Bayern und Müller voll aufgedreht: Drei Dinge, die auffielen

Thomas Müller überzeugt beim 6:2-Sieg des FC Bayern München in der Champions League beim FC Salzburg mit Mund und Fuß - ganz anders als die Abwehr des Triplesiegers, die erneut sehr viele Torschüsse zulässt, sich am Ende aber bei Jérôme Boateng und Manuel Neuer bedanken kann. Die junge Salzburger Truppe zahlt dagegen erneut Lehrgeld. Drei Dinge, die uns auffielen.

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Thomas Müller war auch nach dem Spiel kaum zu bremsen. Angesprochen auf die Vertragsposse zwischen David Alaba und dem FC Bayern München, meinte das Bayern-Urgestein nach dem 6:2 beim FC Salzburg im dritten Spiel der Gruppe A, dass solche Scharmützel ja durchaus ihren Reiz hätten.
"Wir bei Bayern wollen ja auch, dass sich was rührt", sagte Müller bei "Sky", "und es ist ja auch schön, wenn es ein bisschen knistert. Ich hab' das früher auch gerne gelesen, wenn es wieder hieß 'FC Hollywood' und so. Da waren wir live dabei!"
Ein bisschen was hatte sich zuvor auch über 90 Minuten in Salzburg gerührt. Wie schon beim 2:1 bei Lok Moskau wackelte Bayern, aber fiel nicht. "Wir hätten schon auf 3:1 stellen können, doch dann kriegen wir eins und es wurde tatsächlich nochmal spannend", resümierte Müller. Insgesamt seien die Bayern aber "schon ganz okay" gewesen - bei 6:2.
Sah auch Trainer Hans-Dieter Flick so. "Ich bin mit der Mentalität meiner Mannschaft sehr zufrieden", sagte der 56-Jährige. "Wir haben uns dagegengestemmt. Wir sind nach dem 2:2 zurückgekommen und haben das Spiel klar entschieden." Sogar ohne viel Hollywood.
Drei Dinge, die uns in Salzburg sonst noch auffielen.

1.) Radio Müller voll aufgedreht

Thomas Müller hat ja mal von Hermann Gerland den Spitznamen "Radio Müller" verliehen bekommen. Warum, bekamen die Fernsehzuschauer am Dienstagabend live mit. Bei Geisterspielatmosphäre waren die Mikrofone in Salzburg nämlich besonders sensibel eingestellt, man hörte viel vom Platz. Oder besser, man hörte: Müller.
Dass er am 75. Geburtstags seines Namensvetters Gerd Müller besonders gut drauf sein würde, merkte man schon vor dem Spiel, als Müller - der jüngere - bei der Champions-League-Hymne Faxen machte.
Als der Ball dann rollte, quakte der falsche Bayern-Zehner unentwegt vor sich hin. So erklärte er seinen Mitspielern bei ruhenden Bällen gerne, wie sie in den nächsten Situationen zu laufen ("Lucki lässt ihn liegen für dich, das ist ein Signalball") oder zu passen hatten ("Wir müssen den Ball schon da hinschlagen, wo wir eine Chance auf den zweiten Ball haben - das ist wichtig!").
Oder er verdeutlichte Gegenspieler Ramalho, dass dieser im Zweikampf mit Robert Lewandowski doch ein bisschen zu theatralisch zu Boden gesunken war ("Mensch Ramalho! Du schaust so männlich aus und dann plärrst du hier so rum!").
In seinem 547. Pflichtspiel für Bayern – jetzt Gleichstand mit Hans-Georg "Katsche" Schwarzenbeck und nur noch 18 Einsätze hinter der Feldspieler-Bestmarke von Gerd Müller – glänzte der 31-Jährige aber nicht nur mit seinem Mundwerk.
So war Müller, diesmal wieder in seiner Paraderolle als "falscher Zehner" vor allem im ersten Durchgang extrem umtriebig unterwegs. Vor dem 1:1 durch Robert Lewandowski (21./Elfmeter) holte Müller clever den Strafstoß raus, beim 2:1 semmelte er dem Eigentorschützen Rasmus Kristensen den Ball höchstpersönlich aus spitzem Winkel auf die Glatze, so dass der Däne fast keine Ausweichmöglichkeit mehr hatte (44.).
Statistisch gab das zwar keinen einzigen Scorerpunkt – Müller hielt Bayern so aber zumindest auf Kurs und hatte auch seinen Anteil am 14. Bayern-Sieg in der Champions League in Folge. Mit 10,65 Kilometern spulte er zudem nach Joshua Kimmich (11,27) die zweitmeisten Bayern-Kilometer ab. Wie heißt es selbst in der Kreisliga? Wer quaken kann, kann auch laufen.

