Pep Guardiola brauchte nach dem 2:0 gegen Paris Saint-Germain nicht lange, um die Perspektive zu verändern. "Der Einzug ins Endspiel der Champions League hilft uns, das größere Bild zu sehen", dozierte der Teammanager von Manchester City auf der Pressekonferenz.
Die Message ist nicht schwer zu verstehen: Mit Investitionen in schwindelerregender Höhe ist es eben nicht getan, es braucht auch Weitsicht, eine sportliche Entwicklung, höchste Qualität auf allen Ebenen. "Was wir in den vergangenen vier Jahren geleistet haben, ist unglaublich. In der Premier League, im Ligapokal, in jedem Wettbewerb", so Guardiola.
Die Klubführung um den Vorsitzenden Khaldoon Al Mubarak bewies Geduld mit dem Star-Coach.
Champions League
Drei Dinge, die auffielen: Pep hat ein Monster erschaffen - PSG implodiert
04/05/2021 AM 22:10
Viermal in Folge durfte Guardiola mit City spätestens im Viertelfinale scheitern, selbst nach dem Aus gegen vermeintlich unterlegene Gegner wie Olympique Lyon (2020) oder AS Monaco (2017) genoss der Katalane das Vertrauen der Verantwortlichen.

Erster CL-Final-Einzug für ManCity: Guardiola dankt den Klub-Legenden

Zum Vergleich: Halbfinal-Gegner PSG, der ebenfalls von Millionen-Investitionen aus der Golf-Region lebt, hatte in dieser Zeit drei Trainer und setzte vor einem halben Jahr Thomas Tuchel vor die Tür, obwohl der den Klub in der vergangenen Saison ins erste CL-Finale der Klubgeschichte geführt hatte.

Guardiola hat ein Monster erschaffen

Guardiola hat also recht, wenn er die langfristige sportliche Entwicklung als wesentlichen Grund für die Teilnahme am Endspiel ins Feld führt. Es ist beeindruckend, wie dominant die Skyblues auftreten. Gegen PSG gelang der siebte Sieg in der Königsklasse Europas in Folge - was bis dato noch kein Team aus der Premier League schaffte.
Guardiola hat seiner Auswahl ein kompaktes System verordnet, für den Gegner ergeben sich kaum Räume. Beim Pressing läuft City nahezu perfekt geschlossen an, agiert bei Ballbesitz technisch herausragend. Offensivstars wie Kevin De Bruyne oder Riyad Mahrez stehen meist im Fokus, besondere Verdienste erarbeitete sich aber auch das defensive Mittelfeld mit Fernandinho und Ilkyay Gündoganoder Rodri.
"Fernandinho war in dieser Saison ein herausragender Kapitän, der uns in den schlechten Momenten geführt hat", verteilte der Trainer ein Extralob an den Brasilianer. Guardiola hat mit seiner Mannschaft, im positiven Sinne, ein Monster erschaffen. Schwachstellen? Müssen erst noch gefunden werden.
"Wir waren brillant und haben das Finale verdient", stellte Guardiola zufrieden fest. Das ist nicht arrogant, sondern schlicht die Wahrheit.

Umstrittenes Gerichtsurteil macht City-Erfolg möglich

Wahr ist aber auch, dass der europäische Höhenflug der Citizens nur durch ein umstrittenes Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS im vergangenen Jahr möglich wurde. Der gab dem Einspruch des Klubs gegen die von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) verhängte Sperre aufgrund der Missachtung des Financial Fair Plays statt.
Der CAS sah es zwar als erwiesen an, dass City nicht ausreichend mit dem Finanzkontrollgremium der UEFA kooperiert und damit gegen Artikel 56 des Financial Fair Play (FFP) verstoßen habe, der Vorwurf, Manchester habe unrechtmäßige Geldzuwendungen durch seine arabischen Investoren erhalten, sei allerdings unbegründet.
"Es ist schwer vorstellbar, wie die Financial-Fair-Play-Regeln dies überleben können", twitterte damals Englands Fußball-Ikone Gary Lineker. Und auch wenn die "BBC" das Urteil als "ManCitys größten Sieg" betitelte, hat es die Beliebtheit des Vereins außerhalb von Manchester nicht gerade gefördert.

Manchester City knackt die Milliarden-Marke

In welchen finanziellen Dimensionen sich der sechsmalige englische Meister bewegt, zeigt eine Analyse der Forscher vom Schweizer Institut CIES. Demzufolge gab ManCity seit 2016 die unvorstellbare Summe von 1,006 Milliarden Euro für Neuzugänge aus.

Manchester City

Fotocredit: Getty Images

Da in dieser Zeit nur 375 Millionen Euro durch Spielerverkäufe erlöst wurden, ergibt sich ein Minus von 631 Millionen Euro. Trauriger Rekord in Europa.
Das von Guardiola entworfene größere Bild hat also zwei Seiten: Auf der einen ist eine Fußball-Mannschaft zu sehen, die ein begnadeter Trainer zu derzeit wohl besten in Europa geformt hat und die am 29. Mai höchstwahrscheinlich die Champions League gewinnt.
Auf der anderen ist ein umstrittenes Milliarden-Projekt abgebildet, das sich am Rande der UEFA-Regularien bewegt.

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