Exakt 100 Tage nach dem Champions-League-Sieg in Lissabon schickte Trainer Hansi Flick in der für Bayern sportlich bedeutungslosen Partie wie erwartet eine B-Elf um Torwart Alexander Nübel und den 17-jährigen Profidebütanten Bright Akwo Arrey-Mbi aufs Feld. Mit Jamal Musiala stand zudem ein weiterer 17-Jähriger in der Münchener Startelf. Vom 3:1-Sieg in Stuttgart am Wochenende blieben somit nur David Alaba und Lucas Hernández übrig.
Bayern-Schlussmann Nübel bekam von Atlético wenig Zeit zur Eingewöhung und wurde in den Anfangsminuten gleich zwei Mal gefordert. Erst zeigte sich der Keeper bei einem von Javi Martínez aufs eigene Tor abgelenkten Ball aufmerksam (4.) und hielt kurz darauf auch einen Abschluss von Angel Correa aus 14 Metern sicher fest (7.).
Die zusammengewürfelte Bayern-Mannschaft kam aus dem Spiel heraus kaum einmal zu Abschlüssen, sodass ein missglückter Versuch von Leroy Sané von der Strafraumgrenze zunächst die einzige Gelegenheit blieb (14.).
Serie A
Verstärkung für die Defensive: Bayern will offenbar Gosens
VOR 18 MINUTEN
Atlético intensivierte in der Folge seine Offensivbemühung und ging nach weiteren Warnschüssen von José María Giménez (22.) und Yannick Carrasco (23.) schließlich nach 26 Minuten in Führung. Nach einem Einwurf auf der rechten Seite ließen die Bayern Atléticos Marcos Llorente zu viel Platz. Der Spanier kratzte den Ball von der Grundlinie an den Fünfer, wo João Félix einen Schritt schneller als Niklas Süle war und aus kurzer Distanz zur Führung traf (26.).
Jamal Musiala sorgte mit einer feinen Einzelaktion nochmal für einen halbwegs gefährlichen Abschluss (31.), mehr kam von den Bayern bis zum Pausenpfiff aber nicht. Kurz vor der Pause hätte Vorlagengeber Llorente dann um ein Haar das 2:0 für Madrid nachgelegt, setzte seinen Abschluss aus elf Metern aber um Zentimeter über die Latte (38.).
Im zweiten Durchgang änderte sich zunächst wenig am Spielverlauf: Atlético dominierte das Geschehen ohne wirklich gefährlich zu werden, die Bayern fanden offensiv bis auf einen harmlosen Distanzschuss von Eric-Maxim Choupo-Moting nicht statt (59.).
Als in einer vor sich hinplätschernden Begegnung bereits alles nach einem knappen Atlético-Sieg aussah, vermasselte der eingewechselte Thomas Müller den Spaniern kurz vor Schluss den vorzeitigen Achtelfinal-Einzug. Atlético-Verteidiger Felipe ließ gegen Müller im Strafraum das Bein stehen und verursachte einen unstrittigen Strafstoß. Der Gefoulte trat selbst an und verwandelte platziert zum 1:1-Endstand in die rechte Ecke (86.).
Atlético verpasst damit den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale und hat in der kommenden Woche ein Endspiel um Platz zwei gegen Salzburg.

Die Stimmen:

Hansi Flick (Trainer FC Bayern): "Ich bin vom Ergebnis her sehr zufrieden. Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die mit voller Kapelle angetreten ist. In der ersten Halbzeit waren wir nach vorne nicht ganz so aktiv. Deshalb haben wir in der zweiten Halbzeit auch umgestellt. Dann waren wir besser im Spiel."
Alexander Nübel (FC Bayern): "Es war ein Fight. Wir hatten viele Veränderungen im Team, aber haben den Kampf angenommen. Wir haben uns das Unentschieden am Ende definitiv verdient."
Eric-Maxim Choupo-Moting (FC Bayern): "Wir haben uns in das Spiel gebissen und den Kampf angenommen. Umso schöner, dass wir uns am Ende noch belohnen konnten."
João Félix (Atlético Madrid): "Wir haben sehr gut gespielt. Es ist sehr frustrierend, dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben."
Marcos Llorente (Atlético Madrid): "Wir haben heute einen sehr wichtigen Sieg aus den Händen gegeben. Wir hätten es verdient gehabt, heute zu gewinnen. Jetzt müssen wir das Ergebnis schnell aus den Köpfen kriegen und uns auf die Liga konzentrieren."

Der Tweet zum Spiel: Meilenstein für Alaba

David Alaba absolvierte gegen Atlético sein 400. Pflichtspiel für den FC Bayern und trug beim Triplesieger in dieser Partie gar die Kapitänsbinde.

Das fiel auf: Missglücktes Experiment mit der Dreierkette

Der FC Bayern lief gegen Atlético erst zum zweiten Mal in der Ära Flick mit einer Dreierkette auf. Niklas Süle, David Alaba und Lucas Hernández bildeten das Dreigespann im Abwehrzentrum und wurden auf den Flügeln von Bouna Sarr rechts und Bright Arrey-Mbi links flankiert. Im Spiel gegen den Ball verdichten die Bayern das Zentrum enorm, im Spiel mit Ball schoben Sarr und Arrey-Mbi weit nach vorne.
Das Pressing von Atlético konnten die Münchener so zwar meist umgehen, wirkten aber sofort umgeordnet, sobald die Madrilenen das Tempo etwas anzogen. In eigenem Ballbesitz machte sich die Personalrochade in Kombination mit der neuen taktischen Ausrichtung aber deutlich bemerkbar. Spätestens im letzten Drittel fehlten Automatismen und Ideen bei den Gästen, sodass Gefahr - wenn überhaupt - nur von Einzelaktionen ausging. Nach einer Stunde beendete Flick das Experiment und stellte mit den Einwechslungen von Serge Gnabry, Thomas Müller und Chris Richards wieder auf eine Viererkette um.

Die Statistik: 16

Zwar ging Bayern 15 Spiele andauernde Siegesserie in der Champions League diesem Abend zu Ende, dafür sind die Bayern seit nunmehr 16 Spielen in der Königsklasse unbesiegt. Die letzte Niederlage setzte es im März 2019 beim 1:3-Achtelfinalaus gegen den späteren Sieger Liverpool.
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