2.) Boa, ey! Aber Bayerns Abwehr wackelt

Jérôme Boateng durfte sich nach dem Spiel durchaus als Matchwinner feiern lassen: Sein Kopfballtor nach Ecke von Kimmich zum 3:2 (79.) ließ schließlich erst das Pendel auf die Bayern-Seite ausschlagen.
Dennoch offenbarten die Bayern auch gegen Salzburg wieder einige Abwehrschwächen. Boateng selbst hatte seine Geschwindigkeitsprobleme mit den flinken Hausherren, David Alaba verteidigte mehrfach etwas verloren im Raum. Rechtsverteidiger Benjamin Pavard erwischte sogar einen richtig gebrauchten Tag und verlor reihenweise Zweikämpfe.
"Es war das erwartet schwere Spiel", sagte Boateng: "Salzburg hat sehr gut gespielt. Wir hatten gute Phasen, aber auch schlechte Phasen, gerade in der zweiten Halbzeit." Ohne den angeschlagenen Leon Goretzka im Zentrum hatte aber auch Kimmich Probleme, die Löcher neben Corentin Tolisso zu stopfen.
Insgesamt fehlte Bayern aber vor allem der Zugriff im Gegenpressing, was die Mannschaftsteile zu weit auseinanderzog und Salzburg Räume anbot. "Das Spiel hat mich nicht wirklich überrascht", meinte Müller: "Salzburg spielt sehr intensiv, sehr risikoreich, vielleicht sogar ein bisschen ähnlich wie wir. Deswegen war es klar, dass es ein Schlagabtausch werden könnte."
Ergebnis des Schlagabtauschs: Hatte Bayern vergangene Woche schon 15 Schüsse von Lok Moskau zugelassen, waren es diesmal sogar 18 von Salzburg (bei 21 eigenen). "Mit ihren guten Läufen in die Tiefe haben sie uns das ein oder andere Mal kalt erwischt", meinte Trainer Hans-Dieter Flick auch leicht zerknirscht: "Für neutrale Zuschauer war das sicher ein Top-Spiel. Für uns Trainer nicht so."
Das Gute: Bayern hat ja auch noch Manuel Neuer. Der ließ sich zwar von Mergim Berisha beim 0:1 mit einem strammen Schuss ins kurze Eck überraschen (4.), parierte aber auch stark gegen Ramalhos wuchtigen Kopfball (17.) und packte in der 46. Minute gegen Enock Mwepu eine echte Weltklasseparade aus. Der Rest war Boateng überlassen.

3.) Salzburg zahlt Lehrgeld

Der FC Salzburg und die Champions League – das war lange so gar keine Liebesbeziehung. Schließlich waren die Mozartstädter zwischen 1995 und 2019 gleich 13-mal in der Qualifikation gescheitert.
Spätestens seit dem Halbfinaleinzug in der Europa League 2017/18 unter Marco Rose, als man auf dem Weg unter anderem Borussia Dortmund (2:1, 0:0) ausschaltete, sind die Salzburger jedoch an der Schwelle zum oberen Regalbrett (und mittlerweile auch in der Champions League) angekommen.
Allein: Es fehlt der letzte Schritt. Schon 2019/20 brachte das offensivstarke Team von Jesse Marsch den FC Liverpool (3:4) und den SSC Neapel (2:3) an den Rand einer Niederlage und sorgte mit 16 Treffern und Platz drei in der Gruppe vor dem KRC Genk für einen Achtungserfolg.
Nach drei Spielen der aktuellen Saison steht Salzburg nun wieder bei sechs Toren, ist aber nur Tabellenletzter. "Es ist wirklich schade", meinte der amerikanische Trainer Jesse Marsch: "Gegen Atlético (2:3, Anm. d. Red.) und Bayern hätten wir Unentschieden spielen können und gegen Lok (2:2, Anm. d. Red.) gewinnen müssen. Aber so haben wir nur einen Punkt."
Mit sieben U23-Spielern in der Startelf angetreten, machten es die Marsch-Jungs auch den Bayern 78 Minuten lang richtig schwer, fuhren aber erneut nicht die Ernte ein.
"Das war 75 Minuten A+, wie wir in Amerika sagen, und danach ein F", bilanzierte Marsch. Das 2:6 gäbe "das Spiel nicht gut wieder. Wir haben die ersten 75 Minuten gegen die beste Mannschaft der Welt sehr gut gespielt. Dann bekommen wir noch vier Gegentore. Das ist Wahnsinn."
Zur Salzburger Realität gehört nämlich auch: 24 Gegentore in neun Champions-League-Spielen unter Marsch. Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.
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