligten, ausschließlich darum, noch größere Geldsummen zu generieren.
Koste es, was es wolle.

Die rechte Hand: Andrea Agnelli

In Juve-Boss Andrea Agnelli hat Pérez den perfekten Verbündeten gefunden. Als Stellvertreter des ersten Vorsitzenden braucht es schließlich jemanden, der bedingungs-, ja sogar skrupellos handelt.
Den Beweis, aus diesem Holz geschnitzt zu sein, trat er noch in der Nacht zum Montag an, als er als Vorsitzender der ECA, der European Club Association, zurückzog. Die Vertreter der anderen elf Vereine folgten.
"Wir haben uns in diesem kritischen Moment zusammengetan, um den europäischen Wettbewerb zu verändern, das Spiel, das wir lieben, auf eine nachhaltige Grundlage für die langfristige Zukunft zu stellen", heißt es von Agnelli in der Erklärung. Blöd nur, dass er zuvor als Vorsitzender der ECA maßgeblich an den Planungen zur Reform der UEFA Champions League beteiligt war.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (l.) und Juventus-Präsident Andrea Agnelli

Fotocredit: Getty Images

Es ist daher nachvollziehbar, dass UEFA-Präsident Aleksander Ceferin in Agnelli "die größte Enttäuschung von allen" sieht. Aleksander Ceferin, pikanterweise Patenonkel der Tochter des Juve-Bosses, ging hart mit diesem ins Gericht: "Ich habe noch nie eine Person getroffen, die so viel gelogen hat."
Die Nerven liegen blank.

Die linke Hand: Joel Glazer

Neben Agnelli ist auch der US-amerikanische Unternehmer und Milliardär Joel Glazer einer der zwei Vizepräsidenten der Super League. Ganz nebenbei fungiert der 51-Jährige als Vorstandsvorsitzender von Manchester United und Vizepräsident von des NFL-Teams und amtierenden Superbowl-Siegers Tampa Bay Buccaneers.

Ole Gunnar Solskjaer macht ein Selfie mit Avram und Joel Glazer, den Eigentümern von Manchester United

Fotocredit: Getty Images

Er ist neben Pérez und Agnelli der einzige, der in der Erklärung der zwölf Vereine zu Wort kommt. Und zwar so: "Durch die Zusammenführung der weltbesten Vereine und Spieler wird die Super League ein neues Kapitel für den europäischen Fußball aufschlagen, ein Weltklassewettbewerb wird damit sichergestellt und finanzielle Unterstützung für die breitere Fußballpyramide erhöht."
Ein Satz, der dem ohnehin nicht sonderlich beliebten Funktionär keine Sympathien einbringen wird. Bereits im Juni 2005 geriet er zusammen mit seinem Bruder in eine brenzlige Situation bei der Abwicklung eines Deals. Damals, im Zuge der Übernahme von Manchester United, hinderten Demonstranten die beiden Amerikaner am Verlassen des Stadions. Erst eine herbeigerufene Polizeieskorte konnte Glazer und seinen Bruder befreien.

Der Gelackmeierte: Aleksander Ceferin

Natürlich ist Aleksander Ceferin als Präsident der UEFA und Repräsentant der augenscheinlich angegriffenen Champions League in erster Linie der Gelackmeierte. Doch schaut man genauer hin, ist seine Mitschuld an den Entwicklungen nicht zu verkennen.
Der Slowene verpasste es in seiner Funktion als Oberhaupt der europäischen Fußball-Union, das aktuelle und durchaus anerkannte Champions-League-Format vor der Gier einiger Großklubs zu verteidigen. Die mittlerweile verabschiedete Reform der Königsklasse zur Saison 2024/25 sollte die Granden beschwichtigen, kam fast einem Kniefall gleich - und reichte dennoch nicht aus.

Aleksander Ceferin

Fotocredit: Eurosport

Was Ceferin übrig bleibt, ist die harte verbale Keule. Stellung beziehen - unmissverständlich und in aller Deutlichkeit. Die Pläne der zwölf Klubs verurteilte er deshalb als "schändlich" und "eigennützig". Der Wettbewerb sei ein "Schlag ins Gesicht all derjenigen, die den Fußball lieben. Es geht um Gier, Eigennutz und Narzissmus einiger Personen. Wir sind alle vereint gegen diesen Nonsens eines Projekts", sagte der 53-Jährige am Montag.
Ceferins anschließende Drohung, Spieler von Super-League-Teams künftig nicht nur aus den nationalen Ligen zu verbannen, sondern ihnen auch die Teilnahme an Welt- und Europameisterschaften zu untersagen, wirkt wie der Griff nach dem letzten Strohhalm. Sie scheint zum jetzigen Zeitpunkt aber das einzige Druckmittel zu sein, das bleibt.
Bleibt zu hoffen, dass Ceferin im Fall der Fälle Stärke beweist und seinen Worten auch Taten folgen lässt.
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