"Abstauber" Timo Werner hat den FC Chelsea und Trainer Thomas Tuchel ins Champions-League-Finale geführt.
Die bärenstarken Blues stürmten durch ein hochverdientes 2:0 (1:0) gegen Rekordsieger Real Madrid in das Endspiel von Istanbul, wo sie am 29. Mai in einem englischen Duell mit Manchester City und Pep Guardiola um Europas Fußball-Krone kämpfen.
Der immer wieder kritisierte und teils verspottete Werner per Kopf (28.) und Mason Mount (85.) erzielten die Tore der Gastgeber, bei denen auch die beiden anderen Nationalspieler Kai Havertz und Antonio Rüdiger ein starkes Spiel zeigten.
Champions League
Chelsea gelingt historisches Final-Doppel
05/05/2021 AM 22:08
Spielbericht: Sieg gegen Real: Werner führt Chelsea ins Champions-League-Finale
Drei Dinge, die uns auffielen.

1. Chelsea macht einfach Spaß!

Mit dem Schlusspfiff ballte Thomas Tuchel die Siegerfaust. Der Einzug ins Finale der Champions League war nach zwei exzellenten Auftritten gegen Real Madrid vollkommen verdient und Grund zur ausgiebigen Freude. Tuchel selbst hat großen Anteil daran, dass Spiele von Chelsea mittlerweile ein Genuss geworden sind. Innerhalb kürzester Zeit hat es der ehemalige Bundesliga-Trainer geschafft, ein eher durchschnittlich anmutendes Team zu einer absoluten Spitzenmannschaft zu machen.
"Chelsea hat Real klar beherrscht", stellte "Sky"-Experte und Ex-Chelsea-Akteur Michael Ballack richtig fest. Es war tatsächlich wunderbar anzusehen, wie die einzelnen Mannschaftsteile ineinandergriffen. Ob Pressing, Gegenpressing, Positionsspiel, Tempo oder die Bereitschaft, mit vollem Einsatz zu verteidigen - gegen Real zeigte Chelsea kaum Schwächen.
Tuchel macht die Spieler besser. Es ist förmlich spürbar, wie Akteure wie Timo Werner, Kai Havertz, Antonio Rüdiger oder auch Mason Mount, Christian Pulisic und Andreas Christensen das Vertrauen des Trainers bekommen und es in starke Leistungen umwandeln.
N'Golo Kanté (acht Ballgewinne) ist im zentralen Mittelfeld ohnehin überragend. Real war dessen Anlauftempo nie gewachsen. Was alle auszeichnet: Mut, Überzeugung und Biss. "Alle bringen Bereitschaft mit, sich gegenseitig abzusichern. Das war vom ersten Tag bis heute so und darauf bin ich sehr stolz", lobte Tuchel sein Team.

Christian Pulisic (left) and Mason Mount (FC Chelsea)

Fotocredit: Getty Images

Einen Makel gibt es allerdings noch: Das "Ch" in Chelsea könnte gut und gerne auch für Chancenwucher stehen. Werner, Havertz, Mount und Co. lassen einfach noch zu viele gute Möglichkeiten ungenutzt liegen. Real bestrafte diese Nachlässigkeit ausnahmsweise nicht. Im Finale dürfen sich die Blues solche Nachlässigkeiten eher nicht erlauben.

2. Werner hat den Kopf frei

So manch ein Kritiker ist für diese Fakten wahrscheinlich nicht bereit, doch sie stehen nun mal in seiner Bilanz, seiner ersten in England wohlgemerkt. Kein Chelsea-Spieler traf in dieser Saison bislang öfter als Timo Werner (12). Er weist die meisten Assists auf (10) und war in den letzten seiner neun Pflichtspiele an sechs Toren beteiligt (2/4).
Der Kopfball-Abstauber nach Lattenschuss von Havertz zum wichtigen 1:0 gegen Real am Mittwochabend (sein vierter Treffer in der Champions League) war eine Konsequenz seines unermüdlichen Einsatzes.

Timo Werner trifft zum 1:0 - FC Chelsea vs. Real Madrid

Fotocredit: Getty Images

"Im Hinspiel war ich der Depp, deshalb freut es mich sehr, dass ich den Fehler wieder gutmachen konnte. Durch mein Tor musste Real aufmachen und hat uns viele Räume zum Kontern gegeben", analysierte Werner bei "Sky". Er wirkte erleichtert, gut gelaunt und in sich ruhend. Egal, wie stark ihm der Wind auf der Insel auch entgegenblies, er blieb gerade und wird nun belohnt.
"Das sind Tore, da verstummen deine Kritiker", weiß Ballack. Wie schnell sich Emotionen umkehren, hat nicht nur die Frau von Thiago Silva in ihrem Instagram-Video bewiesen. Werner machte keinen Hehl daraus, was ihm der Einzug ins Finale bedeutet: "Es ist ein Kindheitstraum wahr geworden."

3. Endstation für den Ü-30-Express

In der Meisterschaft hat Real Madrid noch alle Chancen auf den Titel (Tabelle La Liga), doch gegen Chelsea schnauften Sergio Ramos (35 Jahre alt), Luka Modric (35), Toni Kroos (31) und Karim Benzema (33) wie Dampfloks. Trainer Zinédine Zidane hat aus seinen Routiniers in dieser Saison noch einmal alles herausgepresst – für den CL-Titel reichte die Kraft nicht mehr.
Ohne die nötige Kraft mangelte es an Konterabsicherung, Restverteidigung war ein Reizwort für Real. Die Rückkehr des Kapitäns Ramos brachte auch keinen Effekt. Eden Hazard war an alter Wirkungsstätte ein Totalausfall. Zwei Chancen von Benzema waren da - mehr nicht.

Sergio Ramos (Real Madrid)

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Das blaue Bollwerk stellte sämtliche Wege zum Tor clever zu. Lange nagen wird die Niederlage an den hochdekorierten Real-Stars wohl kaum. Sie sind lange genug dabei, um zu erkennen, dass sie an ihre Grenzen gekommen sind und sich nun voll auf den Titelkampf konzentrieren können.
"Ich bin glücklich und stolz, dass meine Spieler unter diesen Bedingungen überhaupt ins Halbfinale gekommen sind. Wir haben alles gegeben", konstatierte Zidane. Dass im Sommer ein Umbruch stattfinden wird, steht außer Frage. Das Team muss stark verjüngt werden, ein Star-Stürmer soll kommen. Das neue Stadion wird zudem eingeweiht. Interessant wird, mit welchen finanziellen Mitteln, die Königlichen auf dem Transfermarkt zuschlagen wollen. Der Verein ist hochverschuldet.
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